Interessenstasche

·        Interessen der Schüler herausfinden- warum und wie?

Schüler betreten die Schule meist recht anonym, vor allem, wenn ein Klassenwechsel, der Wechsel auf eine neue Schulart oder eine neue Klassenzusammensetzung aufgrund des M-Zuges vorangegangen ist. Damit sowohl die Lehrkraft als auch die Klassenkameraden einander besser kennen lernen, kann die Methode der „Interest bag“ – zu Deutsch: der „Interessenstasche“ herangezogen werden. Verknüpft mit Büchern, die im Klassenzimmer aufgestellt werden, kann, wie im Nachfolgenden berichtet, Lesemotivation geschaffen werden.

 

·        Welche Stolperfallen gibt es bereits im Vorfeld?

Die Lehrkraft erteilt die Hausaufgabe, dass die SchülerInnen in der Folgestunde drei Gegenstände ihrer Wahl in einer blickdichten Tasche mitbringen sollen. Dabei gilt es auf viele Einzelheiten hinzuweisen, um kein Kind einer eventuellen Schmach aussetzen zu müssen.

Die Heranwachsenden sollen drei Gegenstände ihrer Wahl mitbringen, die sie beschreiben.

Achtung: wählt man ein konkretes Thema wie beispielsweise Urlaubserinnerungen, kann es passieren, dass man negative Gefühle kreiert, da eventuell manche Kinder noch nie im Urlaub waren.

Tipp: den Kindern den Ratschlag geben, zu überlegen, was sie für Hobbies haben, welcher Alltagsgegenstand sie begleitet oder mit welchem Gegenstand sie eine besondere Erinnerung verbinden.

  Begrifflichkeit der „Tasche“ klären

Achtung: keine zerknitterte Einkaufstüte mitbringen lassen, da diese die Wertschätzung der Gegenstände im Inneren schmälern könnte.

Tipp: den Kindern eine Geschenktüte vorschlagen, wenn ein/e SchülerIn keine geeignete Tasche findet.

  Zusätzlich ihr Lieblingsbuch mitbringen lassen

Achtung: da manche SchülerInnen kein Lieblingsbuch oder eventuell nicht mal Bücher zu Hause haben werden, ist es ratsam, den Kindern vorzuschlagen, dass hierfür auch in der schulinternen Bücherei oder in der Leseecke ein Buch ausgeliehen werden darf.

Tipp: gerade für ungeübte Leser eignen sich z.B. die K.L.A.R. Taschenbücher, die mit ca. 100 Seiten und großer Schrift nicht nur überschaubar sind, sondern sich auch mit „Jugendthemen“ beschäftigen (Scheidung der Eltern, Amok, Schulschwänzen, Mobbing…). Ungeeignet sind in diesem Fall auch Zeitschriften, weil die vielen Bilder und Fotos wieder vom eigentlichen Lesen ablenken.

 

·        Anwendung der Methode, um Lesemotivation zu erwecken

Die SchülerInnen bilden einen Stuhlkreis, der nach außen hin geöffnet ist, wodurch die Stuhlrücken nach innen zeigen. Daraufhin platzieren sie ihre Interessenstaschen auf einem Stuhl. Das selbst mitgebrachte Buch platzieren sie auf Tischen im Klassenzimmer, wobei dieses aufgestellt sein sollte, um besser erkennbar zu sein.

In einer ersten Phase gehen die Schüler im Stuhlkreis langsam umher und können nun nach einem Signal zuerst die Gegenstände in den Taschen vorsichtig ertasten. Dies geschieht, um das Interesse der Schüler für den Inhalt der Tasche zu wecken.

In der zweiten Phase kann nun jeder Schüler die Gegenstände der Tasche, vor der er steht, auspacken und auf die Stuhlfläche legen. Auch hierbei gilt: die Kinder auf ein verweilendes Stehenbleiben vor dem Stuhl hinweisen, um die Gegenstände richtig zu beobachten - um auch Einzelheiten wahrzunehmen und Gedanken aufkommen zu lassen, zu wem nun diese Gegenstände passen könnten.

In der dritten Phase sollen die Heranwachsenden nun vor einem Stuhl stehen bleiben, sich die Gegenstände einprägen und ein passendes Buch dazu auswählen.

Achtung: man muss mit den Kindern im Vorfeld klären, was ein Klappentext ist und dass dieser ihnen neben dem offensichtlichen Cover helfen kann, den Inhalt eines Buches zu erfassen.

Die letzte Phase besteht nun darin, dass die SchülerInnen zu ihrem eigenen Stuhl wandern sollen, um zu schauen, welches Buch für sie persönlich ausgewählt wurde. Hierbei sollte unbedingt in einem ausführlichen Klassengespräch thematisiert werden, warum das Buch ausgewählt wurde und ob der Schüler der Tasche sich vorstellen kann, dieses zu lesen. Da die Kinder nach dieser freien Phase nun wahrscheinlich Probleme mit ihrer Konzentrationsspanne haben werden, eignet es sich die Stühle wieder in einen normalen Sitzkreis umstellen zu lassen und die letzte Phase sitzend zu absolvieren.

 

·        Was haben die Schüler davon?

Die SchülerInnen lernen sich gegenseitig kennen und darüber hinaus lernen sie, wenn auch nur durch das Cover eines Buches, Gegenstände mit einem Buch zu verknüpfen, um somit darüber nachzudenken, welches Buch ihren eigenen Interessen am nächsten kommt. Wenn das für ihn oder sie selbst gewählte Buch interessant ausschaut oder die Wahl des Buches gut begründet wurde, kann es sogar im besten Falle passieren, dass das Werk gelesen wird.


Alles in allem ist diese Idee also eine wunderbare Möglichkeit, um zum einen die SchülerInnen sich gegenseitig näher kennenlernen zu lassen und zum anderen Bücherideen von seinen Mitschülern aufgezeigt zu bekommen.


Hast du diese Idee bereits umgesetzt? Schreib mir deine Erfahrung damit gerne unten in die Kommentare :)



Quelle: https://pixabay.com/de/photos/jahrgang-karte-kompass-atlas-4896141/

Tags: Buch lesen, Lesemotivation, Lesen, Leseförderung, Interessenstasche, Kennenlernen, Kennenlernwoche, Einstieg, Schulstart, Schulstart/Kennenlernen

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