Noten gehören für viele ganz selbstverständlich zur Schule. Sie zeigen auf einen Blick, wie eine Leistung eingeordnet wurde. Gleichzeitig sagen sie oft wenig darüber aus, was ein Kind schon gut kann, woran es noch arbeiten sollte und wie der nächste Lernschritt aussehen könnte.
Genau deshalb wird die Frage nach alternativen Formen der Leistungsrückmeldung gerade wieder intensiv diskutiert.
📊 Was zeigen aktuelle Daten?
In Baden-Württemberg läuft seit 2022 der Schulversuch „Lernförderliche Leistungsrückmeldung in der Grundschule“. Dort verzichten teilnehmende Schulen auf Ziffernnoten und arbeiten stattdessen stärker mit individuellen Rückmeldungen.
Die bislang veröffentlichten Ergebnisse sind spannend: Bis zum Ende der dritten Klasse zeigten sich keine signifikanten Leistungsunterschiede in Deutsch und Mathematik zwischen Kindern mit und ohne Ziffernnoten. Auch beim schulischen Wohlbefinden gab es keine Unterschiede. Kinder ohne Ziffernnoten zeigten allerdings ein höheres Interesse an Mathematik.
Mehr zum Schulversuch beim IBBW
💬 Feedback zeigt den nächsten Schritt
Eine Note sagt: „Das war eine 2.“
Gutes Feedback kann zusätzlich sagen:
„Das kannst du schon sicher.“
„Hier liegt dein nächster Lernschritt.“
„Diese Strategie könnte dir helfen.“
Eine Meta-Analyse zu formativer Rückmeldung zeigt, dass wahrgenommenes Feedback mit Selbstwirksamkeit, Motivation und schulischer Leistung zusammenhängt. Besonders wertvoll ist also Rückmeldung, die Kindern nicht nur ein Ergebnis mitteilt, sondern ihnen hilft zu verstehen, wie sie weiterkommen können.
Studie zu Feedback, Motivation und Selbstwirksamkeit
🧠 Aber: Noten machen nicht automatisch unmotiviert
Ganz so einfach ist die Diskussion allerdings nicht.
Eine deutsche Langzeitstudie begleitete 542 Grundschulkinder von Klasse 2 bis Klasse 4. Dabei zeigte sich nur ein schwacher Zusammenhang zwischen Mathematiknoten und intrinsischer Motivation. Schlechtere Noten führten also nicht automatisch dazu, dass Kinder dauerhaft die Lust an Mathematik verloren.
Das ist ein wichtiger Punkt: Nicht die Note allein entscheidet über Motivation.
Auch Selbstvertrauen, Unterricht, Beziehung zur Lehrkraft und die Art der Rückmeldung spielen eine Rolle.
Langzeitstudie zu Noten und Motivation in Mathematik
🌱 Vielleicht ist es gar kein Entweder-oder
Die spannendere Frage lautet deshalb vielleicht nicht:
Noten oder Feedback?
Sondern:
Wie schaffen wir Leistungsrückmeldungen, die Kindern Orientierung geben und gleichzeitig Mut zum Weiterlernen machen?
Eine Note kann eine Leistung einordnen. Individuelles Feedback kann erklären, warum etwas gelungen ist und was als Nächstes hilft.
Gerade in der Grundschule, in der Kinder ihr Bild von sich selbst als Lernende erst entwickeln, kann dieser Blick auf Fortschritte besonders wertvoll sein.
💛 Lernen sichtbar machen
Kinder sollten nach einer Rückmeldung möglichst nicht nur denken:
„Welche Note habe ich?“
Sondern auch:
✨ Was kann ich schon?
🌱 Was möchte ich noch lernen?
🧭 Was ist mein nächster Schritt?
💪 Was hat diesmal gut funktioniert?
Denn langfristig geht es nicht nur darum, Leistungen zu bewerten.
Es geht auch darum, Kindern zu vermitteln:
„Du kannst dich weiterentwickeln – und ich zeige dir, wie.“
https://ibbw-bw.de/,Lde/Startseite/Bildungsforschung/Evaluation+LLr

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