#Überforderte Lerner*innen unterstützen - Die To-Do Liste

Als Lehrkraft war ich der Idee aufgesessen, dass meine Kinder Schule mögen würden. Ich selber meine mich zu erinnern, gerne in die Schule gegangen zu sein, jedoch stand dies auch nie zur Debatte. Ich habe es nie in Frage gestellt.

Nun werden die Bedürfnisse von Kindern in der heutigen Zeit weiter in den Fokus gerückt und es steht noch immer außer Frage für mich, dass die Kinder in die Schule gehen sollen, jedoch sind Grenzen dehnbarer geworden.

Ja, nun, ich bin gesegnet mit unwilligen Schulgebäudegängern und Hausaufgabenvermeidern. Ich habe auch ein Kind, welches es grad richtig genießt, da es Fortschritte sieht und das lang ersehnte Lesen lernt.

Ich probiere schon das ganze Schulleben meiner Kinder, immerhin schon fast 6 Jahre lang, Lösungen zu finden und möchte ein paar davon teilen.

Ich betone dabei, dass es mir nicht darum ging und geht, die Kinder so zu “motivieren” (=manipulieren), dass sie machen, was ich will, sondern ich möchte ihnen helfen, ihren Weg zu finden mit allen Konsequenzen. Wer etwas anderes erwartet, der sei an dieser Stelle darauf hingewiesen…

Die To-Do Liste

Eines meiner Kinder schiebt gerne die Aufgaben auf bis es Herzflattern bekommt, wenn es daran denkt, was es alles noch zu erledigen hat, und kapituliert…

Ich bin froh, dass es diese Schwierigkeiten mit mir kommuniziert und um meine Hilfe bittet. Heute war es wieder soweit. Wir sind seit einigen Tagen in Quarantäne und es gab einen großen Haufen an Arbeit, da es die Tage zuvor alles hat Schleifen lassen. Voraussetzung war hier der Wille. Es wollte die Aufgaben schaffen, um am Montag einigermaßen “clean” in die Schule gehen zu können.

Was haben wir also getan? Wir haben eine “Liste” geschrieben. So banal es klingt, so wichtig war ein Plan.

Das Fach mit den dazugehörigen Aufgaben schrieb ich relativ kleinschrittig auf, so, dass mein Kind es wieder erlesen können würde. Es war nötig, das Schulportal, Dokumente und Emails der Lehrkräfte kurz zu checken, was mein Kind übernahm. Ich konnte immer wieder helfen, am Ball zu bleiben, diese Liste jetzt fertigzustellen, keine Aufgabe schon anzufangen oder kurz zu erledigen. Ziel war es, alle Aufgaben zu sichten. Damit es nicht ein Einheitsbrei wurde, kam für jedes Fach eine andere Farbe ins Spiel. Das lockerte die To-Do Liste auch etwas auf.

Danach stand die erste Aufgabe an. In 15 Minuten (3 Mails je 5 Minuten - meine simple Mathematik dahinter) sollten die drei E-mails mit Nachfragen an Lehrkräfte geschrieben werden. Mein Kind wollte gar nicht, ehrlich, so wirklich gar nicht.  Ich versuchte klar zu machen, dass diese recht schnell geschrieben sind und danach eine Pause kam. Ein kleiner Schritt. Nur diese drei Mails. Das würde es schaffen. Mein Jüngstes verlangte dann meine Aufmerksamkeit, ich stellte einen Wecker und ging anderen Aufgaben nach… Nach etwas mehr als 15 minuten ging ich zurück und fragte, ob es die Mails schreiben konnte. Es hat weniger als 5 Minuten gedauert… Yeah, wir haben gefeiert und ein wenig gescherzt. UND wir haben bereits etwas von der Liste gestrichen!

Nun war die nächste Aufgabe, eine gewisse Reihenfolge festzulegen, damit ein Plan existierte. Das war so nicht möglich. Es wollte sich nicht entscheiden, ich sollte dies auch nicht tun. Mir fiel eine Möglichkeit ein, die ungewöhnlich genug war, sie anzunehmen. Mein Kind hat einen Würfel gebastelt und die einzelnen Fächer auf die jeweiligen Würfelseiten geschrieben. Das Würfeln selbst war dann zu langweilig, so dass wir den Würfel wie einen heißen Stein behandelt und immer hin und her gespielt haben. Nun ja, er fiel dann nacheinander auf vier der sechs Fächer, so dass deren Reihenfolge klar war.

Da wir nicht ewig hin und her spielen wollten, kam mir die Idee, es hinter meinem Rücken auszulosen. Meinem Kind fiel ein, wir könnten eine abgewandelte Art von “Schere, Stein, Papier” spielen, was wir dann taten und die Reihenfolge der letzten beiden Fächer nun auch klar war.

Dann haben wir erst einmal (trotz der Fülle an Aufgaben) eine längere Pause gemacht, mit einem Mittagessen und mit unstrukturierter Freizeit! 

  • Fazit

Dieser beschriebene Prozess hat gedauert. Ich gebe es ehrlich zu. Es war aber jeder Schritt in Zusammenarbeit mit meinem Kind. Keine Anordnungen, keine Süßigkeiten oder etwas anderes als Belohnung, keine Androhung von Strafe. Es war auch ein Weg, den es wiederholen kann, wenn es wieder soweit kommen sollte, dass es sich überfordert fühlt. Es wurde befähigt. Und das war es wert.

Wir hatten am Ende einen Plan…

Ja, nun waren wir fertig und mein Kind wollte es sich nicht nehmen lassen, diesen Würfel gebührend zu feiern. Hier das Ergebnis:


Vielen Dank fürs Lesen...

Was seid ihr für ungewöhnliche Wege gegangen, um eure überforderten Lerner*innen zu unterstützen.

Schreibt es gerne in die Kommentare...

Ich grüße euch,

Ulrike

Tags: Lerncoaching, spielend Lernen, Prokrastination, Überforderung, Lernen planen, To-do-Liste

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