Wenn der 11. November näher rückt, gehören Laternen, Martinslieder und die Geschichte vom geteilten Mantel in vielen Grundschulen ganz selbstverständlich dazu. Doch gerade darin liegt auch die Herausforderung: Wie lässt sich Sankt Martin im Unterricht so behandeln, dass nicht jedes Jahr nur gebastelt, gesungen und die gleiche Geschichte vorgelesen wird?
Dabei bietet das Thema erstaunlich viele Möglichkeiten. Teilen, Hilfsbereitschaft, Mut, Zusammenhalt und die Frage, was andere Menschen wirklich brauchen, lassen sich bereits mit jüngeren Kindern besprechen. Gleichzeitig kann Sankt Martin mit Deutsch, Religion, Ethik, Sachunterricht, Kunst und sogar Mathematik verbunden werden.
Die bekannte Überlieferung erzählt von Martin von Tours, der als römischer Soldat seinen Mantel mit einem frierenden Mann teilte. Der Martinstag wird am 11. November begangen.
Hier findest du zehn Unterrichtsideen, mit denen aus Sankt Martin mehr als eine Bastelstunde werden kann.
Kinder kennen Situationen, in denen jemand etwas braucht, ausgeschlossen wird oder Unterstützung benötigt. Genau hier lässt sich ansetzen.
Die Martinsgeschichte führt schnell zu Fragen, die auch für den heutigen Schulalltag interessant sind:
Was bedeutet Teilen eigentlich? Muss man immer Dinge teilen? Wie kann ich helfen, wenn jemand traurig oder allein ist? Und woran erkenne ich überhaupt, dass jemand Hilfe benötigt?
Damit wird aus einer alten Geschichte ein Thema, das unmittelbar mit der Lebenswelt der Kinder verbunden ist.
Besonders praktisch: Eine Unterrichtseinheit zu Sankt Martin kann sehr unterschiedlich aufgebaut werden. Sie funktioniert als einzelne Stunde ebenso wie als kleine fächerübergreifende Reihe rund um den Martinstag.
Statt die Stunde sofort mit „Heute sprechen wir über Sankt Martin“ zu beginnen, kannst du einen Gegenstand als Impuls verwenden.
Lege beispielsweise einen roten Stoff oder einen alten Mantel in die Kreismitte.
Frage zunächst nur:
„Was könnte dieser Gegenstand mit unserer heutigen Geschichte zu tun haben?“
Die Kinder dürfen Vermutungen äußern. Einige werden Sankt Martin vermutlich schnell erkennen, andere entwickeln ganz andere Ideen.
Anschließend kannst du fragen:
Warum könnte jemand einen Mantel brauchen?
Wann ist Kleidung besonders wichtig?
Würdest du deinen Mantel jemand anderem geben?
Was würdest du machen, wenn du selbst dann frieren müsstest?
Damit entsteht bereits vor der eigentlichen Geschichte ein Gespräch über Bedürfnisse und Entscheidungen.
Für jüngere Kinder genügt ein freies Unterrichtsgespräch. Ältere Grundschulkinder können ihre Vermutung zunächst in zwei oder drei Sätzen notieren.
Eine Geschichte nur vorzulesen führt schnell dazu, dass einige Kinder gedanklich aussteigen. Aktiver wird die Stunde, wenn die Handlung anschließend rekonstruiert werden muss.
Bereite mehrere Stationen der Martinsgeschichte als Bilder oder kurze Textabschnitte vor.
Die Aufgabe lautet:
„Bringt die Ereignisse in die richtige Reihenfolge.“
Danach vergleichen die Kinder ihre Lösungen und erzählen die Geschichte mit eigenen Worten nach.
Für Klasse 1 oder 2 eignen sich vor allem Bilder und einzelne Schlüsselwörter.
In Klasse 3 oder 4 können kurze Textabschnitte verwendet werden. Besonders schnelle Kinder können zu jeder Szene eine passende Überschrift formulieren.
So trainierst du nebenbei:
genaues Lesen,
logische Reihenfolgen,
mündliches Erzählen,
Textverständnis.
Die Mantelteilung ist die bekannteste Szene der Martinsgeschichte. Interessanter wird sie, wenn die Kinder nicht sofort bei der bekannten Lösung stehen bleiben.
Stoppe die Geschichte kurz vor Martins Entscheidung.
Dann frage:
„Was könnte Martin jetzt tun?“
Sammelt verschiedene Möglichkeiten.
Zum Beispiel:
weiterreiten,
Hilfe holen,
etwas zu essen geben,
den Mann mitnehmen,
seinen Mantel teilen,
einen anderen Menschen um Hilfe bitten.
Anschließend bewerten die Kinder die Ideen.
Welche Möglichkeit hilft sofort? Welche nur später? Welche wäre besonders schwierig?
Die Aufgabe zeigt, dass Helfen nicht immer nur eine einzige Form haben muss.
Genau das lässt sich hervorragend auf den Schulalltag übertragen.
Wenn Kinder „Teilen“ hören, denken sie häufig zuerst an Essen, Spielsachen oder Süßigkeiten.
Deshalb lohnt sich eine kleine Sammlung:
„Was kann man alles teilen?“
Neben Gegenständen können nach und nach weitere Ideen entstehen:
Zeit,
Wissen,
Aufmerksamkeit,
Platz,
eine Idee,
Freude,
Verantwortung.
Erstelle daraus gemeinsam ein Tafelbild.
Eine schöne Weiterführung lautet:
„Was kannst du teilen, ohne danach weniger davon zu haben?“
Gerade bei Zeit, Wissen oder Freude entstehen oft interessante Gespräche.
Diese Übung eignet sich besonders gut, um die Martinsgeschichte von einer historischen Erzählung zu einem sozialen Thema der Gegenwart weiterzuentwickeln.
Die Mantelteilung wird meist aus Sicht eines Erzählers beschrieben.
Doch wie erlebt eigentlich der andere Mensch die Situation?
Teile die Klasse in zwei Gruppen.
Eine Gruppe übernimmt Martin, die andere den Mann am Stadttor.
Mögliche Satzanfänge sind:
Martin:
„Als ich den Mann sah, dachte ich …“
„Ich wusste zuerst nicht …“
„Ich entschied mich schließlich …“
Der Mann:
„Mir war …“
„Als Martin anhielt, dachte ich …“
„Als er mir half, fühlte ich …“
Jüngere Kinder können die Sätze mündlich ergänzen. Ältere Kinder schreiben einen kurzen Tagebucheintrag oder inneren Monolog.
Damit wird ganz nebenbei Empathie gefördert – und gleichzeitig an sprachlichen Kompetenzen gearbeitet.
Jetzt wird die Verbindung zur Lebenswelt der Kinder noch konkreter.
Überlegt gemeinsam Situationen, in denen Menschen im Alltag helfen oder teilen können.
Zum Beispiel:
Situation: Ein Kind hat seine Stifte vergessen.
Mögliche Hilfe: Einen Stift ausleihen.
Situation: Ein Kind steht in der Pause allein.
Mögliche Hilfe: Zum Mitspielen einladen.
Situation: Jemand versteht eine Aufgabe nicht.
Mögliche Hilfe: Die Aufgabe erklären.
Aus den Situationen lassen sich Kartenpaare gestalten.
Eine Karte beschreibt das Problem, die passende zweite Karte eine mögliche Reaktion.
Damit entsteht sogar ein kleines Lernspiel, das später noch einmal genutzt werden kann.
Wichtig ist dabei: Nicht jede Situation besitzt nur eine richtige Lösung. Gerade unterschiedliche Vorschläge können Anlass für Gespräche sein.
Kinder beschäftigen sich besonders intensiv mit einem Thema, wenn sie selbst Entscheidungen treffen dürfen.
Formuliere kurze Alltagssituationen:
„Du hast zwei Pausenbrote dabei. Ein anderes Kind hat sein Frühstück vergessen.“
„Ein neues Kind kennt auf dem Schulhof noch niemanden.“
„Deine Freundin hat ihre Hausaufgaben nicht verstanden.“
„Beim Basteln hat dein Sitznachbar keine Schere.“
Die Kinder entscheiden zunächst alleine:
Was würde ich tun?
Danach tauschen sie sich zu zweit oder in kleinen Gruppen aus.
Die Aufgabe sollte nicht darauf hinauslaufen, eine moralisch perfekte Antwort einzufordern. Viel interessanter ist die Begründung:
Warum würdest du so handeln?
Genau dadurch wird aus einem einfachen Arbeitsblatt eine echte Denkaufgabe.
Wenn du die Martinsgeschichte nicht aus einzelnen Aufgaben, Gesprächsimpulsen und Arbeitsblättern selbst zusammensetzen möchtest, kannst du an dieser Stelle auch mit einem fertig vorbereiteten Sankt-Martin-Unterrichtsmaterial weiterarbeiten. Mein Material umfasst 14 ausgearbeitete Seiten und eine ergänzende Extra-PDF und kann so als Grundlage für die weitere Einheit dienen.
Die Grundidee von Sankt Martin lässt sich besonders gut erfahren, wenn Kinder selbst aktiv werden.
Dabei muss keine große Spendenaktion organisiert werden.
Die Aufgabe kann viel kleiner sein:
„Was können wir anderen Menschen schenken, ohne dafür etwas kaufen zu müssen?“
Mögliche Ideen:
jemandem helfen,
ein Kompliment machen,
etwas erklären,
gemeinsam spielen,
Zeit schenken,
ein Bild gestalten,
jemandem zuhören.
Die Klasse sammelt zunächst Vorschläge.
Anschließend entscheidet sich jedes Kind für eine kleine Aktion.
Am nächsten Tag kann kurz darüber gesprochen werden:
Was hast du gemacht? Wie hat die andere Person reagiert? Wie hat es sich für dich angefühlt?
So wird der Gedanke des Teilens konkret erlebbar.
Sankt Martin muss nicht ausschließlich Thema im Religions- oder Ethikunterricht sein.
Mit wenigen Anpassungen lässt sich das Thema mit mehreren Fächern verbinden.
Martinsgeschichte lesen
Bildergeschichte ordnen
Geschichte nacherzählen
Tagebucheintrag schreiben
passende Adjektive sammeln
Elfchen oder kurze Gedichte verfassen
Licht-und-Schatten-Bilder gestalten
Laternen entwerfen
Martinsgeschichte als Comic darstellen
Fensterbilder gestalten
Teilen
Nächstenliebe
Hilfsbereitschaft
Gemeinschaft
Bedürfnisse anderer Menschen erkennen
Bräuche rund um den Martinstag
Vergangenheit und Gegenwart vergleichen
gesellschaftliches Zusammenleben
Herbst und Licht
Gerade diese fächerübergreifende Nutzung macht das Thema für eine kleine Unterrichtsreihe interessant.
Zum Ende der Unterrichtseinheit lohnt sich eine Frage, auf die es nicht nur eine richtige Antwort gibt:
„Was können wir heute von der Geschichte von Sankt Martin lernen?“
Lass die Kinder zunächst selbst nachdenken.
Anschließend können Aussagen gesammelt werden, zum Beispiel:
anderen helfen,
nicht wegschauen,
teilen,
Menschen wahrnehmen,
mutig handeln,
freundlich sein,
gemeinsam Lösungen finden.
Besonders schön ist ein gemeinsames Klassenplakat mit der Überschrift:
„Sankt Martin bedeutet für uns …“
Jedes Kind ergänzt einen Satz, ein Wort oder eine kleine Zeichnung.
Das Ergebnis kann während der Martinszeit im Klassenzimmer hängen bleiben.
Beispiel für eine komplette Unterrichtsstunde
Aus mehreren dieser Ideen lässt sich ohne großen Aufwand eine Unterrichtsstunde für Klasse 2 bis 4 zusammenstellen.
Lege einen roten Stoff oder Mantel in die Kreismitte.
Die Kinder vermuten, welches Thema dahinterstecken könnte.
Anschließend lautet die Leitfrage:
„Warum sollte jemand seinen eigenen Mantel teilen?“
Die Kinder lernen die Martinsgeschichte kennen oder bringen einzelne Szenen in die richtige Reihenfolge.
Stoppe kurz vor der Mantelteilung und lasse unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten sammeln.
Die Kinder bearbeiten zwei oder drei Entscheidungssituationen aus ihrem eigenen Alltag.
Beispiel:
„Jemand wird in der Pause nicht mitspielen gelassen. Was könntest du tun?“
Die Antworten werden anschließend verglichen.
Gemeinsames Tafelbild:
„Teilen bedeutet mehr als Sachen abgeben.“
Darunter werden Begriffe wie Zeit, Wissen, Hilfe, Aufmerksamkeit und Freude gesammelt.
Jedes Kind beendet den Satz:
„Von Sankt Martin kann ich lernen, dass …“
Damit ist die Stunde inhaltlich abgeschlossen und gleichzeitig ein guter Ausgangspunkt für weitere Aktivitäten geschaffen.
So lässt sich die Einheit differenzieren
Gerade beim Lesen und Schreiben unterscheiden sich die Voraussetzungen in Grundschulklassen deutlich. Deshalb sollte das Thema auf unterschiedlichen Niveaus bearbeitet werden können.
Kinder, die noch wenig selbstständig lesen oder schreiben, können:
mit Bildkarten arbeiten,
Antworten ankreuzen,
Satzanfänge ergänzen,
Aufgaben gemeinsam mit einem Partner lösen,
ihre Gedanken mündlich äußern.
Die Kinder können:
kurze Texte lesen,
Fragen beantworten,
Ereignisse ordnen,
eigene Sätze schreiben,
Handlungsmöglichkeiten begründen.
Schnellere oder sprachlich stärkere Kinder können beispielsweise:
einen Tagebucheintrag aus einer Figurenperspektive schreiben,
alternative Enden entwickeln,
eigene Entscheidungssituationen formulieren,
die Bedeutung des Teilens kritisch diskutieren.
Eine besonders spannende Frage für stärkere Kinder lautet:
„Muss man immer teilen?“
Denn auch hier zeigt sich: Guter Unterricht besteht nicht daraus, möglichst schnell die vermeintlich richtige Antwort zu finden.
Weniger vorbereiten und trotzdem eine vollständige Einheit haben
Natürlich lassen sich viele dieser Ideen selbst vorbereiten. Gerade im Schulalltag fehlt aber oft die Zeit, Texte, Arbeitsaufträge und passende Übungen zu einem vollständigen Ablauf zusammenzustellen.
Genau dafür habe ich mein 14-seitiges Unterrichtsmaterial zu Sankt Martin erstellt. Es bietet eine fertig vorbereitete Grundlage, mit der sich das Thema ohne umfangreiche eigene Materialsuche in den Unterricht integrieren lässt. Ergänzend gehört eine separate Extra-PDF zum Material.
Damit kannst du einzelne Seiten passend zu deiner Stunde auswählen oder das Material als Grundlage für eine zusammenhängende Einheit nutzen.
Die Idee dahinter ist einfach:
Du entscheidest, wie du Sankt Martin unterrichten möchtest – die Vorbereitung der benötigten Materialien muss aber nicht jedes Mal bei null beginnen.
Wenn du rund um das Schuljahr weitere Feste und Bräuche behandeln möchtest, lässt sich Sankt Martin außerdem sehr gut als Einstieg in eine größere Unterrichtsreihe nutzen. Advent, Weihnachten und weitere Feste können später daran anknüpfen.
Sankt Martin kann mehr als Laternenbasteln
Eine Laterne zu gestalten kann ein schöner Bestandteil der Martinszeit sein. Aber die Geschichte bietet noch deutlich mehr.
Sobald Kinder darüber nachdenken, warum Martin geholfen hat, welche Alternativen er gehabt hätte und was Teilen heute bedeuten kann, wird aus der bekannten Erzählung ein Unterrichtsthema mit unmittelbarem Bezug zum eigenen Leben.
Und genau darin liegt die Stärke von Sankt Martin im Unterricht: Eine jahrhundertealte Geschichte kann Ausgangspunkt für sehr aktuelle Fragen über Hilfsbereitschaft, Gemeinschaft und den Umgang miteinander werden.
Wer daraus direkt eine vollständige Unterrichtseinheit machen möchte, ohne Arbeitsblätter und Aufgaben selbst zusammenzustellen, findet in meinem Sankt-Martin-Material mit 14 ausgearbeiteten Seiten plus ergänzender Extra-PDF eine vorbereitete Grundlage für den Unterricht.
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