Im September 2026 finden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt statt ,und eine Partei liegt dabei deutlich vorne. Aber wissen Familien und Eltern was sie bei dieser Wahl tatsächlich erwartet?
Das Schulsystem soll laut dieser Partei überarbeitet werden. Weg von „sozialer und psychologischer Betreuung, Integration und Inklusion.“ Aber dabei sind es genau diese Bausteine, die das Schulleben formen und Schüler unterstützen, fördern und ihnen einen geschützten Raum geben, um sich entfalten zu können.
Das „Befreien“ der Schule von „nicht-schulischen Aufgaben“ ist ein Rückschritt für das ganze Bundesland. Wie der Aufbau auf „bewährte pädagogische Konzepte“ aussieht, bleibt beim Lesen des Regierungsprogramms allerdings offen.
Bildung heißt eben nicht, sich „nur“ Bildungsgut anzueignen. Bildung bezieht sich nicht auf das Wissen aus Lehrbüchern. Bildung bedeutet sich als Mensch in alle Richtungen entwickeln zu können und sie findet ein Leben lang statt. So, wie diese Partei es darstellt, scheint Bildung ausschließlich im schulischen Bereich stattzufinden. Wäre dies der Fall, würde es bedeuten, dass der Mensch sich nicht entwickelt und nicht zum weiteren Lernen fähig wäre. Was schlichtweg falsch ist.
Die Schule ist Dreh- und Angelpunkt von Kindern und jungen Erwachsenen, die meiste Zeit des Lebens findet dort statt. Soziale Kontakte werden geknüpft, Erfahrungen gesammelt und Entwicklungen finden statt. Jeder junge Mensch hat ein Recht auf diese Erfahrungen, egal aus welchem „Milieu“ dieser stammt.
Diese Möglichkeiten wegzunehmen bedeutet schlichtweg Ausgrenzung und Bildungs-und Chancenverweigerung gegenüber den Kindern. Es IST die Aufgabe von Schulen JEDEN Lernenden einzubeziehen, soziale Nachteile im schulischen Kontext auszugleichen und Familien nach Möglichkeit zu unterstützen.
Inklusive Bildung ist keine Randerscheinung, sondern längst Teil des deutschen Schulsystems. Dennoch besucht bundesweit weiterhin mehr als die Hälfte aller Schüler*innen mit festgestelltem Förderbedarf eine Förderschule. Die Exklusionsquote liegt nach wie vor bei etwa 4,2 Prozent. Viele Fachleute sehen darin einen Hinweis darauf, dass die Trennung von Kindern mit und ohne Behinderung weiterhin stark ausgeprägt ist [1].
Selbstverständlich ist das viel Arbeit aber genau für diese Bereiche gibt es Fachpersonal. Lehrer*innen, Pädagog*innen jeder Art, Psycholog*innen, Beratungsstellen, Integrationshelfer*innen, (etc.) arbeiten zusammen, um eine Lernumgebung zu schaffen, in der jeder eine Chance auf Wachstum hat.
Findet ein Übergang zu Frontalunterricht , übermäßigen Hausaufgaben und ständiger Leistungskontrolle statt, gehen Ressourcen verloren, die hätten gefördert und genutzt werden können. Zudem befördert dieses Bild von Schule ein Klassendenken und Ausgrenzung, was in der heutigen Zeit kein Kind in Deutschland erfahren muss und sollte.
In einer Schule geht es nicht darum den Schüler*innen Hetze beizubringen. Es geht darum sich selbst ein Bild von den politischen Positionen und Möglichkeiten zu machen.
Das Stärken der Gymnasien und die Förderungleistungsstarker Lernender, hat nichts mit einer „Erhöhung des Niveaus“ zu tun. Es geht hier erneut um Ausgrenzung und Exklusion. Schüler*innen, die beispielsweise herausragend in Deutsch und Englisch sind, bekommen Anerkennung.
Bildungsforschung zeigt seit Jahren, dass der Bildungserfolg in Deutschland weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhängt. Kinder aus akademischen und finanziell besser gestellten Familien besuchen deutlich häufiger ein Gymnasium und erreichen häufiger höhere Bildungsabschlüsse als Kinder aus sozial benachteiligten Familien.
Damit sind Leistung und Bildungserfolg nicht allein eine Frage von Begabung oder Fleiß, sondern auch der vorhandenen Chancen [2].
Was ist mit den anderen Kindern, die noch nicht in den Genuss eines solchen Umfeldes gekommen sind? Aus diesem Grund gibt es die Schule und die Vielzahl an Möglichkeiten die sie bietet! Denn hier hat jeder junge Mensch die Möglichkeit seine Stärken zu finden und herauszuarbeiten. Sollte die Reform eintreten, wird diesen Kindern eine solche Möglichkeit genommen, nur weil Erwachsene das Bildungssystem ändern wollen, ohne das Potenzial der Kinder zu sehen.
Leistung allein darf nicht darüber entscheiden, welche Chancen ein Kind erhält.
Wettbewerbsdenken bringt nichts, wenn Kinder nicht die Chance haben sich akkurat zu entwickeln und ihre Stärken aufbauen können. Rassismus gibt es nach wie vor, das beweist alleine schon dieses Regierungsprogramm. Der Verzicht auf Integrations- und Inklusionsmaßnahmen birgt die Gefahr, dass Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen schlechtere Teilhabechancen erhalten und bestehende Ungleichheiten verstärkt werden.
Ein letzter Gedanke: die Eltern oder Schüler*innen entscheiden zu lassen, ob diese in die Schule gehen wollen oder nicht, wäre ein Fehler. Sicherlich gibt es Szenarien, in denen Hausunterricht möglich und sinnvoll ist. Dies jedoch flächendeckend anzubieten und durchzuführen ,wäre fatal für viele junge Menschen. Für manche Kinder ist die Schule ein Schutzraum vor Problemen im häuslichen Umfeld.
Kindeswohlgefährdung ist ein ernstes Problem in Sachsen-Anhalt. Im Jahr 2025 ist die Anzahl an Verfahren um 4,9% gestiegen, was 6460 Vorfällen entspricht [3].
Internationale Organisationen wie die UNESCO sehen inklusive Bildung als den wirksamsten Weg zu gleichberechtigter Teilhabe. Das Ziel ist nicht, einzelne Gruppen auszugliedern, sondern allen Kindern gemeinsames Lernen zu ermöglichen. Die Forschung weist darauf hin, dass Inklusion soziale Teilhabe fördert und Bildungsbarrieren abbauen kann.
Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, seine Ziele und Träume zu verwirklichen.
Nur weil manche junge Menschen bereits ein ideales Lernumfeld hatten, heißt es nicht, dass es anderen verwehrt werden sollte.
Eine gute Schule erkennt nicht nur die Stärken derjenigen, die bereits gefördert wurden. Sie schafft Chancen für alle Kinder – unabhängig von Herkunft, Behinderung, sozialem Status oder familiären Voraussetzungen. Inklusion ist deshalb keine Belastung für das Bildungssystem, sondern ein Ausdruck von Chancengerechtigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
[2] https://www.bpb.de/themen/bildung/dossier-bildung/254100/grafiken-bildungsungleichheit/
[4] https://www.unesco.de/themen/bildung/bildung-fuer-alle/.

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