
Im Mathematikunterricht tauchen immer wieder Aufgaben auf, die besonders originell wirken sollen: bunte Arbeitsblätter, lange Rahmengeschichten oder Ablenkungen durch Illustrationen . Sie sollen motivieren und Abwechslung bringen. Der Mathematikdidaktiker Erich Ch. Wittmann bezeichnet solche Aufgaben jedoch kritisch als „bunte Hunde“
Der Begriff beschreibt Aufgabenformate, die stark auffallen, aber didaktisch wenig mathematische Substanz besitzen.
Wittmann kritisiert Aufgaben, die nicht aus der Struktur der Mathematik heraus entstehen, sondern vor allem auf äußere Effekte setzen. Der Fokus liegt dann nicht mehr auf mathematischen Beziehungen, sondern auf der Verpackung.
Typische Merkmale solcher Aufgaben sind:
eine aufwendige Geschichte um eine eigentlich einfache Rechnung
künstliche oder unrealistische Situationen
einmalige „Überraschungsaufgaben“, die sich kaum variieren lassen
Rätsel, bei denen eher geraten als mathematisch argumentiert wird
Diese Aufgaben wirken zunächst motivierend, führen aber selten zu vertieftem mathematischen Verständnis.
Das zentrale Problem liegt darin, dass solche Aufgaben keine mathematische Struktur sichtbar machen. Schülerinnen und Schüler bearbeiten sie einmal – danach ist das Thema erledigt. Es entstehen keine neuen Fragen, keine Variationen und keine Möglichkeiten zum Weiterdenken.
Für einen nachhaltigen Mathematikunterricht sind jedoch Aufgaben wichtig, die zum Entdecken, Variieren und Begründen anregen.
Statt „bunter Hunde“ fordert Wittmann substanzielle Aufgaben. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie mathematisch ergiebig sind und vielfältige Zugänge ermöglichen.
Eine gute Aufgabe ist deshalb nicht unbedingt besonders spektakulär. Oft ist sie einfach formuliert, enthält aber viel mathematisches Potenzial.
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