Das "Buch unter der Bank" - Konzept


„Schon oft hat das Lesen eines Buches jemandes Zukunft beeinflußt.“

      - Ralph Waldo Emerson (1803 - 1882), US-amer. Geistlicher, Philosoph und Schriftsteller


·        Warum Lesemotivation erwecken?

Warum soll überhaupt an der Lesemotivation angesetzt werden? Es ist erwiesen, dass diese primär deshalb einen Effekt auf die ganzheitliche Lesekompetenz hat, da durch eine hohe Motivation, die Lesemenge gesteigert und dadurch das Leseverständnis positiv beeinflusst wird. Durch diese Anreicherung an neuem Wort- und Weltwissen kann innerhalb des Kindes ein positives Selbstkonzept entstehen. Somit wird deutlich, dass ein Konzept zur Steigerung einer nachhaltigen Lesemotivation von immenser Bedeutung ist. Durch Lesetagebücher, kreative Erarbeitungen des Inhalts in Form von beispielsweise Comics, Standbildern, Fotolovestorys, Tagebucheinträgen, Buch-Film-Vergleiche oder dem Einspielen von Hörszenarien kann man versuchen die Motivation hinsichtlich des Inhalts durch Perspektivübernahmen und Empathie zu erhöhen.

 

·        Woher bekommt man altersgerechte Bücher?

Wichtig ist, dass ein Buch entsprechendes Interesse weckt. Dazu brauchen Schüler oft eine Beratung durch die Lehrkraft. Was hier besonders empfehlenswert ist, ist es, eine Schülerbücherei in der Schule zu installieren bzw. diese aktiv zu behandeln. Ich habe dies an unserer Schule gemacht. Jedoch erfordert es eine stetige Integration der Bücherei und eine Regelmäßigkeit, in der die Kinder entweder geleitet oder selbstständig darin agieren können. Auch Internetseiten oder gezielte Umfragen/ Fragebögen innerhalb der Klasse können den Heranwachsenden und der Lehrkraft helfen die passende Auswahl zu treffen.

 

·        Was bezeichnet das Konzept „Buch unter der Bank“ genau?

Ein Arbeitsblatt ist erarbeitet und zur "Belohnung" darf der Schüler/ die Schülerin jetzt auch noch ein weiteres erarbeiten... Weniger motivierend. Da ist das Abtauchen in ein selbst gewähltes Buch sehr viel spannender und plötzlich eine wahre Motivation (selbstverständlich nur, wenn das Buch sowohl inhaltlich als auch sprachlich auf das Anforderungsniveau des Kindes trifft).

Das Buch kann von zuhause mitgebracht werden und steht bei mir zu jedem Schulstart auf der Materialliste der Schüler. Wenn ein Kind Probleme dabei hat, kann es entweder aus der Klassenbibliothek ein Buch entleihen oder ich erarbeite gemeinsam anhand eines Fragebogens, welches Buch zum Kind passen könnte.

Auch während der typischen Organisationsphasen eines Unterrichts (z.B.: Einsammeln von Elternbriefen oder Geld, Abhaken der Hausaufgaben) ist dieses Prinzip sehr gewinnbringend, da sich die Kinder selbstständig sinnvoll beschäftigen können.

 

·        Welche Stolperstellen gibt es?

Um stetig weiterlesen zu können, empfielt sich ein Lesezeichen, welches eventuell im Kunstunterricht fächerübergreifend und persönlich gestaltet werden kann. Darüber hinaus sollte darauf geachtet werden, dass das Buch wirklich stetig unter der Bank gelagert wird, da es weder in einem Regal noch zuhause für diesen Zweck sinnvoll ist. 

Dennoch ist es wohl die größte Stolperfalle, wenn das gewählte Buch von der Thematik oder dem Anspruch nicht zum Kind passt. Ein Thema, welches nicht im Alltagsbezug des Heranwachsenden steht oder ein sprachlich zu schweres Buch mit vielen Fachbegriffen und zu vielen Seiten, wird keine Begeisterung im Kind auslösen.

 

·        Welches Ziel steckt dahinter?

Lesen ist eine Kulturtechnik.  Die erste veröffentlichte IGLU-Studie des Jahres 2001 zeigte bereits: Deutsche Schülerinnen und Schüler verfügen lediglich über eine befriedigende Lesekompetenz.

Auch viele Jahre später zeigt sich, dass deutsche Kinder – trotz eines Anstieges in der Studie 2006 – gleichbleibend Leistungsmittelwerte im Bereich des Lesens erzielen konnten. Darüber hinaus fällt in der Studie 2016 auf, dass der Prozentsatz der leseschwachen Kinder mit niedriger Lesemotivation stark zugenommen hat.

Somit steht fest, dass Kinder, die schlecht lesen, keine Freude am Lesen entwickeln können. Ein Teufelskreis entsteht, der dazu führt, dass Kinder, die nicht gerne lesen, keine Chance haben ihre Lesefertigkeiten weiterzuentwickel.

Lesemotivation aufzubauen, führt somit automatisch dazu, dass Kinder über Lesefähigkeit sowie -fertigkeit verfügen.


Alles in allem ist das "Buch unter der Bank" eine wertvolle Möglichkeit die Freude des eigenständigen Lesens im schulischen Kontext (ohne darüber abgefragt zu werden oder unter Leistungsdruck zu stehen) zu entfachen.


Habt ihr das Konzept bereits ausprobiert? Schreibt mir gerne in den Kommentaren :)


Quelle des folgenden Bildes: https://pixabay.com/de/images/download/buckled-book-2180047_1280.jpg?attachment&modal


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