Buchrezension: "Perfect Copy" - ein Jugendroman für den Unterricht

 

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Ich bin immer auf der Suche nach neuen Romanen mit Spannungsthemen für meine Schüler*innen. Kein Gang in die Buchhandlung ohne neuen Jugendroman, sicher. Nachdem mich „Blueprint“ nun nicht wirklich umgehauen, das Thema „Klonen“ mich aber nicht losgelassen hat, bin ich auf „Perfect Copy. Die zweite Schöpfung“ von Andreas Eschbach gestoßen – eine richtig positive Überraschung.


Zusammenfassung

Die Aussage eines kubanischen Wissenschaftlers, er habe vor 16 Jahren einen Menschen erfolgreich geklont, hält momentan die Welt in Atem. Dieser Skandal macht auch vor Wolfgangs Schule nicht halt: Rauf und runter behandeln die Lehrer*innen das Thema im Unterricht. Es hängt den Jugendlichen bereits zum Halse raus. Sie können es einfach nicht mehr hören...

...bis sie selbst plötzlich darin verwickelt sind, bis Wolfgang ins Visier der Boulevardpresse gerät, bis plötzlich sein Gesicht auf der Titelseite erscheint, und sein Vater in Verbindung mit diesem Wissenschaftler gebracht wird. Ab diesem Augenblick ist das Interesse groß. Ab diesem Zeitpunkt wird das Kurstädtchen wach.

Zentral werden hier zwei Problemstränge eröffnet:

Einerseits steht natürlich permanent die Frage im Raum, ob Wolfgang nun ein Klon ist oder nicht. Damit verbunden werden natürlich die Reaktionen des Umfeldes hinterfragt.

Andererseits nehmen Wolfgangs Selbstzweifel hinsichtlich seines musikalischen Talents, die durch seinen mit dem Klonskandal in Verbindung stehenden Schulausschluss und seine Außenseiterstellung noch angefeuert werden, und die daraus entstehende Eltern-Kind-Dynamik ebenfalls eine sehr dominante Rolle ein.


Rezension


Ich habe den Roman in einem Wochenende verschlungen – ich denke das sagt erstmal genug ?

Andreas Eschbach versteht es vortrefflich die beiden Problemstränge miteinander zu verweben, jedoch ohne diesen mahnenden Zeigefinger, der mich bei „Blueprint“ dann doch sehr gestört hat. Wolfgangs Zweifel resultieren nicht erst au dem Hochkochen der Klonierungsvorfälle, sondern erwachsen natürlich aus seinem Heranwachsen, um dann durch das seltsame Verhalten des Vaters in dieser Situation angefeuert zu werden.

Auch die restlichen Figuren sind wirklich eindringlich skizziert – nur die Mutter Wolfgangs bleibt etwas flach, obschon sie eine Schlüsselfigur werden wird. Sie folgt scheinbar blind den Vorgaben des Vaters, verschwindet dann in ihrem Atelier ohne sich weiter um das Wohlbefinden ihres Sohnes zu kümmern. Sie war mir absolut unsympathisch – aber gerade das macht die Figur für das Unterrichtsgespräch interessant. Sollte sich eine Mutter derart verhalten? Und was hat es mit den Aquarellen auf sich?

Die Handlung bleibt über den gesamten Roman spannend – ich habe jedenfalls mitgefiebert, und lag am Ende voll daneben ? Ohne dass dies ein enttäuschendes Moment aufgrund eines unrealistischen Turns gewesen wäre, ganz im Gegenteil. Zudem fügt sich die zarte Liebesgeschichte zwischen Wolfgang und seiner Mitschülerin Svenja in das ganze Geschehen schön ein.

Positiv überrascht war ich darüber hinaus, dass die Sprache so klar, so verständlich ist, ohne sich mit Jugendsprache o.Ä. anzubiedern. Die aufgesetzte Jugendsprache stößt mir und meinen Schüler*innen bei vielen Romanen unangenehm auf. Das Thema Klonierung wird verständlich dargelegt. Die Verlagsempfehlung siebte Klasse finde ich etwas früh, aber in der achten, neunten und sogar zehnten Klasse würde ich den Roman ohne Probleme sehen. Vor allem Klassen mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung werden hier ihren Spaß haben, fächerverbindende Projekte finden.


Mögliche Unterrichtsthemen / Unterrichtsideen


Der Roman von Andreas Eschbach bietet vielfältige Möglichkeiten für den Deutschunterricht, aber auch für fächerverbindenden Unterricht.

Sicherlich kann das Thema „Klonen/Klonierung“ in den Naturwissenschaften aufgegriffen werden. Es können hier reale Fälle vorgestellt werden, die EU-Richtlinien besprochen werden, die Chancen und ethischen Fragen, die sich daraus ergeben.

Daraus ergibt sich ein weiteres spannendes Thema: Der Umgang der Schule, der Lehrer*innen und der Schulkameraden mit dem Presseverdacht. Ist die Reaktion richtig? Ist sie überzogen? Gibt es alternative Lösungen für das Problem?

Darüber hinaus ist die Eltern-Kind-Dynamik sehr spannend. Das Verhältnis der Eltern ist sehr lieblos. Die Mutter scheint keinen wahren Bezug zu ihrem Sohn zu finden, während der Vater durch seine dominante Art versucht, jegliche Selbstständigkeit des Sohnes zu unterdrücken. Dies kann sehr fruchtbar sein für Unterrichtsgespräche – vor allem, wenn man dies mit dem Gegenbeispiel von Svenjas Familie vergleicht.

Die prägnante Skizzierung der Figuren bietet sich zuletzt für die Wiederholung schriftlicher Charakterisierungen an. Da der Roman sich sehr auf Wolfgang fokussiert, kommen andere Figuren nicht zu Wort. Will man Kreativität fördern, kann man hier Cem und Svenja, die Mutter oder den Journalisten in Tagebucheinträgen, inneren Monologen bzw. Briefen zu Wort kommen lassen. Wie empfinden sie die Situation? Wie sehen sie die eigene Rolle in dem sich hochschaukelnden Drama?

Zusammenfassend:

  • Klonen: Verfahren, Ethik, Chancen und Gefahren
  • Gene und Vererbung
  • Eltern-Kind-Dynamik
  • ‚Wunderkinder‘ und Umgang mit ihnen
  • Reaktion des Umfeldes und der Schule
  • Wiederholung der Charakterisierung
  • Perspektivwechsel einnehmen

 

Fazit

Von mir aus eine absolute Empfehlung für den Unterricht. Der Umfang der Ganzschrift lässt sich gut meistern von den Schüler*innen, wenn ich es aber nicht für leseschwache Lernende empfehlen würde. Die Sprache ist dem Thema angemessen, das Klonen wird gut erklärt, dennoch sollte man den Roman nicht unterschätzen – trotz Spannung ist es kein Buch für „zwischendurch“.

Für den Unterricht gibt es vielfältige Anknüpfungspunkte, die über den Deutschunterricht hinaus führen können, aus denen man Referate und Projekte ableiten kann. Das Beste: Der Verlag bietet ebenfalls ein kostenfreies Unterrichtsmodell an.

 

Von mir: 4,5/5 möglichen Sternen


Du hast den Roman gelesen? Dann hinterlasse auch du gerne eine Inspiration für den Unterricht damit.


Tags: jugendroman, Kinder & Jugendliteratur, literaturunterricht

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Kommentare und Fragen von anderen Nutzern
David
29. Mai 2023
Gerade über deine Story hierauf aufmerksam geworden :) Das klingt nach einem spannenden Roman. Sollte ich mal wieder eine Mittelstufe unterrichten, werde ich den Roman sicherlich in den näheren Auswahlkreis nehmen - Klonen ist für die SuS bestimmt ein Thema, mit dem sie noch nicht so viel Kontakt hatten.
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