Das Fach Geschichte wird in der öffentlichen Wahrnehmung oftmals so verstanden, dass es hauptsächlich für die Wissensvermittlung der Vergangenheit zuständig ist. Damit verbunden ist die Vorstellung: "Über die Vergangenheit wurde bereits alles erzählt". Diesen Eindruck vermitteln neben Schulbüchern auch Internetauftritte, die ihren inhaltlichen Schwerpunkt auf das bereits erforschte Faktenwissen legen (Beispiel: Die "Etappen" der NS-Machtergreifung 1933/34).
Nun ist es so, dass sich Geschichte - so wie auch Medizin, Biologie, Physik etc. - durch seine wissenschaftlichen Forschungen auszeichnet und auf eine lange Tradition in den Universitäten zurückblicken kann.
Geschichte definiert sich nicht nur über die chronologische Vermittlung von historischen Ereignissen. Dies ist zwar eine notwendige Bedingung, gehört aber noch längst nicht zu den eigentlichen Grundlagen. In Geschichte geht es vielmehr um die eigenständige Deutung von Zusammenhängen, aus denen Menschen wiederum zu neuen Erkenntnissen und Erklärungen gelangen können. Je nach dem, welche Perspektive beleuchtet und untersucht wird, können bereits erforschte Sachverhalte neu interpretiert und unter einer anderen Fragestellung in Schulbücher der nächsten Generationen kommen.
Vor diesem Hintergrund steht und fällt alles mit dem Umgang von historischen Quellen - egal ob Texte, Bilder, Karikaturen, Gemälde, Bauwerke oder Münzen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Quellen (im Rahmen von Quellenanalysen) bietet eine Basis für Forschungen, die immer wieder neu hinterfragt und widerlegt werden können. Geschichte macht also nicht nur die Vergangenheit "lebendig", sondern gibt auch einen Orientierungs- und Gestaltungsrahmen für die Gegenwart und Zukunft.
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