Wir haben mit dem bekannten Liedermacher Reinhard Horn gesprochen. Er hat nicht nur die Musik zum Bunte Bande-Musical-Koffer geschrieben. Zahlreiche seiner Projekte wurden ausgezeichnet, u.a. von Comenius und UNESCO. Mit über drei Millionen verkauften Tonträgern ist er sehr erfolgreich und laut einem achtjährigen außerdem der "beste Kinderversteher". Wir wollen von ihm wissen, warum Musik so wichtig für Kinder ist.

Aktion Mensch: Worin liegt das große Potenzial von Musik für ein inklusives Miteinander aller Kinder?
Reinhard Horn: Musik ist die allererste Muttersprache von uns Menschen – und so unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die Musik und die Möglichkeiten, sich darüber auszudrücken und sich darüber selbst einzubringen. Musik stellt den Raum zur Verfügung, und alle können direkt mit dabei sein, egal welche Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Biografie oder ob jemand eine Behinderung hat oder nicht. Jeder Mensch kann singen, klatschen, Musik machen und sich über Klänge, Melodie und Rhythmus mit anderen in Verbindung setzen. Gemeinsam lässt sich über Musik die Welt zum Klingen bringen.
Aktion Mensch: Worauf kann man beim Musikmachen achten, um alle Kinder einzubeziehen?
Reinhard Horn: Aus meiner Erfahrung ist vor allem die Resonanz zwischen den Kindern und der Lehrkraft beziehungsweise den Pädagog*innen mit das wichtigste. Wenn die Kinder die Begeisterung und Präsenz der Lehrkraft erleben, springt der „Funke“ häufig sehr leicht über. Wenn Singen mit Text zu anspruchsvoll ist, dann gibt es immer noch das großartige Element Rhythmus, über das jedes Kind erreicht werden kann. Rhythmus lässt sich spüren, den kann man klatschen, den kann man auf allen möglichen Dingen trommeln. Rhythmus steckt an, ist cool, lässt sich leicht variieren und ist gerade auch für heterogene Gruppen ein tolles Mittel, um alle Kinder ins musikalische Erleben einzubinden.
Aktion Mensch: Wie kann man mit heterogenen Gruppen Lieder gut einüben?
Reinhard Horn: Ein erprobter Weg ist sicherlich das Vor- und Nachsingen. Dafür teilt man das Lied in Liedblöcke auf und singt jeweils zeilenweise die Melodie beziehungsweise den Liedtext vor – und die Kinder singen entsprechend nach – nach dem Motto „Steter Tropfen …“. Die Melodien der Bunten Bande Lieder sind sehr eingängig, meine Erfahrungen zeigen, dass sie für Kinder, gerade auch aus dem Förderschulkontext, keine sehr große Schwierigkeit darstellen. Wenn möglich, ist es immer gut, im Stehen zu singen, sodass die Musik auch mit dem Körper erlebt und ausgedrückt werden kann. Oft hilft es, den Liedtext mit passenden Körperbewegungen zu verbinden, das macht Kindern viel Spaß. Und auch wenn das Lied dann eingeübt ist: mit Bewegung, mit Klatschen, mit Tanzen präsentieren!
Wir danken Reinhard Horn für das Gespräch und die schon lang andauernde Zusammenarbeit.
Zu den Songs gibt ein ganzes Musical!
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