Wenn Lesen zum Abenteuer wird - Aventra geht in die nächste Runde

Was passiert eigentlich, wenn Kinder beim Lesen nicht nur erfahren,was eine Figur tut, sondern selbst darüber entscheiden dürfen?

Genau aus dieser Idee ist Aventra entstanden: eine Fantasywelt für interaktive Leseabenteuer, in denen Kinder selbst zu Heldinnen und Helden werden.

Nach dem ersten kleinen Einstiegsabenteuer ist nun mit „Die geheimnisvolle Höhle“ das erste große Aventra-Abenteuer entstanden. Und bei der Entwicklung wurde schnell deutlich: Aus der ursprünglichen Idee eines motivierenden Lesetextes kann noch deutlich mehr werden.

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Lesen mit einer unmittelbaren Funktion

Das Grundprinzip von Aventra orientiert sich an klassischen Spielbüchern und einfachen Rollenspielen.

Die Geschichte wird nicht von vorne bis hinten gelesen. Stattdessen treffen die Kinder immer wieder Entscheidungen:

Welchen Weg nehme ich?
Wie reagiere ich auf eine Begegnung?
Wage ich etwas – oder suche ich nach einer anderen Lösung?

Dazu kommen Würfelproben, unterschiedliche Heldeneigenschaften und ein kleiner Abenteuer-Rucksack, in dem gefundene Gegenstände gesammelt werden können.

Dadurch bekommt genaues Lesen eine unmittelbare Bedeutung. Ein Hinweis aus einem früheren Abschnitt kann später wichtig werden. Ein Gegenstand kann plötzlich eine neue Möglichkeit eröffnen. Und eine Entscheidung kann dazu führen, dass zwei Kinder trotz desselben Ausgangspunkts ganz unterschiedliche Szenen erleben.

Das gefällt mir an dem Konzept inzwischen besonders gut:

Die Kinder lesen nicht, um anschließend Fragen zum Text zu beantworten. Sie lesen, weil sie die Informationen für ihr eigenes Abenteuer benötigen.

Ein Abenteuer – drei Lesestufen

Eine der größten Herausforderungen bei längeren Lesetexten im Unterricht sind die unterschiedlichen Lesekompetenzen innerhalb einer Klasse.

Deshalb gibt es „Die geheimnisvolle Höhle“ in drei Lesestufen.

Die grundlegende Geschichte, wichtige Begegnungen und Entscheidungen bleiben gleich. Verändert werden vor allem Satzbau, Wortschatz, Textdichte und Ausführlichkeit.

So kann ein Kind eine sprachlich stärker entlastete Fassung lesen, während ein anderes mit einer anspruchsvolleren Version arbeitet.

Trotzdem können sich anschließend beide darüber unterhalten, wie sie den Fluss überquert haben, welchen Gegenstand sie mitgenommen haben oder was ihnen im geheimnisvollen Wald passiert ist.

Differenzierung bedeutet dadurch nicht, dass Kinder anschließend an völlig verschiedenen Dingen gearbeitet haben.

Und nach dem Abenteuer?

Bei der Entwicklung des großen Abenteuers wollte ich diesmal bewusst über das eigentliche Lesen hinausgehen.

Deshalb sind verschiedene Aufgabenkarten entstanden. Die Kinder können beispielsweise schreiben, gestalten, ihre Abenteuer miteinander vergleichen oder gemeinsam einen kleinen Reiseführer durch Aventra entwickeln.

Dabei war mir wichtig, daraus kein klassisches Arbeitsblatt mit zehn Pflichtaufgaben zu machen.

Die Karten sind vielmehr ein Angebot: Je nach Kind, Lerngruppe und Unterrichtsziel kann ausgewählt werden, was gerade sinnvoll ist.

Ergänzt werden sie durch Impulskarten für den Gesprächskreis. Hier geht es unter anderem um Fragen wie:

Welche Entscheidung ist dir besonders schwergefallen?
Wo musstest du besonders genau lesen?
Was hat dich überrascht?
Was würdest du heute vielleicht anders machen?

Gerade diese Gespräche finde ich spannend, weil plötzlich nicht mehr nur die Geschichte Thema ist. Die Kinder denken auch darüber nach, wie sie gelesen, entschieden und Probleme gelöst haben.

Unterschiedliche Wege werden zum Gesprächsanlass

Normalerweise ist es im Unterricht praktisch, wenn alle denselben Text gelesen haben.

Bei Aventra darf es genau andersherum sein.

Ein Kind hat vielleicht eine Begegnung erlebt, die ein anderes überhaupt nicht kennt. Jemand hat einen Gegenstand gefunden, den andere nie erhalten haben. Eine Gruppe hat sich an einer entscheidenden Stelle für völlig unterschiedliche Wege entschieden.

Das vermeintliche Problem einer verzweigten Geschichte wird dadurch zu einem Vorteil:

„Was ist eigentlich bei dir passiert?“

ist plötzlich eine echte Frage.

Vergleichen, erzählen und begründen ergeben sich nicht nur aus einem Arbeitsauftrag, sondern aus den tatsächlich unterschiedlichen Erfahrungen der Kinder.

Analog – oder einfach anklicken

Aventra ist ursprünglich als gedrucktes Material gedacht. Würfel auf den Tisch, Abenteuer-Pass daneben und los geht es.

Für das große Abenteuer gibt es zusätzlich klickbare PDF-Versionen.

Statt nach einer Entscheidung selbst den nächsten Abschnitt suchen zu müssen, kann der entsprechende Verweis direkt angeklickt werden. Damit lässt sich das Abenteuer auch am Tablet oder Computer nutzen, ohne das umfangreiche Material vollständig auszudrucken.

Die Aufgaben- und Impulskarten liegen außerdem als editierbare PowerPoint-Vorlagen bei. So können eigene Ideen ergänzt oder Aufgaben an die eigene Klasse angepasst werden.

Die geheimnisvolle Höhle

Das neue Abenteuer ist mit über 230 Abschnitten deutlich größer geworden als das erste Aventra-Abenteuer.

Je nach Lesestufe, Lesegeschwindigkeit, Würfelergebnissen und gewähltem Weg können die Kinder ungefähr zwei bis drei Unterrichtsstunden allein mit ihrem Abenteuer verbringen. Durch Aufgaben, Gesprächsimpulse und das gemeinsame Abschlussprodukt lässt sich daraus bei Bedarf auch eine kleine Unterrichtssequenz entwickeln.

Dabei soll Aventra aber vor allem eines bleiben:

eine Geschichte, die Lust aufs Weiterlesen macht.

Die didaktischen Möglichkeiten sollen das Abenteuer ergänzen – nicht umgekehrt.

Wer Aventra erst einmal ausprobieren möchte …

… muss nicht direkt mit der geheimnisvollen Höhle beginnen.

Auf Eduki gibt es weiterhin das kostenlose Aventra-Einstiegsabenteuer. Es ist deutlich kürzer und eignet sich gut, um das Prinzip mit einer Klasse zunächst kennenzulernen: Held auswählen, lesen, würfeln, entscheiden – und schauen, ob diese Art des Lesens zur eigenen Lerngruppe passt.

Wer danach noch etwas länger durch Aventra reisen möchte, kann sich mit „Die geheimnisvolle Höhle“ in das erste große Abenteuer stürzen.

Ich bin vor allem gespannt darauf, welche unterschiedlichen Wege die Kinder dabei finden werden.

Denn vermutlich ist die interessanteste Frage nach einem Aventra-Abenteuer nicht:

„Hast du den Text verstanden?“

sondern:

„Was hast du erlebt?“

Hier gehts zum Material

Aventra: Die geheimnisvoll Höhle

Aventra: Kostenloses Einsteigerabenteuer

Tags: deutsch, grundschule, lesen, lesetraining, leseverstandnis, lesespiel, lesetraining , lesemotivation

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