Seit der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus und den damit verbundenen bundesweiten #Schulschließungen ist in den Familien nichts mehr, wie es war. Der Alltag ist komplett auf den Kopf gestellt. Während die meisten Familien gewohnt waren, morgens das Haus zu verlassen, um zur Kita, Schule oder eben zur Arbeit zu gehen, müssen Eltern nun zusammen mit ihren Kindern neue Tagesabläufe und Strukturen finden. Manche sogar eine anderweitige Betreuung ihrer Kinder organisieren, weil sie selbst in systemrelevanten Berufen arbeiten.
“Weltweit sind nach Angaben der UN-Organisation UNESCO mehr als 850 Millionen Kinder und Jugendliche von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen, da sie keinen Zugang zu einer Bildungseinrichtung hätten. Das entspräche jedem zweiten Schüler oder Hochschüler, erklärte UNESCO-Generaldirektorin Audrey Azoulay.” (laut Tagesschau, 18.03.2020)
Eine Zerreißprobe zwischen Betreuung, #Homeoffice, Beschäftigungsideen, Haushalt, #Homeschooling im Kontakt mit den Lehrer*innen, Ängste nehmen, viel, viel erklären, Tränen trocknen, über die aktuelle Situation auf dem Laufenden bleiben und ggf. sogar Geldsorgen, weil der aktuelle Job eben auch von der #Corona-Krise bedroht ist.
Und jetzt stelle man sich mal vor, man muss zusätzlich zu all den oben genannten Dingen noch dafür Sorge tragen, dass mehrere Klassen mit jeweils ca. 25 Schüler*innen mit Impulsen, Aufgaben, Plänen und Unterrichtsmaterialien versorgt sind und selbstständig lernen können. Dass man im ständigen Kontakt mit seinen Schüler*innen bleibt, rund um die Uhr ansprechbar ist, auch für die besorgten und z.T. verständlicherweise überforderten Eltern. Mit Kommunikations- und Informationswerkzeugen und -wegen, die vor Corona an vielen Schulen gar nicht existent waren und somit für alle Beteiligten komplett neu und ungewohnt sind. Und das alles muss in kürzester Zeit geschehen, weil die Schulschließungen dann doch viele Schulen unvorbereitet trafen. Ja, viele Lehrer*innen sind gleichzeitig auch Eltern und somit einer Doppelbelastung ausgesetzt.

Ich möchte allen Lehrer*innen gerne ein herzliches Dankeschön aussprechen für ihr Krisen-Management in diesen Zeiten! Keine Community scheint besser im Netzwerken zu sein, egal ob im #twlz (twitter-Lehrerzimmer) oder #instalehrerzimmer, in Netzwerken wie den Edunauten oder eben im eigenen Kollegium. Es werden im Akkord kooperativ Wochenpläne in Padlets und Unterrichtsmaterialien in Lern-Management-System sowie auch bei uns auf lehrermarktplatz.de geteilt. Ich bin wirklich zutiefst beeindruckt von dieser großartigen Kollaboration und Kollegialität, die es übrigens im Kleinen schon vorher in unabhängig organisierten Barcamps gab. Lehrer*innen sind krisenfest und gut darin, wenn es mal drunter und drüber geht, einen kühlen Kopf zu bewahren, weil das ihr Joballtag ist.
Und dennoch stellen die Schulschließungen die Lehrer*innen vor eine Vielzahl von Problemen. Die Rahmenbedingungen an den Schulen sind in den meisten Fällen einfach katastrophal, externe Dienstleister brechen unter dem Ansturm zusammen und es breitet sich bei allen Bemühungen doch ein Gefühl von Machtlosigkeit aus. Sie wollen, sehr sogar, aber können gar nicht! Mal ganz abgesehen davon, dass ihnen auch der direkte Kontakt zu ihren Schüler*innen fehlt. Lehrer*innen mögen Schüler*innen, ja, das ist so! Sie interessieren sich für sie, kennen sie oftmals ziemlich gut, mit allen Stärken und Macken, und lieben es, mit ihnen in Diskussionen einzusteigen, sie herauszufordern und sie beim Lernen ein Stück weit begleiten zu dürfen. Und auch ihnen fällt es schwer, dass sich dieser soziale Kontakt jetzt nur in Videokonferenzen abspielen soll. Ganz zu schweigen von den Schüler*innen selbst. Ich habe gar nicht so viele Worte, wie man hernehmen müsste, um die bescheidene Situation für die Schüler*innen zu beschreiben. Jeder von uns weiß, wie wichtig die sozialen Kontakte und die peer group sind. Anders als die Schule sind vor allem ältere Schüler*innen allerdings schon besser digital unterwegs und kennen ihre virtuellen Kommunikationswege. Lasst uns in diesen Zeiten besonders nachsichtig mit den Schüler*innen sein und sie nicht mit Lernanforderungen überfrachten. Jetzt heißt es, Werte wie Solidarität, Rücksichtnahme, Dankbarkeit aktiv zu leben und damit Vorbild zu sein. #herzzählt wie es eine Lehrerin auf Instagram immer so schön sagt (@liniert.kariert).

Vorbild sein!
@frau.f.aus.w, @riohowland, @mittelschulliebe, @colorful_classroom,
@doodleteacher, @hauptstadtlehrer, @annis_schulkram, @frau.kie
Relativ problemlos scheint es im Moment nur an den Schulen zu laufen, die sich frühzeitig auf den Weg der Digitalisierung gemacht haben und z.B. in google classrooms oder vergleichbaren Lösungen arbeiten. Aber das sind Leuchttürme, nicht die Realität! Eine schnelle Umfrage bei lehrermarktplatz.de mit über 1000 Lehrer*innen hat ergeben, dass
65% per E-Mail kommunizieren,
weitere 16% per Messenger und
nur 19% über o.g. Plattformen.

Wie hilfreich wäre es jetzt, wenn viel mehr Schulen besser ausgestattet wären, wenn Lehrer*innen sich auf die methodisch-didaktische und pädagogische Arbeit mit den Schüler*innen konzentrieren könnten und nicht mit Ketten-Mails, abgestürzten Servern und Datei-Chaos beschäftigt wären. So könnten sie auch die Eltern stärker entlasten. Was die Schulen jetzt gut gebrauchen können, sind IT-Spezialisten, die z.B. die eigene Homepage flottmachen oder bei der Installation von Systemen helfen, die das Homeschooling vereinfachen.
Wir müssen lernen, lernen aus dieser Krise und endlich, endlich anfangen, mehr in die Bildung, in die systematische und flächendeckende Ausstattungen und #Digitalisierung der Schulen, in die Lehrer*innen-Aus- und Weiterbildung zu investieren, um zeitgemäße Bildung möglich zu machen! Diese Forderungen sind alles andere als neu, ich habe sie vor fünf Jahren schon genauso unterschrieben, aber das macht sie nur noch dringlicher! Und wir dürfen nicht müde werden es zu sagen!
Wir alle stellen uns vermutlich gerade die Frage, wie lange dieser Zustand anhalten wird. Schaut man in andere Länder erscheint es sinnvoll, eher in Monaten als in Wochen zu denken. Es ist also wichtig, die Nerven zu bewahren. Das #Homeschooling klappt im Moment mal mehr und mal weniger gut. Es ruckelt, wie sollte es auch anders sein. Aber bitte, haben wir doch alle Verständnis füreinander, in dieser für uns alle so ungewohnten und sicher auch beunruhigenden Situation. Haben wir Geduld! Schüler*innen, Eltern und vor allem auch die Lehrer*innen tun ihr Bestes. Nur gemeinsam kriegen wir das hin!
Judith, im Namen des ganzen LMP-Teams
Zur Information: Auf unserer Seite https://lehrermarktplatz.de/homeschooling haben wir einige Beschäftigungsideen, Materialien, Tipps für die Kommunikation und Empfehlungen für Selbstlern-Tools zusammengestellt.
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