
Hausaufgaben können eine sinnvolle Ergänzung des Unterrichts sein. Werden sie eingesetzt, sollten sie bereits bei der Unterrichtsplanung mitgedacht und gezielt in den Lernprozess eingebunden werden. Sie sind keine spontane Ergänzung am Ende einer Unterrichtsstunde und sollten auch nicht dazu dienen, nicht geschaffte Unterrichtsinhalte nach Hause zu verlagern.
Entscheidend ist nicht die Menge der Aufgaben, sondern ihr Lernwert: Kinder sollten wissen, was sie üben, warum sie es üben und wie sie die Aufgabe selbstständig bearbeiten können.
Wann sind Hausaufgaben sinnvoll?
Hausaufgaben können unterschiedliche Funktionen übernehmen. Sie sind besonders dann sinnvoll, wenn sie
auf kommende Lerninhalte vorbereiten,
bereits Erarbeitetes wiederholen und festigen,
bekannte Strategien und Verfahren automatisieren,
zur Anwendung des Gelernten in neuen Zusammenhängen anregen,
individuelle Übungsmöglichkeiten bieten,
zur selbstständigen Auseinandersetzung mit einem Thema anregen oder
Ergebnisse hervorbringen, die im weiteren Unterricht aufgegriffen werden.
Grundsatz:
Neue oder erklärungsbedürftige Lerninhalte gehören in den Unterricht. Hausaufgaben sollten so gestellt sein, dass die Kinder sie grundsätzlich ohne fachliche Unterstützung durch Erwachsene bewältigen können.
Mögliche Organisationsformen
Wochenplanarbeit
Ein Wochenplan ermöglicht es, Aufgaben über einen längeren Zeitraum zu verteilen. Die Kinder lernen, ihre Arbeit zunehmend selbstständig zu organisieren, Aufgaben einzuteilen und Verantwortung für deren Bearbeitung zu übernehmen.
Dabei können Pflichtaufgaben, Wahlaufgaben und freiwillige Herausforderungen miteinander kombiniert werden.
Tägliche Aufgaben
Kurze tägliche Aufgaben eignen sich insbesondere zum Üben, Wiederholen und Automatisieren. Sie sollten überschaubar sein und beispielsweise im Hausaufgabenheft oder Lernplan eindeutig dokumentiert werden.
Wiederkehrende Strukturen erleichtern den Kindern die selbstständige Bearbeitung.
Hausaufgaben mit echtem Lernwert
Geeignet sind insbesondere Aufgaben, bei denen Kinder bereits erworbene Kenntnisse und Strategien selbstständig anwenden können.
Dazu gehören beispielsweise:
Wiederholungs- und Übungsaufgaben mit Möglichkeiten zur Selbstkontrolle,
kurze Übungen zur Automatisierung grundlegender Fertigkeiten,
die Übertragung von Unterrichtsinhalten in eine andere Darstellungsform, z. B. als Skizze, Tabelle oder Mindmap,
das Sammeln, Beobachten oder Ordnen von Materialien und Informationen zur Vorbereitung eines neuen Themas,
das Finden eigener Beispiele zu einem behandelten Lerninhalt,
das Erstellen von Überblicken, Vergleichen, Tabellen oder einfachen Darstellungen,
das Formulieren eigener Fragen oder Aufgaben zum Unterrichtsstoff,
kleine Recherche- oder Beobachtungsaufträge, sofern sie ohne besondere häusliche Ressourcen möglich sind,
freiwillige Knobel- und Transferaufgaben für Kinder, die eine zusätzliche Herausforderung suchen.
Vor der Vergabe einer Hausaufgabe lohnt sich ein kurzer Check:
Zielklarheit
Das Kind weiß, was es tun soll und welchem Lernziel die Aufgabe dient.
Selbstständigkeit
Die Aufgabe kann grundsätzlich ohne fachliche Hilfe der Eltern oder anderer Erwachsener bearbeitet werden.
Passender Umfang
Arbeitsmenge und Bearbeitungszeit sind dem Alter und Lernstand der Kinder angemessen.
Verständlichkeit
Arbeitsauftrag, benötigte Materialien und erwartetes Ergebnis sind eindeutig.
Differenzierung
Wo erforderlich, können Umfang, Unterstützungsangebote oder Anforderungsniveau angepasst werden.
Selbstkontrolle
Wann immer möglich, können Kinder ihre Ergebnisse selbst überprüfen oder einschätzen.
Anschlussfähigkeit
Die Aufgabe steht in einem erkennbaren Zusammenhang mit dem Unterricht und ihre Ergebnisse werden möglichst wieder aufgegriffen.
Feedback
Die Kinder erfahren, was ihnen bereits gelungen ist und woran sie weiterarbeiten können.
Hausaufgaben verlieren ihren pädagogischen Wert, wenn sie lediglich Beschäftigung darstellen oder Voraussetzungen erfordern, die nicht alle Kinder zu Hause haben.
Zu vermeiden sind insbesondere:
Aufgaben, die Kinder fachlich überfordern,
neue Lerninhalte, die zunächst eine Erklärung durch die Lehrkraft benötigen,
Aufgaben, die nur deshalb nach Hause verlagert werden, weil im Unterricht die Zeit gefehlt hat,
übermäßig umfangreiche oder monotone Aufgabenpakete,
Aufgaben, die ohne intensive Unterstützung der Eltern nicht bewältigt werden können,
Arbeitsaufträge, für die besondere Materialien, technische Geräte oder andere häusliche Ressourcen zwingend erforderlich sind,
Hausaufgaben, deren Ergebnisse anschließend keine Beachtung finden.
Nicht jedes Kind benötigt dieselbe Übungsmenge. Deshalb können Hausaufgaben sowohl quantitativ als auch qualitativ differenziert werden.
Mögliche Formen sind:
unterschiedliche Aufgabenmengen,
Basis- und Erweiterungsaufgaben,
Wahlaufgaben,
freiwillige Knobelaufgaben,
Hilfekarten oder Merkhilfen,
unterschiedliche Schwierigkeitsstufen,
individuelle Übungsschwerpunkte.
Dabei sollte Differenzierung nicht dazu führen, dass einzelne Kinder dauerhaft deutlich mehr arbeiten müssen als andere. Entscheidend ist die Passung zwischen Aufgabe und Lernbedarf.
Hausaufgaben gewinnen an Bedeutung, wenn die Kinder erleben, dass ihre Arbeit gebraucht wird. Ergebnisse können beispielsweise
mit einem Partnerkind verglichen,
in Kleingruppen besprochen,
als Ausgangspunkt für die nächste Unterrichtsphase genutzt,
präsentiert,
ausgestellt,
gemeinsam ausgewertet oder
für weitere Aufgaben verwendet werden.
So entsteht ein nachvollziehbarer Zusammenhang zwischen Unterricht – selbstständiger Übung – Rückmeldung – Weiterlernen.
Nicht jede Hausaufgabe muss von der Lehrkraft vollständig korrigiert werden. Entscheidend ist jedoch, dass die Bearbeitung wahrgenommen und sinnvoll ausgewertet wird.
Geeignet sind beispielsweise:
Selbstkontrolle mit Lösungen,
Partnerkontrolle,
kurze gemeinsame Besprechungen,
Stichproben,
individuelle Rückmeldungen,
Reflexionsfragen wie „Was fiel mir leicht?“ oder „Wobei brauche ich noch Hilfe?“.
Nicht allein das Erledigen einer Aufgabe sollte im Mittelpunkt stehen, sondern der Lernprozess des Kindes.
Eltern sollten wissen, welche Funktion Hausaufgaben haben und welche Form der Unterstützung sinnvoll ist.
Hilfreich ist eine klare Botschaft: Eltern dürfen begleiten, aber die Aufgaben sind Aufgabe des Kindes.
Sie können für einen geeigneten Arbeitsplatz sorgen, an Arbeitszeiten erinnern, Interesse zeigen oder das Kind ermutigen. Die fachliche Bearbeitung sollte jedoch möglichst beim Kind bleiben.
Wenn ein Kind eine Aufgabe trotz ernsthaften Versuchs nicht selbstständig bewältigen kann, ist dies zugleich eine wichtige Rückmeldung für die Lehrkraft: Die Aufgabe war möglicherweise zu schwierig, eine Strategie ist noch nicht ausreichend gesichert oder das Kind benötigt weitere Unterstützung.
Liebe Grüße
Eure Madame Plume
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