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Identität ist das Thema, bei dem Unterricht am schnellsten übergriffig wird. "Schreib auf, wer du bist" klingt harmlos und ist es nicht: In jeder Klasse sitzen Kinder, deren Familie gerade auseinanderfällt, die neu im Land sind oder die mit ihrem Körper hadern. Für sie ist die freundlichste Aufgabe der Reihe die schwerste - und sie können sich nicht entziehen, ohne dass es auffällt.
Der übliche Umgang damit ist ein Ausweichweg: eine Zusatzzeile, die erlaubt, stattdessen über eine erfundene Person zu schreiben. Das hilft wenig, denn wer den Ausweichweg nimmt, zeigt damit, dass er ihn braucht.
Diese Reihe löst das anders. Es gibt zwei Bögen, und beide bekommen alle: den eigenen und den von Malik, 12. Sie sehen identisch aus, liegen in jeder Stunde nebeneinander auf dem Tisch, und jedes Kind entscheidet pro Feld neu, welchen Weg es geht. Von außen ist das nicht zu sehen.
Damit die Schutzregel im Alltag hält, ist auch die Bewertung getrennt geführt: Der eigene Bogen wird nie eingesammelt und zählt nur als vorhanden. Bewertbar ist die Arbeit an Malik und die Urteilsaufgabe aus Stunde 7. Öffentlich wird nur das Klassenblatt - acht Sätze, die für alle gelten, ohne persönliche Angaben. Das ist nicht nur pädagogisch sauber, sondern auch die einzige Trennung, die einer Rückfrage von Eltern standhält.
Der rote Faden ist ein Portfoliobogen mit acht Feldern. In jeder Stunde kommt genau eines dazu, und jedes setzt das vorige voraus: erst sammeln (drei Antworten auf dieselbe Frage, sein und haben, gewählt und zugeteilt), dann die Wende in Stunde 4 - von dem, was da ist, zu dem, was bleibt.
Diese vierte Stunde ist die philosophische Mitte und vollständig ausgearbeitet. Maliks Fahrrad bekommt nacheinander einen neuen Sattel, neue Reifen, einen neuen Lenker, einen neuen Rahmen - ist es am Ende noch dasselbe? Dann die zweite Fassung: Malik baut aus den alten Teilen wieder ein Fahrrad, und jetzt stehen zwei da. An dieser Stelle trennen sich zwei Kriterien, die im Alltag zusammenfallen: das Material und die Geschichte. Zehnjährige verhandeln das selbst, ohne dass das Wort Philosophie fällt.
Die zweite ausgearbeitete Stunde ist Nummer 7. Vier Veränderungen an einer Person, von harmlos bis einschneidend - bei welcher würde man sagen, das ist jemand anderes geworden? Zwei Positionen sind gleich lang und gleich stark ausgearbeitet und nennen je ihr Kriterium, ihren härtesten Einwand und die Grenze der eigenen Position. Der Fund, auf den die Auswertung zielt: Beide haben dieselbe Lücke. Jede erklärt gut, was die andere nicht erklärt - und trotzdem muss man sich entscheiden.
Enthalten sind: Sequenzplan über acht Stunden mit Kerninhalten, Differenzierung und begründetem Übergang je Stunde; zwei vollständige Stundenverläufe mit Impulsen, erwartetem Schülerhandeln und Begründung je Phase; zwei Positionsblätter zum Kopieren; eine Kompetenzmatrix; der Portfoliobogen; acht Fallkarten zu Malik; ein Interviewbogen mit fest vorgegebenen Fragen; die Vorlage für das Klassenblatt; vier Stolpersteine mit wörtlichen Rückfragen und vier Reflexionsfragen.
Vorbereitung ist reines Kopieren, nichts auszuschneiden, keine Technik. Als Abschluss wandert das eigene Porträt in einen verschlossenen Umschlag, den die Lehrkraft in einem Jahr zurückgibt - damit wird die Reihenfrage am eigenen Fall überprüfbar, und zwar so, wie es kein Arbeitsblatt kann.
Schutz: Vier Regeln stehen im Lehrerteil und sind der Grund, warum die Reihe funktioniert - beide Bögen immer austeilen, den eigenen nie einsammeln, im Plenum nur über Malik sprechen, niemand muss vorlesen. Die Fragen des Interviewbogens sind fest vorgegeben und fragen ausschließlich nach Beobachtungen, nie nach Urteilen; die Paare teilt die Lehrkraft ein. Der Fall zum Erinnerungsverlust im Alter ist knapp gehalten, ohne Krankheitsnamen, und ausdrücklich streichbar.
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