7 Tipps für mehr Ruhe im Klassenraum

Diese Tipps helfen dir, deinen Klassenraum von Lärm und Unausgeglichenheit zu befreien.

Regelmäßig beklagen sich Referendare und ausgebildete LehrerInnen über die Lautstärke und die Respektlosigkeit, die ihnen im Klassenraum entgegengebracht wird. Kinder in der Grundschule sind nicht genügend ausgelastet und IMMER laut, OberstufenschülerInnen haben Anstand und Respekt verloren und eine Riesenfreude daran, ihre Grenzen gegenüber der Lehrkraft auszutesten. Der Lärm der Grundschüler entfaltet sich trotz Schweigefuchs und Lehrerglocke bis in die letzten Winkel des Klassenraums, während SchülerInnen in der Mittelstufe nur noch mit Quatschen beschäftigt sind und der Lehrkraft weder Aufmerksamkeit, noch Autorität gönnen.

Mit diesen Eindrücken haben viele Lehrkräfte Tag für Tag zu kämpfen. Der Schlüssel zu Ruhe und Gehorsamkeit im Unterricht ist ein selbstbewusstes und souveränes Auftreten. Meine Tipps spornen dich an, mit genügend Selbstvertrauen und Energie einer Klasse entgegen zu treten.

1. Gestalte den Stundenanfang geschickt!

Weil die Unterrichtsstunde für den vorbereiteten Stoff meistens zu knapp ist, möchte man sie gern ab der ersten Sekunde mit Inhalt zustopfen. Der Stundenbeginn ist allerdings viel besser geeignet, um die Kinder abzuholen und willkommen zu heißen.

In der Grundschule sind viele Schüler beispielsweise von der großen Pause aufgekratzt und aufgeregt. Es fällt ihnen schwer, runterzukommen. In diesem Fall hilft es, kurz zu beruhigen (3–5 Minuten). Das kann durch ein spannendes Hörbuch geschehen, das du jedes Mal vor Stundenbeginn einschaltest. Anderenfalls liest du selber. Die Kinder haben jedes Mal eine Kleinigkeit, die sie sich auf die Stunde freuen und sie zuverlässig pünktlich sein lässt.

Der andere Extremfall ist die zähe, langsame und desinteressierte Klasse, die dir total isoliert vorkommt. Dieses Phänomen begegnet einem häufig in der Oberschule. Die SchülerInnen sind träge, schlaff und haben keine Lust. In diesem Fall hilft ein „Energizer“ oder „Warm-Up“, der witzig und aktivierend ist. Weil SchülerInnen in der Oberschule meistens sehr viel Wert darauf legen, wie Erwachsene behandelt zu werden, ist wichtig, dass der „Energizer“ nicht zu albern ist. Meine zwei Lieblingsenergizer sind „Pferderennen“ und „das Schüttelspiel“. Danach dürften die Schüler ein bisschen wacher und konzentrierter sein.

2. Sei auf die üblichen Störenfriede vorbereitet!

Wenn du die Klasse schon besser kennst, dürftest du wissen, wer der Lauteste ist. Du kannst den üblichen Verdächtigen schon zu Anfang kleine Aufgaben geben, an die sie die ganze Stunde gebunden sind. Eine sichere Nummer ist „Protokoll schreiben“. Der Schüler KANN NICHT ANDERS, als aufmerksam und konzentriert sein. Falls der oder die Störende ein besonders harter Fall ist, kannst du das fertige Protokoll benoten.

Alternativ gibst du dem oder der Störenden die Aufgabe, am Schluss eine zwei-minütige Präsentation in Form eines Reimes, Liedes, Plakats, Bildes oder Zeitungsartikels zu erstellen, welche das Stundenziel, -thema und -motiv knackig und kurz zusammen fasst.

3. Baue Pausen in den Unterricht ein!

Es ist sehr schwierig, mit der verfügten Zeit alle Ziele des Rahmenlehrplans zu erreichen. LehrerInnen fürchten häufig, sich und ihrer Klasse keine Pausen leisten zu können. Das ist ein großer Irrtum. Gerade Pausen tragen maßgeblich zu einem gelungenen Lernerlebnis bei. SchülerInnen sind dankbar für Pausen, sie können in dieser Zeit essen oder sich unterhalten.

Die Pausen dürfen natürlich auf keinen Fall zu lang sein. Höchstens drei bis fünf Minuten sind angemessen. Damit die Schüler wissen, wie viel Zeit noch übrig ist, ist es an dieser Stelle sinnvoll, einen digitalen Countdown anzuschalten. Teile den Schülern vor der Pause mit, dass trotzdem eine ruhige Atmosphäre herrschen soll. Falls die Pause doch länger wird als erwartet, weil die Kinder dir keine Aufmerksamkeit schenken, kannst du die Pause beispielsweise mit einem lauten aufgenommenen Tiergeräusch beenden lassen. Die Kinder raten dann, um welches Tier es sich gehandelt hat und sind im besten Fall wieder im Unterricht angekommen.

4. Gehe auf die Störenden zu!

Ich persönlich finde die Methode des „Schüler-Umsetzens“ unklug. Die Lehrkraft macht sich bloß unbeliebt und provoziert eine Trotzhaltung bei den SchülerInnen. Mein Tipp also: eine Tischanordnung festlegen, die viel Übersicht verschafft. Es ist wichtig, dass du alle Schüler so gut wie immer sehen kannst. Außerdem ist es von SEHR großem Vorteil, wenn du an jeden Schüler (physisch) herantreten kannst. Dies hat folgenden Zweck: Wenn Schüler in einer Ecke quatschen oder auf andere respektlose Art deinen Unterricht stören, kannst du ihnen durch Körpersprache signalisieren, dass du sie „im Visier“ hast. Geh also während du über das Stundenthema redest auf sie zu und stelle dich zwischen oder vor sie. Trotzdem sprichst du weiter über das eigentliche Thema. Die Störenden verstehen deine Körpersprache hundertprozentig und werden ihr Gespräch einstellen. Wenn du merkst, dass sie deine Nachricht verstanden haben, kannst du ruhig noch eine Weile vor ihnen bleiben, während du weiter sprichst.

5. Keine Ruhesignale für ältere Schüler!

Ich kann mir gut vorstellen, dass Erst- und Zweitklässler von dem „Schweigefuchsspielchen“ und der „Ampelregel“ begeistert sind und sich fieberhaft an die Regeln halten wollen. Sehr sicher bin ich mir aber auch, dass diese pädagogischen Regelmethoden bei Mittel- oder OberstufenschülerInnen nicht wirken. Regeln wie „rote/gelbe Karten“, „Stimmungsblumen“ oder „Lob-Bienchen“ sind für pubertierende Jugendliche nur lächerlich und albern. Weil junge Menschen sich in der Pubertätsphase gern von ihrer Kindlichkeit abheben wollen, reagieren sie auf Lob-Bienchen mit Respektlosigkeit, Ignoranz oder Desinteresse. Möchtest du dich in der Oberschule durchsetzen und als Autoritätsperson wahrgenommen werden, lasse die Stimmungskärtchen und das Schweigefuchszeichen zu Hause.

Probiere es stattdessen mit „ungewöhnlicheren“ Methoden:

Wenn die ganze Klasse lärmt, geht es nur darum, die Aufmerksamkeit für dich zu gewinnen, EGAL WIE! (natürlich nicht ganz egal,… Schlüssel schmeißen oder schreien ist ein NO GO!). Du könntest aber zum Beispiel auf einem Smartboard oder mit einer Stereoanlage für einen KURZEN Moment so laut Musik aufdrehen, dass es weh tut. Ich erinnere mich an einen Lehrer, der aus dem Raum gegangen ist und als er wiederkam, schlug er dabei hinter sich so laut die Tür zu, dass alle vor Schreck schwiegen. Das hat sich regelmäßig bewährt.

6. Sprich leiser!

Man hört häufig: „Laut sprechen ist so wichtig, das kann man lernen!“ Das solltest du als Lehrkraft auch auf jeden Fall angehen. Viel wichtiger ist es jedoch, leise sprechen zu können und zwar auch dann, wenn es laut ist. Durch regelmäßige Übung kannst du lernen, deine Lautstärke zu regulieren. Immer wenn es laut ist, sprichst du ein wenig leiser. Die Menschen sind darauf trainiert, zuzuhören und vor allem dann besonders genau, wenn es Mühe kostet, alles zu verstehen. Der Erfolg dieser Methode hängt von Größe und Konstellation der Klassengruppe ab. Ein Versuch ist es aber sicher wert.

7. Setze Kopfhörer im Unterricht ein!

Die großen Kopfhörer, die Bauarbeiter nutzen, um nicht vom lärmenden Presslufthammer taub zu werden, lassen sich super in der Klasse an Schüler verteilen. Sobald die Arbeitsphase beginnt, kann es etwas lauter werden. Diejenigen, die trotzdem ihre Ruhe zum Arbeiten wollen, setzen sich einen der Kopfhörer auf. Zum Ende der Stunde werden sie wieder abgegeben. Obwohl nur ein paar Schüler die Kopfhörer tragen, beruhigt diese Anwendung die ganze Klasse.

In der Oberstufe ist es durchaus von Vorteil, inEar-Kopfhörer während bestimmter Lernphasen zu „erlauben“. Meiner Meinung nach gibt es keinen vernünftigen Grund, Kopfhörer aus dem Lernalltag auszuschließen. Viele jugendliche Lernende haben während des Arbeitens Musik auf den Ohren und können sich verblüffender Weise besser konzentrieren. Handel einen Deal mit deinen OberstufenschülernInnen aus: Sie dürfen Kopfhörer benutzen, das Ergebnis der Arbeitsphase wird eingesammelt und bewertet. Wenn die Leistungen gut oder nicht schlechter als sonst ausfallen, sind Kopfhörer in den Club der Lernhilfematerialien feierlich aufgenommen.

Mein Name ist Elli und war vom April bis Juni 2018 Praktikantin bei lehrermarktplatz.de. Ich habe im Jahr 2017 Abitur in Berlin gemacht, erinnere mich also noch sehr gut an meine Schulzeit und an die Begegnungen, die ich dort mit Lehrerinnen und Lehrern hatte. Ich hatte eine sehr angenehme Schulzeit. Mir fiel allerdings auf, dass meine damaligen LehrerInnen die Unterrichtszeit nicht immer sehr angenehm fanden. Vielleicht hätten sie Rat aus anderer Perspektive gebrauchen können, um sich den Arbeitsalltag zu erleichtern. Mit diesem Artikel versuche ich, meine Erfahrungen aus der Schulzeit in produktive Tipps für die Leserschaft von “lehrermarktplatz” umzuwandeln.


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