Methodenwechsel ist ein wichtiges didaktisches Mittel. Als Lehrkraft benötigt man ein breites Methodenrepertoire, damit man auswählen kann, und zwar genau die Methode, die am besten zu einem bestimmten Inhalt passt. In einem früheren Blog habe ich bereits das Gruppenpuzzle vorgestellt. Es dient der tiefen Durchdringung von komplexen Inhalten sowie der Erweiterung der kommunikativen und kooperativen Kompetenzen.
Heute möchte ich die Methode Graf-Iz vorstellen. Was macht sie aus, wie wird sie umgesetzt und welche Kompetenzen können durch sie erweitert werden?
Der Begriff Graf-Iz deutet es schon an: es geht um eine Kombination von grafischer und textlicher Darstellung. Diese Strukturierung unterstützt den Lernprozess direkt. Mit Hilfe dieser Methode lernen Schülerinnen und Schüler sich bei neuen Inhalten aufs Wesentliche zu konzentrieren und ein Thema glasklar zusammenzufassen. Wie geht das? Das Graf-Iz hat eine besondere Aufteilung: Oben steht natürlich der Titel. Darunter gibt es ein Feld für die grafische Darstellung des Themas. Das kann ein selbst gemaltes Bild, ein Foto oder eine Visualisierung mit Pfeildiagrammen sein. Sie unterstützt den Erkenntnisgewinn erheblich. Daneben ist Platz für Stichpunkte. Die Reduktion des Inhalts auf Stichworte übt Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden.
Darunter gibt es eine Abteilung, in der der Inhalt noch einmal als Text verfasst werden soll. Ganz unten ist Raum für weiterführende Fragen und für Quellenangaben.
Die Aufteilung der Graf-Iz-Seite spiegelt den Lernvorgang optisch wieder: Den Inhalt visualisieren, den Inhalt in wesentliche Stichpunkte unterteilen, daraus einen Fließtext erstellen, anschließend ergeben sich weiterführende Fragen und zum Schluss werden Quellen wie bei jedem eigenen Werk angegeben. Die äußere Struktur des Graf-Iz erleichtert die inhaltliche Strukturierung.
Beispielsweise ist eine Graf-Iz geeignet, aus mehreren Internet-Adressen das Wesentliche zu extrahieren und selbst zu formulieren. Zu Beginn der Kompetenzentwicklung könnte man drei Internet-Adressen zu einem Thema vorgeben. Sie stehen schon unten in der Abteilung der Quellenangabe. Der Schülerauftrag lautet dann: Fasst die wesentlichen Inhalte der Internetseiten in einer Graf-Iz zusammen (Beispiel: Graf-Iz Ernährungsformen – Eduki-Material #749508).
Eine solche Aufteilung führt die Lernenden zu pointiertem Extrahieren von Informationen und unterstützt Schülerinnen und Schüler darin, Vorträge stringenter anzulegen. Wie oft habe ich Schüler-Vorträgen zugehört, bei denen gleichförmig und leise ohne ersichtliche Struktur gesprochen wurde. Selbst die so beliebten Vorträge über Säugetierarten können zu großer Langeweile bei den Zuhörern führen. Manche Schülerinnen oder Schüler der 5. Jahrgangsstufe schreiben einfach Inhalte ab. Wenn so etwas vorgetragen wird, zerfasert der Inhalt. Das wollen wir ja verhindern. Graf-Iz zwingt Schülerinnen und Schüler geradezu zu einem strukturierten Vortrag und zur Konzentration aufs Wesentliche (Beispiel: Graf-Iz Säugetiere und andere Wirbeltierklassen – Eduki-Material #749507).
Wo in der Biologie kann man weitere Graf-Iz einsetzen? Eigentlich kann jedes Thema, das von Schülerinnen und Schülern selbst erarbeitet werden soll, so strukturiert werden. Ich erwähnte gerade den Vortrag von Fünftklässlern. Ein anderer Einsatz bietet sich an, wenn verschiedene Ökosysteme vorgestellt werden sollen, wenn Erdzeitalter gegenseitig erklärt werden oder auch wenn verschiedene Herzkrankheiten oder Infektionskrankheiten ergänzend bearbeitet werden sollen.
Der Einsatz einer Graf-iz ist offen für ganz unterschiedliche Unterrichtsformen, beispielsweise können die Graf-iz – etwa im DIN A 3-Format - ausgehängt werden und Schülergruppen gehen wie in einer Galerie von Graf-iz zu Graf-iz, um sich zu informieren.
Der Einsatz bietet sich auch für Projektarbeiten an. Sollen die Projektteams mit unterschiedlichen Messmethoden (biologische, chemische und Strukturuntersuchung eines Gewässers) ein Fließgewässer untersuchen und anschließend den anderen Teams präsentieren, bietet sich die Graf-iz-Methode an. Die Ergebnisse werden dann übersichtlich ausgehängt und vorgestellt, was die abschließende Gesamtbeurteilung des Gewässers erleichtert.
Lassen Sie Schülerteams einmal am gleichen Thema eine Graf-Iz erstellen. Sie werden sehen, wie unterschiedlich das Thema gestaltet wird. Das ist gerade durch den Visualisierungsteil möglich.
Es macht Schülerinnen und Schülern auch großen Spaß, digitale Graf-Iz zu erstellen. Dazu gebe ich ein Template vor, in das hinein sie schreiben und Bilder einfügen können. Das habe ich beispielsweise mit einem digitalen Herbar mit einer 5. Klasse erprobt. Jede Gruppe war für eine Pflanze verantwortlich. Dieses digitale Vorgehen ersetzt die mühsame häusliche Herbar-Arbeit, die ja in der Vergangenheit vielfach von Müttern oder Großmüttern übernommen wurde. Für ein digitales Herbar wird in der Schule gearbeitet. Die von den Schülerinnen und Schülern gesammelten Pflanzen werden (meist durch die Lehrkraft) eingescannt und in die linke Hälfte des Graf-iz eingefügt. Schülerinnen und Schüler notieren dann Stichworte über die Pflanzenfamilie. Im Fließtext beschreiben sie die Pflanzenart. Dieses Projekt kann gut mit der Einführung der Fünftklässler in die informationstechnischen Fertigkeiten im ITKG-Unterricht kombiniert werden. Nach Fertigstellung der Einzelseiten werden sie in einem Gesamtdokument zusammengefügt und digital oder gedruckt an alle Beteiligten verteilt (Beispiel: ein Graf-Iz-Herbarium analog oder digital - Eduki-Material #750455).
Einmal habe ich ein Projekt mit Oberstufenschülern zu den verschiedenen Erdzeitaltern durchgeführt. Das Thema Erdepochen wird oft vernachlässigt. Wir haben die Poster in DIN A 1-Format gestaltet. Das Design wurde im Plenum besprochen und vorher abgestimmt, um einen einheitlichen Gesamteindruck zu erreichen. Nur die Farben wurden variiert. Die fertigen Poster ließen wir in A 1 drucken. Dann wurden sie für die Haltbarkeit in Plastikthüllen gesteckt und in der Schule dauerhaft ausgehängt (Beispiel: Digitales Graf-Iz Erdzeitalter – Eduki #749511).
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