Nutzen Ihre Schüler*innen Tintenlöscher, teilweise sogar inflationär? Haben Sie schon einmal beobachtet, wie ein*e Schüler*in ein Wort schreibt, sich in schon fast schauspielerischer Meisterleistung, über einen kleinen Fehler ärgert um „killern“ zu können? Haben Sie schon einmal beobachtet, wie ein*e Schüler*in durch den Raum streunert, auf der Suche nach einem Tintenlöscher? Es selbst hat eventuell keinen, er funktioniert nicht mehr oder wurde vergessen. Also spricht dieses Kind andere an und bittet um einen Tintenlöscher. Wertvolle Lernzeit geht verloren, andere Schüler*innen werden gestört, eventuell wird während des Fragens sogar vergessen, was eigentlich der Zweck dieser Aktion war. Hinzu kommt noch der Geruch einiger Tintenlöscher und das Auflösen des Papiers.
Nun noch ein Schwang aus meiner eigenen Schulzeit. Ab und zu hatte ich auch einen Tintenlöscher. Ich weiß leider nicht mehr warum ich nur selten einen hatte, ob es am Geld lag, an den Anforderungen unserer Klassenlehrer*innen oder der eigenen Meinung meiner Eltern, was in die Federmappe gehört und was nicht. Ich weiß jedoch, dass ich meist preiswerte Modelle besaß, welche mich irgendwann nur noch nervten. Sie stanken, sahen unästhetisch aus, das Papier löste sich auf, irgendwann schrieb die blaue Mine nicht mehr und die anderen Mitschüler*innen hatten eben die besseren Modelle.Mit der Zeit verschwand der Tintenlöscher vollends aus meiner Federmappe. Schrieb ich etwas falsch, strich ich es mit Bleistift und Lineal sauber durch. In der Oberstufe wurde das Wort dann freihändig mit Kugelschreiber durchgestrichen, da ich nur noch mit solch einem Stift schrieb. Es wurde hinter oder über das Wort nochmals richtig geschrieben. Bei Aufsätzen fing ich an die Worte mit hochgestellten Ziffern und einem Anhang richtig zu schreiben. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich mit der deutschen Rechtschreibung und Grammatik meine Schwierigkeiten hatte. Weswegen es anfänglich allerhand Wörter waren, welche ich korrigierte. Im Laufe meiner Schullaufbahn ohne Tintenlöscher, konzentrierte ich mich beim Schreiben immer mehr auf die Richtigschreibung meiner Worte. Ich wollte ungern die Worte nochmals schreiben oder gar den Stift absetzen, nur weil ich das Wort durchstreichen und nochmal schreiben musste.
Was geschah? Sicherlich können Sie es sich denken. Mein Schreiben verbesserte sich. Ich machte weniger Fehler beim Schreiben, da ich mich mehr konzentrierte. Falsch geschriebene und korrigierte Wörter merkte ich mir besser, da ich sie mehrmals schrieb. Das alte, teilweise verhasste Systems, des wiederholten Schreibens eines Wortes, half mir, meine Rechtschreibung zu verbessern. Einen weiteren positiven Effekt auf meine Rechtschreibung hatte übrigens auch das Chatten mit Freunden über den PC. Aber das sei eine andere Geschichte. Ein weiterer positiver Effekt war natürlich die Geldersparnis, da ich keinen Tintenlöscher mehr kaufte. Des Weiteren kein Gestank, ein Platz frei in meinem Federmäppchen und nicht mehr der Gedanke daran, das andere Schüler*innen einen besseren Tintenlöscher als ich besaßen.
Aus diesem Grund empfehle ich den Schüler*innen immer wieder, auf den Tintenlöscher zu verzichten.
Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich bin ein großer Fan von kreativen Schreibprozessen und lasse diese auch immer handschriftlich anfertigen. Bei der konzentrierten Reinschrift ist ein Fehler natürlich ausgesprochen ärgerlich. Ein Abschreiben der gesamten Geschichte wäre nicht nur zeitraubend, sondern auch demotivierend. Sicherlich wird dann ein Fehler an einer anderen Stelle gemacht. Aus diesem Grund gestatte ich es den Schüler*innen ausnahmsweise einen Tintenlöscher zu nutzen. Dabei wird verdeutlicht, dass dies eine Ausnahmesituation ist. Beispielsweise können Sie in Ihrer Klasse ebenfalls auf Tintenlöscher verzichten. Sie als Lehrer*in haben einen Tintenlöscher für besondere Anlässe, wie eben die Reinschrift einer Geschichte oder eine Einladungskarte zum Elternabend, geschrieben von den Schüler*innen. Dieser besondere Tintenlöscher darf von den Schüler*innen genutzt werden, sollte aber über Sie als Umweg, erfragt werden.
Ich möchte noch einmal klarstellen, dass Fehler gemacht werden dürfen und auch sollen. Nur bin ich der Meinung, dass diese nicht immer vertuscht werden sollten. Wir sollten die Fehler und das, was wir aus diesen gemacht haben, zeigen.
Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.