"Escape Rooms" im Unterricht

Die Zeit läuft uns davon. Meine Hände zittern, als ich den letzten Code eingebe. Adrenalin pumpt durch meine Adern. Mein Team starrt auf die Uhr - noch 15 Sekunden. - Geschafft! Der Code ist korrekt!

So oder so ähnlich endet (wenn es gut läuft) ein sogenanntes Escape- oder Flucht-Spiel. In der letzten Zeit sind sie vor allem in den Hauptstädten Deutschlands, Europas und der Welt angekommen. Spannung, ein atmosphärisch dichter "Plot" bzw. eine Hintergrundgeschichte und knifflige Rätsel sorgen für Nervenkitzel bei den Spielern. Doch wie steht es um das didaktisch-pädagogische Potential dieser Spielform?  ~ Gedanken einer Lehrerin.

ESCAPE-SPIELE - kooperatives Lernen in Höchstform

Wer schon einmal ein Flucht-Spiel erleben durfte, merkt sehr schnell: Das Rätsel-Team ist nur so gut wie sein schwächstes Mitglied. Im Spiel müssen wir unser Vorgehen koordinieren, miteinander sprechen, Aufgaben verteilen und auch noch die Zeit im Blick behalten. Wer sich zurücklehnt, kostet das ganze Team Zeit und Kraft.

Für Ludger Brüning und Tobias Saum, Experten für kooperatives Lernen, ist guter Unterricht vor allem aktivierend und eben kooperativ. Doch damit sind keine Gruppenarbeiten gemeint, die eigentlich auch jede und jeder SchülerIn für sich selbst bearbeiten könnte. Wahres kooperatives Lernen, so eine zentrale Erkenntnis, beruht auf dem Prinzip der (positiven) Abhängigkeit der Teammitglieder untereinander.

Für Escape-Spiele gilt dies in besonderem Maße, da sie mehrere Wahrnehmungskanäle nutzen und SpielerInnen, wie auch SchülerInnen, unterschiedliche Voraussetzungen und Begabungen mitbringen. Eine intelligente Arbeitsteilung und effiziente Kommunikation sind von Vorteil auf dem "Weg in die Freiheit".

Doch nicht nur das Gruppengefühl, auch die Motivation kann bei Flucht-Spielen im Unterricht eine zentrale Rolle spielen:

Der Faktor Lernmotivation

Gerade im angelsächsischen Raum existieren bereits einige Escape-Spiele für den Unterricht. Sie verbinden mitunter klassische Lerninhalte verschiedener Fächer mit dem Spiel-Mechanismus eines Fluchtspiels. Nicht ohne Grund passen Escape Spiele und Unterricht so gut zusammen! Diese Spiele kitzeln nämlich genau die menschlichen Grundbedürfnisse nach Exploration (Neugier), Selbstbestimmung  und, vorhin bereits erwähnt, dem sozialem Eingebundensein ("Teamgeist"). Ein Unterricht, dessen Dynamik auf diesen menschlichen Bedürfnissen basiert, wird von den SchülerInnen als motivierend wahrgenommen.

Entertainment

Und das dritte zentrale Element ist der Unterhaltungswert. Die Hintergrundgeschichte und die kniffligen Rätsel bieten eine Abwechlung zum konventionellen Unterricht. Nicht umsonst sprießen die Anbieter aus dem Boden. SpielerInnen bezahlen gern um die 30 Euro pro Person, um eine Stunde lang dem Alltag zu entfliehen und als Sherlock Holmes und Dr. Watson, Nuklearforscher, Gestrandete auf einer einsamen Insel oder Pathologen "des Rätsels Lösung" auf die Schlichte zu kommen. Anders als etwa Filme, die wir LehrerInnen auch gern vor den Ferien im Unterricht einsetzen, sind Escape-Spiele "immersiv". Das bedeutet, die SchülerInnen sind nicht nur Zuschauende, sondern selbst Akteure. Und das wiederum ohne komplizierte Rollenbeschreibungen.

Fazit

Beobachtet man den Markt der Escape- und Exit-Spiele, fällt auf, dass dieser immer weiter wächst. Dies gilt zunächst für den privaten Bereich. Doch sollten wir als LehrerInnen überlegen, wie sich das geniale Spielprinzip nicht auch in unsere Klassenzimmer holen lässt? Schauen wir uns an, welche Kompetenzen die SchülerInnen bei einem solchen Spiel erwerben und vor allem: Überlegen wir, welche zentralen Inhalte und Kenntnisse sich vielleicht wunderbar mit dieser Art der Kontextualisierung verbinden lassen.

Wir dürfen gespannt sein.

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Ein Beispiel für einen Escape-Room zum Thema Groß- und Kleinschreibung findet sich hier:

Escape Room - Deutsch





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