eduki Qualität
60 Seiten
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70 Seiten






Ein Sportverband muss entscheiden, ob seine Mannschaft zu einem internationalen Turnier fährt. Eine unabhängige Organisation kritisiert Einschränkungen der Versammlungsfreiheit im Gastgeberland. Der Veranstalter verspricht offene Fanzonen, doch ob und wie dieses Versprechen umgesetzt wird, ist noch ungeklärt. Die Athletinnen und Athleten verlangen Mitsprache. Ein Sponsor kündigt an, sich bei einem Boykott möglicherweise zurückzuziehen. Soll der Verband teilnehmen, die Teilnahme mit öffentlichem Protest verbinden oder das Turnier boykottieren?
Dieses Unterrichtsmaterial zu Sport und Politik für die Sekundarstufe II macht aus der Frage „Darf Sport politisch sein?“ eine Entscheidung, für die der Kurs tatsächlich Verantwortung übernehmen muss. An einem fiktiven Turnierfall untersuchen die Schülerinnen und Schüler, wer entscheiden kann, wer die Folgen trägt und welche Informationen vor einer Entscheidung fehlen. Dabei setzen sie sich auch mit Sportswashing auseinander: Wann ist der Vorwurf begründet, dass ein Sportereignis das öffentliche Ansehen eines Gastgebers verbessern und Kritik in den Hintergrund drängen soll? Und was lässt sich aus den vorliegenden Angaben noch nicht ableiten?
Den Mittelpunkt der Einheit bildet eine simulierte Verbandsanhörung. Bevor die Lernenden ihre eigene Position vertreten, müssen sie das stärkste Argument einer anderen Seite so wiedergeben, dass deren Vertreter sich darin wiedererkennen könnten. Wer für einen Boykott eintritt, muss sich beispielsweise mit dem Einwand der Aktiven auseinandersetzen: Über ihre Teilnahme und die Folgen für ihre sportliche Laufbahn wird mitentschieden. Wer eine Teilnahme befürwortet, muss erklären, woran sich die Zusagen des Veranstalters überprüfen lassen. Im Anschluss verfasst jede Person ein eigenes Urteil – ausdrücklich auch dann, wenn es von der zuvor vertretenen Rolle abweicht.
Das enthält das 25-seitige Unterrichtsmaterial:
12 Seiten Schülerheft mit Grundlagen zu Sportpolitik und Sportswashing, einem Turnierfall, Aufgaben zum Vergleich der drei Handlungsoptionen und einem Auftrag für die Verbandsanhörung.
8 Seiten Lehrermaterial für die Planung und Auswertung der Unterrichtssequenz.
5 Seiten Klausurtraining mit Erwartungshorizont für 90 Minuten und insgesamt 60 Punkte. Die Lernenden ordnen Interessen und Handlungsmöglichkeiten zu, vergleichen die drei Optionen und schreiben eine Entscheidungsvorlage mit überprüfbaren Bedingungen.
Eignet sich das Material für den Sport-Leistungskurs?
Ja. Die Einheit ist für den Theorieunterricht der gymnasialen Oberstufe konzipiert. Sie eignet sich besonders, wenn der Kurs über die Bedeutung sportlicher Großveranstaltungen diskutieren und zugleich das schriftliche Begründen und Abwägen für Klausuren üben soll. Die Anhörung liefert dafür die Argumente; die individuelle Entscheidungsvorlage macht die Leistung der einzelnen Person sichtbar.
Müssen die Schülerinnen und Schüler am Ende einen Boykott befürworten?
Nein. Entscheidend ist die Qualität der Begründung. Auch eine bedingte Teilnahme lässt sich überzeugend vertreten – etwa wenn die Empfehlung erklärt, wer die zugesagten Freiräume vor dem Turnier unabhängig prüfen soll und welche Konsequenz der Verband bei einem negativen Ergebnis zieht. So wird aus einer allgemeinen Forderung ein Vorschlag, an dem sich der Verband messen lassen könnte.
Behandelt das Klausurtraining ein reales Turnier oder einen neuen Fall?
Das Training greift bewusst den bereits im Unterricht bearbeiteten fiktiven Modellfall auf. Die Lernenden können sich damit auf Aufbau, Argumentation und Zeitmanagement konzentrieren. Es handelt sich um eine Übungsklausur mit bekanntem Material, nicht um eine amtliche Abituraufgabe oder eine Prüfung mit unbekannter Textgrundlage.
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