Der innere Schweinehund
Als Fremdsprachenlehrkraft ist es nicht immer einfach, das ,Zepter' aus der Hand zu geben und Schüler*innen vollkommen frei arbeiten zu lassen. Man hat immer wieder das Bedürfnis, aktiv einzugreifen, mündlich oder schriftlich zu verbessern, um dann möglichst zeitnah Fortschritte in der jeweils gewünschten Produktionsform - und machen wir uns nichts vor, möglichst allumfassend, feststellen zu können; und auf jeden Fall mit dem S nach he/she/it!
Ok, manchmal, je nach Setting und Lerngruppe, gibt man sich auch schon mit relativ wenig zufrieden, dies ist zumindest bei mir der Fall und ich finde es auch nicht weiter schlimm, sondern einfach angebracht, wenn man einer gewissen pädagogischen Grundhaltung entsprechen will, die von sich sagt, dass sie alle Schüler*innen so nimmt, wie sie denn an ihren Tischen sitzen oder auch nicht. Bei aller Liebe zur Kontrolle erscheint es mir dennoch einfach sinnvoll, auch und gerade im Fremdsprachenunterricht Auflockerung durch Impulse zur selbstständigen Arbeit zu geben.
Mut zum kontrollierten Chaos
Persönlich greife ich hierbei gerne auf Lernarrangements, wie Lernbuffets oder Stationenlernen zurück. Dies mache ich bspw. nach einer Einführungsstunde zu einem neuen Themenkomplex, in welcher die Schüler*innen zunächst eingestimmt und aktiviert werden sollen. Gerade in Hinblick auf kulturelle bzw. landeskundliche Aspekte ist es spannend, Schüler*innen eigenständig arbeiten und recherchieren zu lassen sowie ihr bereits vorhandenes Wissen aktiv in den Unterricht einzubauen (z.B. im Falle von New York in der Klassenstufe 8; siehe hierzu auch Id: 116137 ).
Weitere Vorteile freierer Lernarrangements sind auch:
die Entlastung der Lehrperson während des Arbeitens (natürlich immer in direkter Abhängigkeit der Lerngruppe)
der eigenverantwortliche Umgang mit Ergebnissen seitens der Schüler*innen
die Förderung und Training eines eigenständigen Lerntempos
das aktive Einüben sozialer Verhaltensweisen, die eine angenehme Lernatmosphäre schaffen (sicherlich eine der schwierigsten Punkte, den man als Lehrkraft als positive Challenge betrachten sollte ;)
Kombination von Selbstständigkeit und Sozialformwechsel als Chance
Nach zahlreichen Durchführungen von freieren Lernarrangements bin ich persönlich zum Schluss gekommen, dass gerade in Hinblick auf die zu produzierende Zielsprache ein Wechsel der Sozialform hilfreich sein kann. Dies bedeutet, dass die Aufgaben bereits einen Wechsel von selbstständiger Einzelarbeit hin zu einem kommunikativen Austausch ermöglichen können. Und hierbei ist m.E. bereits durch einen bloßen Austausch der jeweils vorliegenden Ergebnisse innerhalb der Zielsprache schon viel gewonnen. Idealerweise entstehen hierbei Lernprodukte in kooperativer Zusammenarbeit. Dies hat natürlich auch zur Folge, dass es wieder etwas ,unruhiger’ wird und die Lehrperson ggf. die eingenommene Beobachterrolle graduell verlässt. Aber auch hier - so zumindest meine Erfahrung - sollte man den Mut aufbringen, weniger einzugreifen bzw. dies eher in non-verbaler Art (bspw. mittels einer Karte, die gleichzeitig das Einhalten der Zielsprache signalisiert) zu machen.
Freiere Lernarrangements wie das Lernbuffet sind trotz der benannten Herausforderungen eine ideale Lernumgebung im Sinne eines umfassenden kompetenzorientierten Unterrichtens.
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