
Liebe Pauker,
endlich Frühling! Vögel zwitschern, Blumen sprießen, und eure Klasse schaut sehnsüchtig aus dem Fenster, als wäre draußen gerade ein Einhorn vorbeigaloppiert. Höchste Zeit, eurem Unterricht einen Frischluft-Booster zu gönnen und das Klassenzimmer einfach nach draußen zu verlagern! Doch wie gelingt Outdoor-Unterricht, ohne dass eure Klasse im absoluten Chaos versinkt oder die Schüler:innen die nächste Ausfahrt Richtung Eiswagen nehmen?
Hier kommen meine fünf besten Tipps, mit denen der Unterricht an der frischen Luft zum frühlingshaften Erfolgserlebnis wird.
Wenn eure Schüler:innen draußen in alle Richtungen auseinanderlaufen wie Popcorn in der Mikrowelle, habt ihr verloren, bevor der Unterricht überhaupt begonnen hat. Klare Strukturen helfen euch, die Kontrolle zu behalten. Beginnt mit einfachen Ritualen und signalisiert deutlich, welche Bereiche zum Lernen gedacht sind. Markierungen auf dem Schulhof (z.B. Kreidekreise oder Pylonen) helfen, das Lernrevier eindeutig abzustecken. (Becher & Kleemann, 2019)
Der Frühling hat seinen Charme, aber auch der April macht bekanntlich, was er will. Entweder ihr performt im Vorfeld einen Regentanz oder – realistischer – ihr habt einen Plan B in petto. Ein überdachter Bereich oder eine alternative Indoor-Aktivität verhindern, dass ihr und eure Schüler:innen klatschnass zurück ins Klassenzimmer trottet. (Gugerli-Dolder, 2017)
Nein, das Smartboard muss nicht mit nach draußen – auch wenn ihr denkt, ihr schafft das locker. Weniger technischer Schnickschnack, mehr Hände, Kopf und Fantasie. Karteikarten, Clipboards und mobile Whiteboards sind eure neuen besten Freunde. Lernthemen wie Gruppenarbeit, Diskussionen oder kreative Schreibübungen funktionieren wunderbar in der freien Natur. (Kampshoff, 2019)
Die Natur draußen ist voller spannender Lernhilfen: Mathematik mit Steinen, Biologie mit Blättern, Geografie durch Schattenwürfe. Indem ihr eure Umgebung aktiv einbindet, verwandelt ihr die Natur zur besten Kollegin überhaupt – sie macht nie Kaffeepause und braucht auch keinen Vertretungsplan. So wird jede Stunde zu einem kleinen Forschungsabenteuer. (Gebauer & Simonis, 2020)
Ja, es gibt sie: Die gefürchtete Außenlautstärke. Wenn Schüler:innen den Pausenmodus aktivieren und ihr plötzlich gegen zwitschernde Amseln und den vorbeifahrenden Rasenmäher ankämpfen müsst, dann nutzt akustische Hilfsmittel (z.B. Trillerpfeife oder kleine Glocke). Und ganz wichtig: Klare Regeln formulieren und diese vorher besprechen, bevor das große Frühlings-Chaos beginnt. (Becher & Kleemann, 2019)
Outdoor-Unterricht ist nicht nur eine pädagogische Modeerscheinung, sondern tatsächlich enorm wertvoll: Er steigert nachweislich Konzentration, Kreativität und Wohlbefinden der Schüler:innen und natürlich auch der Lehrkräfte. Zudem verbessert die Frischluft-Kur das Klassenklima und fördert das soziale Miteinander. Und wenn doch mal ein Schüler den Weg zum Eiswagen findet? Nun ja, das ist dann eben der Preis des pädagogischen Fortschritts...
Also, packt eure Sonnenbrillen ein und wagt das Abenteuer draußen – eure Schüler:innen und euer Vitamin-D-Haushalt werden es euch danken!
Euer Pauker
Becher, A. & Kleemann, U. (2019). Draußen unterrichten: Lernen an außerschulischen Orten. Beltz Verlag.
Gugerli-Dolder, B. (2017). Unterricht im Freien – Möglichkeiten und Herausforderungen. Schulblatt des Kantons Zürich, Nr. 4/2017.
Kampshoff, M. (2019). Outdoor-Unterricht: Schule und Natur verbinden. Grundschule Unterrichtsmaterialien, Westermann Verlag.
Gebauer, H. & Simonis, J. (2020). Natur als Lernraum: Wie Schule den Freiraum entdeckt. Friedrich Verlag.
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