Langsames und stockendes Lesen ist nicht nur anstrengend und frustrierend - es hindert auch das Gehirn daran, das Gelesene adäquat zu verarbeiten. Das Leseverständnis bleibt auf der Strecke. Die Folge ist, dass Kinder mit Schwierigkeiten beim Lesen meist nur schwer wiedergeben können, was sie da gerade gelesen haben. Dies führt zu Frust auf allen Seiten - und zu Problemen in weiteren Fächern
Die Ursache liegt häufig in einer nicht abgeschlossenen Automatisierung der Wort-Bild-Erkennung. Jedes neue Wort der Zeile muss Buchstabe für Buchstabe in zusammengesetzt werden, da das Gehirn nicht in der Lage ist, das Wort als Ganzes zu erkennen. Dieser Prozess verbraucht sehr viel Konzentration und macht es oft unmöglich, sich auch noch auf den Inhalt des Satzes zu konzentrieren.
1. Wählen Sie eine Kategorie innerhalb der Lesekarten aus (Meine Empfehlung: Beginnen Sie mit „Wortstämme“ ).
2. Wählen Sie ein Zeitfenster aus, zu dem Sie täglich 5-10 Minuten nur für Ihr Kind da sein können. Das Zeitfenster wird gemeinsam besprochen und festgelegt und sollte auch nur in absoluten Ausnahmen geändert werden. Warum ist es so wichtig? Kinder mit Schwierigkeiten beim Lesen möchten genau dieser Tätigkeit gerne aus dem Weg gehen – verständlicherweise! Werden Sie nun damit konfrontiert, sich kurzfristig und spontan einer Sache zu widmen, die sie eigentlich so gut es geht zu vermeiden versuchen, reagieren Sie meist mit Trotz und Wut. Dies ist ebenfalls verständlich, denn auf Dinge, die wir nicht mögen oder nicht wollen, möchten wir uns gerne vorbereiten. Vermeiden Sie also eine „böse Überraschung“.
3. Lassen Sie sich mindestens eine Karte pro Tag vorlesen. Ob ausgedruckt, am Handy oder am Tablet spielt für den Erfolg keine Rolle. Auch die Reihenfolge der Karten ist nicht zwingend einzuhalten. Zwar sind die Lesekarten systematisch nach Lauten sortiert, dies ist jedoch eher für Lehrkräfte von Bedeutung.
4. Diese eine Karte pro Tag soll nun immer und immer wieder vorgelesen werden – vorwärts, rückwärts, egalwärts! Begleiten Sie das Lesen, damit sich keine Fehler einschleichen. Sie werden erkennen, dass das Stocken recht schnell nachlässt und die Lesegeschwindigkeit zunimmt.
5. Sobald Sie den Eindruck haben, dass die Karte „auswendig gelernt“ klingt, ist das Tagesziel erreicht! In diesem Moment ist das Wortbild mit dem gesprochenen Wort verknüpft. Dieser Prozess wird als Automatisierung bezeichnet und beschreibt den natürlichen Lesevorgang. Wenn Sie sich selbst einmal beim Lesen beobachten, werden Sie feststellen, dass Sie einzelne Wörter nicht mehr Buchstabe für Buchstabe zusammenziehen, sondern automatisch das gesamte Wort erkennen. Und genau das üben Sie nun mit Ihrem Kind!
Schon nach wenigen Wochen werden Sie die ersten positiven Veränderungen bemerken: Mit einer Steigerung der Lesegeschwindigkeit nimmt das Verstehen des Gelesenen zu. Der Freude am Lesen sind von nun an keine Grenzen mehr gesetzt!
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