Ferienbeginn - Tag der richtigen Berufswahl!

Heute ist auch in Bayern und in Baden-Württemberg der "Tag der richtigen Berufswahl", um einen lieben Kollegen heute morgen zu zitieren.

Ab jetzt werden wir in den nächsten sechs Wochen wieder regelmäßig gefragt werden, ob wir denn nichts zu tun hätten, wenn wir mal morgens beim Arzt oder gar in einem Cafe sitzen. Gleich darauf folgt so sicher wie das "Amen" in der Kirche der Satz: "Ach ja, Lehrer müsste man sein. Ihr habt es gut!" Darauf sollte man eigentlich schelmisch lachen und eben auf die richtige Berufswahl hinweisen. 

Aber das tun wir wahrscheinlich nicht. Wir belächeln das Ganze wahrscheinlich nur müde und denken zurück an die stressigen letzten Wochen mit unzähligen „Pubertisten“ in und außerhalb der Klasse, deren Hormone mit steigender Hitze in extremen Überschwang kamen. Egal ob sich diese dann zwischenmenschlich positiv oder negativ entluden. Wir denken auch an die Konferenzen, in denen aber zum derzeitigen Stand noch nicht über engere Planungen für das kommende Schuljahr gesprochen werden konnte, schließlich sind die Zuteilungen der Regierung noch nicht eingetroffen.  

Nein, wir erwähnen ferner auch nicht die Diskussionen um richtige Zeugnisbemerkungen und wie oft wir diese umgeschrieben haben, weil am Ende doch noch ein Rechtschreibfehler darin gefunden wurde. Auch die Aufnahme von neuen Schülern kurz vor dem Schuljahresende wird nicht diskutiert, obwohl die Zeit für die Integration in die Klasse nahezu gleich null war. Dafür ziehen aber einige Schüler weg, für die es noch schnell hieß ein Abschiedsgeschenk der Klasse auf die Beine zu stellen. 

Die Kollegen standen auch schon Schlange zwecks Projekten für das kommende Schuljahr, zu denen wir uns noch schnell anmelden mussten. Die letzten Bücherbestellungen für den Herbst mussten auf den Weg gebracht werden.  Der Draht zum Sekretariat und zum Hausmeister lief oftmals heiß.

Das Mitgefühl mit den Referendaren, die noch nicht wissen, wo sie ihren Einsatz haben werden. Das Mitgefühl mit den fertigen Referendaren, wenn sie in einen weniger beliebten Regierungsbezirk verfrachtet werden und nun auf sechs Wochen sowohl eine Wohnung besorgen müssen, einen Umzug organisieren und in der neuen Schule ankommen müssen. Das alles wird nicht vermerkt.

In unserem Abschlussgottesdienst hieß es heute so schön "Die Luft ist raus!"; und das stimmt, sowohl bei uns Lehrern, als auch bei den Schülerinnen und Schülern. Die Ferien sind da und das ist gut so! 

Aber irgendwie vermissen wir die Schule auch bald wieder, denn es gibt noch etwas, das wir bei den Diskussionen mit "Nicht-Lehrern" nicht thematisieren:

 - Das Lächeln der Schülerin, die in den Ferien umzieht, weil sie sich über ihr Abschiedsgeschenk freut und die Klasse vermissen wird.

- Das Dankeschön der Klasse für die geleistete Arbeit, das ganze Jahr hinweg, auch wenn es nur in Gesten und einem Augenzwinkern ablesbar ist.

- Die Freude der Schüler, dass sie in einem Fach doch eine bessere Note erreicht haben, als gedacht.

- Das Zuzwinkern unter Kollegen bei der Verabschiedung, gemeint ist wieder etwas ganz Tolles geschafft zu haben. 

- Der Händedruck zur Verabschiedungen der Jugendlichen.

- Der erlösende "Ruf" der Kids, die dann jubelnd in die Ferien liefen.

- Listen, Akten, Probearbeiten, ... die in den letzten Tagen verpackt, abgehakt, geschreddert, abgeschlossen und/oder archiviert wurden.

- Das wohlverdiente Mittagessen im Kreise der Kollegen, bei dem man mal nicht über die Schüler oder Fächer sprach, sondern einfach über die Familie, die bevorstehende Einschulung der eigenen Kids, den gebuchten Urlaub.

- Dass wir es trotzdem spannend finden, wie denn die Zusammensetzung in der Klasse und dem Kollegium nächstes Jahr sein wird.

- Dass wir uns, nach ein paar Tagen wohlverdienter Pause, auch schon wieder daran machen, neues Material zu erstellen, um gut vorbereitet in das neue Schuljahr zu starten.

"Die Luft ist raus"

Wir tanken neue Kraft und freuen uns, egal ob wir beim Arzt sitzen oder auch mal im Cafe, über das Geleistete in der Vergangenheit und auf das Neue im Herbst.

Ich hoffe euch geht es genauso, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Genießt die Ferien!

Allen, in den anderen Bundesländern, die schon bald wieder ran müssen, einen guten Start!

 

In diesem Sinne

SCHÖNE FERIEN!


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