Märchen und Rollenklischees

Man sollte meinen, diverse Animationsfilme wie Rapunzel, Shrek und Eiskönigin hätten mit sämtlichen von Märchen in die Gegenwart „geschmuggelten“ Rollenklischees kurzen Prozess gemacht. 

Aber die Verläufe der Tugendhaftigkeit und der Zivilisiertheit der Menschheit sind nicht linear, immer mal wieder boxt uns irgendeine Zeitströmung so halbwegs in die Steinzeit zurück. Was ich damit meine?! Ja, auch Rollenklischees! Schauen Sie: Zur Zeit sind mehrere Skandale eines weltbekannten Unterhaltungskonzerns hoch aktuell, die leider ganz fabelhaft zum Thema passen - 

„Jasmin“, die Freundin der Zeichentrickfigur „Aladdin“, wurde in der Realverfilmung des Märchens entgegen der Optik des animierten Charakters von einer hellhäutigen Britin gespielt. Und: Lilos große Schwester Nani aus „Lilo und Stitch“, zugegebenermaßen keine Prinzessin, aber ebenfalls ein bekannter, animierter Charakter, wird in der Realverfilmung ebenfalls von einer hellhäutigen Frau dargestellt. Umgekehrt sind die Beschwerden darüber, dass „Dornröschen“ bei der bevorstehenden Realverfilmung des klassischen Prinzessinnen-Märchens von einer leicht angedunkelten Dame gespielt werden soll, laut… 

Ja, da sind sie, die Rollenklischees, wieder lebendiger denn je. 

Auch der Eindruck, den die an Erwachsenen beobachtete Wertschätzung gegenüber „echten“ Märchen auf Lernende macht, wirkt dem Aufbrechen derselben entgegen. Und das ist nicht unbedingt das, was ich persönlich als cool einordnen würde, ich schätze, Sie sind da bei mir - egal, zu welcher Minderheit Sie gehören, oder ob Sie zur Minderheit jener gehören, die keiner Minderheit angehören - denn Rollenklischees gehen uns alle an. 

Durch sie entstehen nicht nur schwerwiegende seelische Verletzungen bei einzelnen und rigide Denkmuster bei ganzen Gruppen, nein, es kommen im Kind von heute „dank“ Rollenklischees noch immer schädliche, bzw., schädigende, unbewusste oder bewusste Überzeugungen auf. Etwa die, dass nur „rettenswert“ ist, wer erstens „höheren Standes“ geboren wurde, und zweitens als „schön“ gilt… Das sind einschränkende, traurige Vorstellungen, die sich seit Jahrhunderten „dank“ Märchen bereits bei allzu vielen Menschen manifestiert haben, um sehr wahrscheinlich ganze Lebenskonzepte zu beeinflussen.

In der Stationenarbeit „Märchen auch mal kritisch sehen“, an der ich grad`arbeite - in meinen Ethiklerngruppen kommt sie demnächst in die Testphase - können sich die Lernenden - u n s e r e Lernenden ^^ - selbstständig und intensiv mit der Thematik befassen!

Tags: Märchen, Rollenklischees, kritisches Denken, Werte und Normen, Werte

Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.


Autor Cora Friedrichs bietet 69 Materialien für Ethik & Werte und Normen, Deutsch und 10 weitere Fächer an - zum Beispiel:

Kommentare und Fragen von anderen Nutzern
Bitte melde dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.
Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen.