Auslandstätigkeit als Ortslehrkraft (OLK) zu erleben, war für mich stets ein Traum. Die Vorstellung von Abenteuern, neuen Freundschaften und vielfältigen Erfahrungen weckte in mir eine große Vorfreude und Neugier.
Noch während des Referendariats habe ich mich an meiner damaligen Wunschschule, an der Deutschen Botschaftsschule Teheran, beworben. Nach einem erfolgreichen Gespräch mit dem Schulleiter, der sich während einer Konferenz in Berlin bei mir vorstellte, schien es, als könnte mein Traum bald Realität werden. Doch wie so häufig im Leben wurden meine Vorstellungen von der Realität auf die Probe gestellt. Ich möchte euch einige Tipps geben, die ich zu Beginn meiner Auslandstätigkeit gebraucht hätte!
1. Die Bewerbung
Das Finden von OLK-Stellen gestaltet sich relativ unkompliziert. Es existieren verschiedene Webseiten, die in Kooperation mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) oder über Lehrer-Weltweit Stellenangebote veröffentlichen. Tipp 1: Wenn eure Wunschschule nicht zu den ausgeschriebenen Angeboten gehört, zögert nicht, euch direkt bei der Schule zu bewerben! Solch eine Initiative kann Türen öffnen. Habt dabei jedoch Geduld, denn oftmals kann es dauern, bis sich eine Schule bei euch meldet!
2. Der Vertrag
Ein großer Stolperstein stellt oft der Vertragsabschluss dar. Bei deutschen Auslandsschulen sind die Verträge häufig komplex, da sie sowohl Landesrecht als auch deutsches Recht berücksichtigen müssen. In meinem Fall war der Vertrag für die Position in Teheran eine Herausforderung, da unklar war, welches Recht tatsächlich Anwendung fand. Tipp 2: Klärt im Vorfeld, welches Recht für euren Vertrag gilt, insbesondere wenn Klauseln mehrdeutig sind.
3. Das Gehalt
Bei der Gehaltsverhandlung ist zu beachten, dass Schulen oft eine Gehaltstabelle verwenden, die verschiedene Faktoren wie Ausbildung, Zertifikate und Berufserfahrung berücksichtigt. Ich konnte meine Jahre an Erfahrung als DaF/DaZ-Lehrkraft sowie mein TEFL-Zertifikat anrechnen lassen. Tipp 3: Überlegt genau, welche beruflichen Erfahrungen ihr geltend machen könnt, und scheut euch nicht, in Gehaltsverhandlungen für euch zu kämpfen. Lasst euch nicht mit dem Mindestgehalt abspeisen!
4. Auszahlung des Gehalts
Ich habe während meiner Zeit als OLK zwei unterschiedliche Zahlungssysteme kennengelernt: die vollständige Auszahlung in Euro und eine teilweise Auszahlung in der Landeswährung. Eine Mischung aus beiden, bei der ein Teil in Euro auf mein deutsches Konto überwiesen und der andere Teil in der Landeswährung ausgezahlt wurde, hat sich bewährt. Tipp 4: Achtet besonders darauf, wie der Wechselkurs für die Auszahlung in der jeweiligen Landeswährung festgelegt wird, und informiert euch über die Anpassungsintervalle des Kurses. Ich musste schmerzlich erleben, dass die unzureichende Anpassung des Wechselkurses mein Gehalt erheblich minderte.
5. Sonstige Vergütungen
Einige Schulen bieten zusätzliche Vergütungen an, wie Zuschüsse für die Miete, Krankenversicherung oder Umzugspauschalen sowie Heimatflüge. Tipp 5: Sammelt Informationen von zukünftigen Kolleginnen und Kollegen über mögliche Vergütungen und habt den Mut zu verhandeln! Es lohnt sich, die Situation proaktiv zu gestalten.
6. Schulische Atmosphäre
Die Arbeitsumgebung an deutschen Auslandsschulen kann für mich als jemand, der mehr als einen Job in seiner Arbeit sieht, herausfordernd sein. In vielen Fällen handelt es sich um Privatschulen, die eher einer Unternehmensstruktur ähneln. Als Angestellter ist man in einem System eingebunden, in dem das Wohlwollen von Eltern, Schülern und der Schulführung von entscheidender Bedeutung ist. Aussagen wie „Du bist wie eine Tochter für mich“ können dabei ambivalente Gefühle hervorrufen und bergen das Risiko der emotionalen Manipulation. Tipp 6: Lasst euch nicht manipulieren und sorgt dafür, dass der Umgang auf professioneller Ebene bleibt! Es gilt, klare Grenzen zu setzen und zu verhindern, dass persönliche Beziehungen die berufliche Integrität beeinträchtigen.
7. Ungleichheit
Ein weiteres Problem, das in der schulischen Atmosphäre von Auslandsschulen auftritt, ist die Ungleichheit in der Behandlung von einheimischen und deutschen OLKs. Oftmals wird deutlich, dass einheimische Lehrkräfte nicht nur anders behandelt, sondern auch signifikant schlechter bezahlt werden. Dies führt häufig zu Unmut und Neid innerhalb des Kollegiums und erschwert den Aufbau eines geschlossenen und unterstützenden Teams. Tipp 7: Es ist wichtig, sich dieser Unterschiede bewusst zu sein und einfühlsam mit der Thematik umzugehen, um ein harmonisches Arbeitsumfeld zu fördern.
8. Gesundheit
Besonders junge OLKs neigen dazu, sich übermäßig engagieren zu wollen, was dazu führen kann, dass sie für verschiedene Aufgaben ausgenutzt werden. In dieser Situation ist es hilfreich, einen klaren Blick für die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden zu haben. Der grundlegende Tipp hierbei lautet: Lasst euch nicht ausbeuten! Priorisiert eure Physis und Psyche; nur so könnt ihr langfristig Freude an eurer Arbeit und den Herausforderungen im Ausland haben.
Fazit: Positives erleben trotz Herausforderungen
Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Arbeit als OLK im Ausland mit zahlreichen Herausforderungen verbunden sein kann, jedoch auch eine Vielzahl an Chancen und positiven Erfahrungen bietet. Ich denke, mit der richtigen Vorbereitung und einer proaktiven Einstellung können persönliche und berufliche Träume verwirklicht werden. Bei Fragen oder dem Austausch von Erfahrungen stehe ich gerne zur Verfügung – vielleicht kann ich mit meinen Einsichten und Tipps dazu beitragen, eure Zeit im Ausland noch bereichernder zu gestalten.
Eure Eva
Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.