
Beim Science Slam geht es darum wissenschaftliche, anspruchsvolle Themen auf unterhaltsame, humoristische Weise einem fremden Publikum zu vermitteln. Ein guter Slammer weiß, wie er die Aufmerksamkeit seines Publikums erhält. Er kann die Reaktionen seiner Zuschauer steuern und sie in seinem Bann der Erzählung fesseln. Er nutzt die elementaren Prinzipien des Präsentieren und Vortragen für seine Show. Doch was hat das mit dem Lehrersein zu tun?
Auch LehrerInnen liefern jeden Tag eine Show ab, und zwar den Unterricht. Bei dem Auftritt vor der Klasse musst du deine SchülerInnen tagtäglich begeistern, sie für neue Themen faszinieren und neues Wissen anschaulich vermitteln. LehrerInnen führen ihre Klasse und müssen auch mit Niederlagen, wie dem fehlenden Beifall oder stillen Pausen, umgehen können.
Was ist eigentlich Science Slam? Welche Tipps und Tricks kann ich als LehrerIn von einem Slammer lernen? Wie setze ich das Erlernte um? Wie finde ich eine gute Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit in meinem Unterricht?
Ein Science Slam ist ein Wissenschaftswettstreit. Wissenschaftler halten vor nicht wissenschaftlichem Publikum einen Kurzvortrag über Ihr Fachgebiet. Dieser soll die Leute zu gleichem Maße unterhalten, als auch informieren. Im Vordergrund steht dabei die Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte. Das Publikum bewertet den Slammer anschließend nach der Komplexität des wissenschaftlichen Inhaltes, der Verständlichkeit und dem Unterhaltungswert.
Science Slammer sind für Ihre lockere, humoristische Art Vorträge zu halten bekannt. Dennoch vermitteln Sie ein hohes Maß an Wissen und erklären komplexe Vorgänge anschaulich. Wenn es daher darum geht, ein komplexes Thema greifbarer zu machen und ein Publikum für unbekannte, schwierige wissenschaftliche Themen zu begeistern, könntest du mit dieser Taktik ganz gut Punkten.
Die erste Regel eines gelungen Science Slam ist es, nicht nur Wissen, sondern auch Spaß zu vermitteln. Ein Science Slammer steigt selten direkt ins Thema ein. Er stellt vorerst sich, sein Fach oder sein Thema auf witzige Art und Weise kurz vor. Du als LehrerIn kannst dir ebenfalls für einen gelungenen Themeneinstieg überlegen, welche persönlichen Erfahrungen du mit dem Thema gesammelt hast. Wie hat dein damaliger Lehrer das Thema in der Schule bearbeitet? Was ist dir aus deiner Uni-Zeit zu dem Thema im Gedächtnis geblieben? Wie reagierten Mitschüler/Kommilitonen auf das Thema? Was magst du besonders daran und was eher weniger? Welche witzigen Alltagsphänomene greift das Thema auf? Welche evtl. lustigen persönlichen Geschichten oder Erinnerungen verbindest du damit?
Kurz gesagt: Dadurch, dass du dem Thema einen eigenen Kontext, eine eigene Persönlichkeit durch eine Geschichte, o.ä. verleihst wird es für deine SchülerInnen interessanter. Die Neugier lockt.
Ist erst einmal das Interesse am neuen Thema geweckt, muss der Inhalt des Themas vermittelt werden. Denke daran, sowohl du als LehrerIn, als auch der Science Slammer, seid auf dem Gebiet Experte. Das Publikum, die SchülerInnen, hingegen hat potenziell keinerlei Vorerfahrungen mit dem Thema. Deshalb ist das Wichtigste, dass wir von Science Slammern in vielen Beispielen lernen können: ein abstraktes Thema zu veranschaulichen. Dazu können auch Lego-Männchen, ferngesteuerte Flugzeuge etc. dienen.
Nutze beispielsweise anstelle eines Modells von Protonen doch erst einmal Stofffiguren:
Oder stelle einen Quantencomputer, der verschiedene elektronische Kräfte beinhaltet, als eine Liebesgeschichte dar:
Diese und viele weitere Beispiele zeigen, wie man höchst komplexe Systeme auf allseits Bekanntes, alltägliches beziehen kann, um diese zu veranschaulichen und für die SchülerInnen greifbarer zu machen.
Kurz gesagt: Durch die Veranschaulichung und/oder auf den Alltag bezogene Darstellung eines komplexen Themas, wird es für die SchülerInnen greifbarer, transparenter und spannender.
Doch wo bleibt der Wissensinhalt? Schaut man sich die oben als Beispiel angeführten Videos an, ist nun der Zeitpunkt erreicht, indem das veranschaulichte Wissen auf seine eigentliche Form der Vermittlung zurückbezogen wird. Dieses kann eine Formel, ein Modell, eine Theorie, etc. sein. Dazu kann auch Foto und Videomaterial genutzt werden, um den SchülerInnen zu zeigen wie eine Reaktion, etc. in echt oder im wissenschaftlichen Modell aussieht.
Kurz gesagt: Der Zusammenhang zwischen Veranschaulichtem, uns Bekanntem und des abstrakten Wissen (Formel, etc.) wird dargestellt.
Ein weiterer Trick, der von Slammern gerne genutzt wird, ist es, seinem Publikum Impulse/Anreize durch Späße zu bieten. Sie lockern insgesamt die Atmosphäre auf. Durch ein kurzes Lachen kann das Publikum abschalten, um sich danach wieder auf die wissenschaftliche Seite des Vortrages zu konzentrieren. Versuch auch du, deinen SchülerInnen durch Spaß Impulse zu setzen. Ein entspanntes Lachen oder eine Pause zum Durchatmen schafft neue Konzentration.
Doch nicht nur Situationskomik kann motivieren. Wie wäre es, wenn du für die SchülerInnen einen Gewinn bereitstellst. Beispielsweise eine golden angesprühte Dose Spinat, o.ä., die derjenige, der als schnellstes den Umfang der Dose berechnet hat, mit nach Hause nehmen darf. Oder eine goldene Zwiebel, die gewonnen werden kann, wenn als schnellstes alle Phasen der Mitose bestimmt wurden.
Kurz gesagt: Gebe deinen SchülerInnen ein motivierendes Ziel für die Unterrichtsstunde und verschaffe ihnen entspannende Denkpausen.
Generell gilt: Hatten die SchülerInnen Spaß in Ihrer Unterrichtsstunde, verinnerlichen sie schneller das Erlernte und erinnern sich länger daran zurück. Denn ob Publikum oder Klasse, am Ende erinnert am stärksten der Vortrag, der einen am meisten unterhalten hat.
“Humorvolles Verhalten und Verständnis für Humor kann stressvolle Situationen im Schulalltag entschärfen, Aufmerksamkeit aktivieren und das Behalten von Unterrichtsinhalten fördern.”
Auf die Frage, wie viel Humor im Unterricht gut und ab wann es kritisch wird, gibt es leider keine allgemein gültige Antwort. Was jedoch als feststehende Regel gilt, ist, dass trotz Gelächter und Comedy im Klassenraum die Wissensvermittlung nicht fehlen darf. Letztendlich kommt es darauf an, deinen Schülern Unterrichtsinhalte zu vermitteln und nicht nur durch Humor aufzufallen. Wichtig ist, dass du dir selber treu bleibst. Handle beim Thema Humor authentisch und versuche nicht durch gekünstelte Witze deinen Schülern zu gefallen.
Lache aber auch ruhig mal über dich selbst, falls etwas schief geht: Humor macht menschlich. Was für eine Art von Humor du wie oft einsetzen möchtest, musst du für dich selbst herausfinden. Vertraue jedoch deinem Gefühl. Humor im Unterricht kann gut als Impuls, Pause und Auflockerung genutzt werden, die Wissensvermittlung sollte aber nach wie vor im Vordergrund stehen.
Quellen
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