KI kann bei der Differenzierung im Unterricht enorm helfen. Texte vereinfachen, Hilfen erstellen, Aufgaben auf mehreren Niveaus formulieren oder Zusatzaufgaben entwickeln: Vieles geht heute in wenigen Minuten.
Aber die Ergebnisse sind nur so gut wie der Auftrag.
Ein Prompt wie:
„Differenziere dieses Arbeitsblatt.“
ist meistens zu ungenau. Die KI weiß dann weder, welches Lernziel erhalten bleiben soll, noch welche Lerngruppe gemeint ist oder worin die eigentliche Schwierigkeit liegt.
Besser ist ein klarer Auftrag mit festen Kriterien.
Zum Beispiel:
„Erstelle zu dieser Aufgabe drei Differenzierungsstufen für eine 7. Klasse. Das fachliche Lernziel bleibt in allen Versionen gleich. Niveau 1 erhält eine Wortliste, Satzanfänge und kleinschrittige Leitfragen. Niveau 2 erhält nur Leitfragen. Niveau 3 erhält eine Transferaufgabe. Die Hilfen dürfen die Lösung nicht vorwegnehmen. Formuliere altersgerecht und nutze passende Operatoren.“
Für mich sollte ein guter Differenzierungs-Prompt immer fünf Dinge enthalten:
1. Lerngruppe
Klassenstufe, Fach, Vorwissen und mögliche sprachliche Hürden.
2. Lernziel
Was sollen am Ende alle Schülerinnen und Schüler können?
3. Art der Differenzierung
Zum Beispiel Sprache, Hilfen, Umfang, Komplexität oder Lernprodukt.
4. Klare Grenzen
Die Lösung nicht vorwegnehmen, das fachliche Niveau nicht unnötig senken und keine bloße Mehrarbeit für stärkere Lernende erzeugen.
5. Gewünschtes Format
Arbeitsblatt, Tabelle, Hilfekarten, Satzstarter, Wordbank oder dreifach differenzierte Aufgaben.
KI kann außerdem sinnvoll unterstützen bei:
vereinfachten Textfassungen,
Wortlisten und Satzanfängen,
Operatorenhilfen,
Tippkarten,
Transferaufgaben,
mehrsprachigen Hilfen,
alternativen Lernprodukten.
Trotzdem bleibt die Prüfung Aufgabe der Lehrkraft.
Passt die Aufgabe wirklich zur Lerngruppe? Bleibt das Lernziel erhalten? Sind die Hilfen sinnvoll? Ist das Niveau angemessen? Werden schwächere Lernende unterstützt, ohne dauerhaft auf einfache Aufgaben festgelegt zu werden?
Mein Eindruck ist: KI macht Differenzierung nicht automatisch besser. Sie macht sie vor allem schneller umsetzbar.
Der entscheidende Unterschied liegt im Prompt.
Nicht:
„Mach drei Niveaustufen.“
Sondern:
„Erstelle gezielte Unterstützungsangebote, mit denen unterschiedliche Lernende dasselbe Lernziel erreichen können.“
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