
Wir sollten die Kinder nicht verrückt machen mit Forderungen à la „Bei der Schularbeit müsst ihr auch alleine schreiben“. Und rein ins kalte Wasser. Als Resultat bekommen die Kinder blanke Nerven oder sie verweigern. Wir müssen das Kind schrittweise auf die Aufgabe vorbereiten. Viele Kinder schaffen den Anfang leichter, wenn man gemeinsam Ideen sammelt und Sätze erfindet.
Vielleicht braucht auch dein Kind noch mehr Unterstützung? Frag es doch einfach, ob es sich schon alleine darüber traut oder Hilfe haben will.
Indem ich den Kindern erkläre, wie ich denke, zeige ich ihnen, worauf es ankommt beim Aufsatzschreiben. Hilfestellungen wie „Den Satz können wir noch spannender machen, wenn wir ein anderes Wort für „sagen“ verwenden.“ geben deinem Kind Strategien. Darum finde ich gemeinsames Schreiben – mit der Lehrerin, dem Papa oder dem Schulkollegen – sehr wertvoll.
Wenn ich merke, dass ein Kind bei einem Wort hadert, sag ich ihm, an welche Rechtschreibregel ich dabei denke. So lernt das Kind Rechtschreibstrategien kennen. Macht bitte kein Ratespiel daraus! Schreibt dein Kind zum Beispiel „Hand“ mit einem „T“, dann sag ihm die Strategie: Verlängere das Wort dann hörst du „Hän – de“. Auch hier zeigst du dem Kind, wie es dabei denken sollte.
Anstatt möglichst viele verschiedene Geschichten zu schreiben, empfehle ich, eine Geschichte mehrmals zu schreiben. Man könnte sie zum Beispiel aus der Perspektive einer anderen Hauptfigur schreiben: den Hund erzählen lassen oder aus der Ich-Perspektive. Nachdem wir die Geschichte schon einmal in einer Rohfassung vorgeschrieben haben, könnten wir weitere Ideen einbauen: Genauere Beschreibungen hinzufügen, wörtliche Reden einbauen und dann die Geschichte schön abschreiben.
Die Geschichte wird dann wirklich zu einem tollen Erfolg, auf den das Kind stolz ist. Ein Bild zur Illustration sollte auf keinen Fall fehlen.
Ich lasse die Kinder in der Klasse ihre Geschichten immer vorlesen bzw. ich lese sie vor – wenn das Kind das wünscht. Einerseits hat das Kind die Möglichkeit, seine Geschichte zu präsentieren. Sie sind so stolz darauf. Andererseits hören die Kinder viele Varianten und können Ideen sammeln. Heute bin ich überzeugt davon, dass die Geschichten den Kindern ins Ohr gehen müssen. Sie brauchen Beispiele guter Geschichten! Die findet ihr zuhause in Bilderbüchern oder Kinderbüchern.
Wie kann man das aber zuhause bewerkstelligen? Dein Sohn oder deine Tochter könnte die Geschichte anderen Familienmitgliedern oder Besucher*innen vorlesen oder einem Haustier und warum nicht auch dem Kuscheltier? Es geht auch hier um die Verarbeitungstiefe, die dein Kind durch die vielen Wiederholungen erreicht – durch Einprägen wird automatisiert.