Methoden sind wichtig für die Abwechslung beim Lernen. Sie können immer neu motivieren. Schülerinnen und Schüler sprechen auf unterschiedliche Methoden an. Damit das Lernen für alle interessant bleibt, ist ein Mix verschiedener Methoden sinnvoll. Noch wichtiger ist aber die richtige Methode passend zum Lerninhalt zu finden, denn eine adäquate Methode unterstützt den Erwerb von neuem Wissen und geht damit über die reine Motivation hinaus. So ist das Experimentieren geeignet das Wesen der Naturwissenschaften zu vermitteln. An Modellen können besondere sonst nicht nachweisbare Eigenschaften veranschaulicht werden. In Gruppenarbeit wird über das jeweilige Thema geredet, sich ausgetauscht und Fragen gestellt. In diesem „Schonraum“ sind zurückhaltende Schülerinnen und Schüler weniger gehemmt als in der Großgruppe. Durch den intensiven Austausch von Schüler*in zu Schüler *in bauen sie ein tieferes Verstehen der Inhalte auf, als es in Einzelarbeit möglich wäre, denn die Kommunikation in der Gruppe fördert die Auseinandersetzung mit dem neuen Wissensgebiet. Gruppenarbeit kann sehr verschieden angelegt sein und unterschiedliche Funktionen haben.
Greifen wir uns das Gruppenpuzzle heraus. Es ist ein besonders aufwendiges Verfahren kooperativen Lernens. Und wenn es nicht gut strukturiert wird, kann es leider im Chaos enden. Viele Gruppenpuzzle sind vielleicht auch überflüssig und rufen nur eine unruhige, leere Aktivität hervor. Also bevor man ein Gruppenpuzzle durchführt, sollte man sich wirklich im Klaren sein, ob es die adäquate Methode für den zu lernenden Inhalt ist. Nur wenn große Stoffmengen bewältigt werden sollen oder der inhaltlichen Vorbereitung einer Diskussion dienen soll, würde ich ein Gruppenpuzzle einsetzen, denn mit seinen vier verschiedenen Gruppenphasen ist es an sich schon komplex und zeitaufwendig. Dabei soll es das Lernen unterstützen.
Ein Gruppenpuzzle besteht aus verschiedenen Phasen. Zuerst bereiten Schülerinnen und Schüler einen Inhalt in Einzelarbeit vor. Das geschieht in ihrer Stammgruppe. Ich mag den Begriff Stammgruppe nicht so sehr, denn er ist eigentlich durch die Reformpädagogik belegt. Aber dieser Begriff hat sich für die erste Runde des Austauschs im Gruppenpuzzle eingebürgert. Ich wollte einmal davon abweichen, aber die Referendare bestanden auf dieser Nomenklatur. Dann gehen die SchülerInnen in die Expertenrunde, die den gleichen Inhalt erarbeitet hat und sie tauschen sich darüber aus. Nach der Expertenrunde gehen die Lernenden wieder zurück in die Stammgruppe, in der für jedes Teilthema nun ein Verantwortlicher sitzt. Schülerinnen und Schüler stellen sich in dieser Gruppenphase gegenseitig ihren Inhalt, ein Teilgebiet des Ganzen, vor, beantworten Fragen und sorgen dafür, dass die anderen es verstehen. Es herrscht also ein ganz dynamisches Klassenleben. In der Regel schließt man die Gruppenarbeit in der Großgruppe gemeinsam mit allen ab. Ergebnisse und Durchführung des Gruppenpuzzles werden reflektiert. Alle können sich noch einmal austauschen, weiterführende Fragen diskutieren oder eine Debatte führen, die auf dem verarbeiteten Inhalt aufbaut.
Ein Gruppenpuzzle einzusetzen lohnt sich bei Geschichten, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden oder bei viel Lesearbeit. Manchmal bietet sich ein Gruppenpuzzle an, um Zeit zu sparen, etwa wenn ein Thema mehr Zeit in Anspruch genommen hat als vorgesehen, so kann dies mit Hilfe eines Gruppenpuzzles erfolgen. Als Beispiel sei das Gruppenpuzzle Inhaltsstoffe unserer Nahrung angeführt. Auch breit angelegte Inhalte können so erarbeitet werden. Ich denke da an gesellschaftliche Phänomene wie Alkoholismus oder erneuerbare Energien. Im Rahmen einer Unterrichtseinheit können Lerninhalte abschließend erweitert werden, beispielsweise beim Thema Blut und Kreislauf werden die Herz-Kreislauf-Krankheiten mit Hilfe eines Gruppenpuzzles ergänzt. Auch nachhaltige Themen wie der Einsatz erneuerbarer Energien mit anschließender Diskussion bieten sich als Thema für ein Gruppenpuzzle an. Wichtig erscheint mir, dass sich die Teilthemen wirklich aufeinander beziehen beziehungsweise sich ergänzen. Je enger die Teilthemen miteinander verzahnt sind, desto intensiver wird der Austausch in der Gruppe ablaufen.
Schauen Sie mal in die Gruppenpuzzle meiner Seite: Alkoholismus, Überwinterung der Säugetiere oder Inhaltsstoffe unserer Nahrung. Im Material habe ich auch jedes Mal den Ablauf einer solchen Gruppenarbeit dargestellt.
In der Biologie bietet sich der Einsatz eines Gruppenpuzzles auch an, um die Vielfalt der Pflanzen- oder Tierwelt zu vertiefen. Das gegenseitige Vorstellen von Tierarten einer Gruppe (Familie, Klasse…) in der Expertenrunde ist viel intensiver als eine Vorstellung vor der Großgruppe. Die Schüleraktivität ist deutlich höher als bei einer Referatstruktur.
Über die Inhalte hinaus lernen Schülerinnen und Schüler sich zu strukturieren, etwas selbständig zu erarbeiten und vor allem mit anderen zu kooperieren und Verantwortung zu übernehmen. Ein Gruppenpuzzle erhöht die gegenseitige Abhängigkeit. Es bietet die Struktur, mit der kooperative Kompetenzen explizit aufgebaut werden. Schülerinnen und Schüler müssen zuerst selbständig Inhalte durcharbeiten, dann mit anderen in einer Kleingruppe, die meist Expertengruppe genannt wird, in den Austausch gehen. Dabei übernehmen sie Verantwortung für die Gruppe. In der anschließenden Stammgruppe ist jeder Einzelne dafür zuständig, dass auch die anderen verstehen, worum es geht. Der doppelte Austausch untereinander, also in der Expertenrunde und in der Stammgruppe, festigt vorzüglich das neu erarbeitete Wissen. Das ist in hohem Maße aktives Lernen.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.
