Das Halbjahreszeugnis für Lehrer*innen: die Selbstevaluation (#AreYouOK)

Jedes Jahr aufs Neue bitte ich meine Lernenden in jeder Klasse / jedem Kurs mich als Lehrkraft und unseren gemeinsamen Unterricht zu evaluieren (hier findest du mein Bundle zur Unterrichtsevaluation) Das Feedback meiner Schüler*innen ist mir wichtig. Zum einen freue ich mich natürlich über positives Feedback und kann das Halbjahr für mich mit ein paar good vibes abschließen (#AreYouOK). Zum anderen finde ich es wichtig, den Unterricht stärker auf die Bedürfnisse meiner Schüler*innen auszurichten. So können sie besser lernen, aber lernen auch zu reflektieren und Verantwortung für unseren gemeinsamen (gut laufenden) Unterricht zu übernehmen. Beide Skills sind aus meiner Sicht essenziell für ihr späteres Erwachsenenleben.

Ich gebe den Klassen Fragebögen in Papierform (hier kannst du dir meine Fragebögen für die jüngeren Klassen und für die Sek I herunterladen) und verwende unsere Unterrichtszeit darauf, sie die Fragebögen ausfüllen zu lassen. Das zeigt meinen Klassen, dass mir dieses Feedback so wichtig ist, dass ich sogar den kostbaren Unterricht dafür ausfallen lasse. Für meine Oberstufenkurse in Englisch lasse ich sogar zwischendurch die einzelnen Units oder Themenblöcke evaluieren (die Feedbackbögen dafür findest du hier).
Nach dem ich die Fragebögen ausgewertet habe, picke ich mir relevante und/oder überraschende Erkenntnisse heraus und bespreche diese mit meinen Klassen: was wurde mehrheitlich als gut oder schlecht empfunden, wo sehen die meisten Verbesserungpotenzial, was wünscht sich die Klasse? Dadurch entstehen viele Ideen für eine bessere Zusammenarbeit und effektiveren Unterricht. Das kommt auch unserer eigenen mentalen Gesundheit zugute und ist Selbstfürsorge (#AreYouOK).

Ich mache dies grundsätzlich zum Ende des ersten Halbjahres. Warum?
Eine Schülerin fragte mich einmal: "Verlassen Sie uns etwa?" Ich: "Nein, wieso?" Sie: "Naja, Lehrer fragen immer nach Feedback, wenn sie uns nicht mehr unterrichten und die Klasse / Schule wechseln."
Dieses Vorgehen macht für mich überhaupt keinen Sinn. Warum sollte ich mir das Feedback einer bestimmten Klasse holen und wissen wollen, wie diese spezielle Klasse gut arbeiten kann, wenn ich sie dann abgebe? Wie soll dieses Feedback unseren Unterricht und unser Miteinander verbessern?

Jede Klasse ist anders, also braucht auch jede Klasse etwas anderes von mir und hat andere Bedürfnisse nach Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit, nach Ruhephasen und Diskussionsbedarf, nach gemeinsamen Projekten oder Einzelpräsentationen, Interesse an bestimmten Themen oder auch nicht.

Ein Feedback zum Halbjahr hilft mir, mich besser auf diese spezielle Klasse im zweiten Halbjahr einzulassen und so ihre Wünsche mit zu berücksichtigen in meiner Unterrichtsplanung. Diese Mitbestimmung und auch die entstandene Selbstwirksamkeit verschenke ich, wenn ich zum Abschluss evaluiere. Meine Schüler*innen können dann leicht den Eindruck bekommen, ich mache das pro forma, Feedback um des Feedback willen ohne irgendwelche Konsequenzen ziehen zu müssen. So allerdings erleben meine Schüler*innen die Konsequenzen ihres eigenen Feedbacks und merken, wie sie Schule und Unterricht aktiv mitgestalten können, erleben sich als selbstwirksam und ihre Stimmen werden gehört. Nach dem Motto "Nach der Evaluation ist vor der Evaluation" dürfen meine Klassen mich auch immer wieder auf die gemeinsam besprochenen Änderungen "festnageln", sollte ich diese vernachlässigen. Das ist für mich gelebte Demokratie und lässt mich in meinem Job flexibel und offen bleiben.

Auch in Zeiten von Home Schooling und Hybridunterricht oder Wechselunterricht konnte ich mit diesem Fragebogen an den Schüler*innen und ihren Bedürfnissen dran bleiben. Das war für beide Seiten wichtig.

Aber natürlich hat jede*r von uns Lehrkräften hier seine eigene Meinung und Routinen. Eine Evaluation zum Schuljahresende ist immer noch besser als gar keine Rückmeldung. Und von manchen Klassen möchte man manchmal auch gar kein Feedback haben - diesen Fall gibt es ja auch noch.

Ich wünsche euch fröhliches Evaluieren und auf ein neues Halbjahr! ?

Tags: Klassenmanagement, Evaluation, Selbstevaluation, Unterrichtsevaluation, Rückmeldung, Homeschooling, Hybridunterricht, Mitbestimmung, Demokratiebildung, Zweites Schulhalbjahr, Halbjahr, Halbjahreszeugnis, Schuljahresende, Schuljahresabschluss, #AreYouOk

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