Kinder
mit einer Lese-Rechtschreibschwäche neigen dazu, beim Abschreiben nicht das
Wort an sich, sondern die einzelnen Buchstaben abzuschreiben. Nicht selten
erlebe ich, dass diese Kinder das abzuschreibende Wort vorher noch nicht einmal
gelesen haben. Warum auch? Etwas zu lesen und sich anschließend merken zu
müssen, kann anstrengend sein.
Die Strategie, Buchstabe für Buchstabe abzuschreiben, ist also durchaus nachvollziehbar, denn so muss das Wort
1. nicht richtig gelesen werden,
2. nicht gemerkt werden und
3. sie reduziert die Anzahl der Fehler.
Der große (immens große!) Nachteil dieser Strategie ist jedoch, dass sie das Einprägen der Wortbilder verhindert oder zumindest nicht voranbringt und unverhältnismäßig lange dauert. Hinzu kommt, dass übersehene Buchstaben nicht entdeckt werden – eine Selbstüberprüfung ist also nur möglich, wenn wiederum Buchstabe für Buchstabe mit der Vorlage abgeglichen wird. Wieder findet keine Abspeicherung des Wortbildes statt.
Eine Verbesserung der Lese- und Schreibleistung ist gekoppelt an die Automatisierung der Wortbilder.
In der Praxis bedeutet dies: Ein Wort muss nicht immer wieder von Neuem hergeleitet und Buchstabe für Buchstabe erarbeitet werden, sondern ist in seinem Gesamtbild im Gedächtnis abgespeichert.
Damit die Automatisierung der Wortbilder erfolgen kann, ist es jedoch unumgänglich, sich immer wieder mit dem gesamten Wortbild auseinanderzusetzen.
Mein Tipp für Abschreibübungen aller Art:
Wort genau lesen ⇨ Wort abdecken ⇨ Wort schreiben ⇨ Wort kontrollieren
Der Fokus liegt ununterbrochen auf dem gesamten Wort. Bei längeren Wörtern werden diese beim Lesen in ihre Silben gegliedert. Der Schreibprozess findet dann auch Silbe für Silbe statt - die innere Stimme liest mit und kontrolliert, ob alle gesprochenen Buchstaben auch geschrieben wurden. Die Selbstkontrolle wird ebenfalls in Silben durchgeführt. Es kann helfen, mit dem Finger das Lesen und Kontrollieren zu unterstützen.
Dies ist anfangs eine zeitaufwendige Methode – aber sehr effektiv!
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