Ein Jahr ist mein Examen jetzt her und seit Januar diesen Jahres bin ich mit dem Referendariat offiziell fertig. Die Zeit rennt, wie man so oft sagt und irgendwie ist es wirklich so. Mir kommt es auf der einen Seite so vor, als wäre meine Vorbereitung auf das Examen erst gestern gewesen und auf der anderen Seite habe ich diese anstrengende Lehrzeit auch schon gut verdrängt.
Und die Beschreibung "anstrengende Lehrzeit" drückt nun wirklich nicht im vollen Umfang aus, was das Referendariat mit sich bringt. Wer sagt, das Referendariat wäre eine tolle Zeit, die man entspannt genießen kann, muss von einem anderen Planeten stammen. Seien wir einfach ehrlich: Das Referendariat kann phasenweise wirklich eine schlimme Zeit sein. Man könnte das Wort "schlimm" auch durch andere, ähnliche Begriffe ersetzen, aber bleiben wir 'mal bei dem einen und wollen dieses genauer definieren: Für mich war die Zeit deshalb schlimm, weil ich phasenweise immer wieder an meine Grenzen kam. Ich musste so unfassbar viel Zeit in diesen Vorbereitungsdienst stecken, dass kaum noch Zeit für Freizeit, Freunde und Sport blieb. Selbst wenn ich gern 'mal zum Sport wollte, ging es manche Tage einfach nicht, weil es nach der Schule direkt an den Schreibtisch ging und ich viele, viele Tage erst um 22, 23 Uhr Feierabend machen konnte. Bei mir kam erschwerend hinzu, dass ich in beiden Fächern keine Lehrbücher hatte, weil diese leider aufgrund von Umbauarbeiten an der Schule von Bauarbeitern eingemauert wurden - kein Spaß! Das hieß so manches Mal, Material selbst erstellen und sich Ideen aus den Fingern saugen. Und neben der fehlenden Zeit für ein Privatleben kam hinzu, dass ich mir in kürzester Zeit ein ziemlich dickes Fell zulegen musste - gegenüber meiner SuS und meiner KollegInnen, aber auch gegenüber meiner MentorInnen und meiner Studienleiterinnen, die meine Unterrichtsstunden auf den Prüfstand nahmen. Kritik nicht persönlich zu nehmen, war in dieser Phase gar nicht so einfach. Arbeit über Arbeit und dann auch noch hören, dass etwas nicht gut lief, das war anfangs nicht so einfach.
Trotz allem war das Ref nicht nur schlimm! Sehr wohl erinnere ich mich an viele schöne Momente in dieser Zeit. Ich war sehr stolz und glücklich, endlich unterrichten zu dürfen. Das zu tun, wofür ich fünf Jahre studiert hatte. Und selbst wenn der Tag einmal nicht so gut lief, gab es viele nette KollegInnen, die einen auffingen und auch die SuS konnten einem durch Lob, Komplimente und gute Laune so viel zurück geben. Ich habe in diesen 1 1/2 Jahren ziemlich schnell gelernt, wie guter Unterricht funktionieren kann. Ich habe fachlich, didaktisch und pädagogisch so viel Erfahrung gesammelt. Ich bin in dieser Zeit eine starke Lehrerin geworden und bin dankbar, dass ich so unterstützende MentorInnen hatte.
Und das Beste? Die Zeit nach dem Examen! Plötzlich bist du frei. Plötzlich bist du eine fertig ausgebildete Lehrerin :). Und eins kann ich euch sagen, das Examen ist gar nicht so schlimm. Schließlich arbeitet man über ein Jahr darauf hinaus.
Ich hoffe, euch hilft mein Bericht.
eure Jonna / Frau_Mutmachlehrerin
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