Gestern Abend wurde ich von meinem lieben Mann gefragt, wie man zweihundert Seiten über einen so kleinen Strich verfassen könne. Es sei doch nur ein Komma. Ja, für den einen ist es nur ein winziges Zeichen inmitten eines Textes, doch für den anderen gilt es als achtenswert, gar bedeutsam.
Warum?
Warum bedeutsam?
Sicherlich kennt jeder den berühmten Satz: „Wir essen, Opa." Ohne Komma klingt der Satz recht makaber. Und so kann es dem einen oder anderen auch beim Verfassen des Nachlasses ergehen - doch Genaueres erfahrt ihr in meiner ersten Lerneinheit, in dem ich einführend ein Gedicht verfasst habe.
Das Gedicht, das ich immer zur Einführung des Lernthemas verwende, stammt direkt aus meinem Nachhilfeunterricht. Immer wieder fragte mich der Schüler, warum er dies alles lernen müsse, er habe schließlich eine automatische Textkorrektur. Doch er wurde eines Besseren belehrt, als er mir seine computerverfassten Texte brachte und ich diverse Fehler gefunden hatte. Laut Duden habe er alle Wörter richtig geschrieben und auch die Satzgrammatik stimmte, doch er konnte sich das blau Unterkringelte am Computer nicht erklären. Ja, die richtige Kommasetzung wird darin nicht korrigiert, das muss der Mensch noch selbst wissen. Und nichtsdestotrotz sollte das Allgemeinwissen so gut geschult sein, dass die Zeichensetzung ohne technische Hilfen gesetzt werden kann. Sich nur auf die Technik zu verlassen, kann keine gute Zukunft sein, denn sein Wissen möchte doch ein jeder anwenden wollen.
Während der letzten zehn Jahre füllte sich das Buch und ich mochte es einfach nicht aus der Hand geben. Durch die Schüler sah ich die fehlenden Lücken, warum sie die Kommasetzung nicht in der Schule verstanden haben. Genau die griff ich direkt auf, ging tiefer in die Lernthemen hinein und sie verstanden es. Ihre Dankbarkeit zeigen sie mir immer wieder. Freudestrahlend berichten sie mir über ihre Erfolge, verstehen durch mich alles besser und helfen ihre Mitschüler.
Das Buch füllte sich also von ganz allein. Darin gehe ich auf folgende Unterthemen ein:
Das erste Thema beinhaltet das einführende Gedicht, anschließend gehe ich auf die Aufzählungen ein, die sehr gern als unwichtiges Lernthema angesehen werden, doch selbst meine erwachsenen Schüler ließen sich eines Besseren belehren. Die Konjunktionen und die beiden Satzglieder sind eine Vorarbeit auf das Wissen zum Haupt- und Nebensatz. Wer die Wortart sowie das Subjekt und das Prädikat nicht kennt, versteht auch nicht die Regeln zum Haupt- und Nebensatz.
Das Wissen zu den Adverbialsätzen dient meiner Meinung nach der Stilfindung beziehungsweise der Stilführung, ob wir eine adverbiale Bestimmung als Wortgruppe oder als Gliedsatz anwenden, um den Text abwechslungsreich zu verfassen. Die Relativsätze schulen den Augenmerk für eingeschobene Nebensätze und den Blick auf die richtige Kommasetzung vor „und, oder, sowie" - so einige meiner Schüler finden dieses Thema besonders knifflig, verstehen es aber am Ende. Die Themen acht bis zehn nehmen die letzten kleinen Details unter die Lupe. Erst zum Schluss gehe ich auf die direkte und indirekte Rede ein, da das Lernthema einfach nicht zwischen den anderen passt. Es steht für sich allein.
Alle Themen enden mit einem Text, in denen Kommas gesetzt werden müssen, wobei ich die Entscheidungen stets begründen lasse. Etwas Gelerntes kann nur gefestigt werden, wenn es auch sicher begründet werden kann. Im Lösungsteil stehen einige Tipps aus meiner praktischen Erfahrung und passende Diktate.
Abschließend befinden sich darin Tafelbilder zur Konjugation der Hilfs-, Modal- und Vollverben, zu den Konjunktionen, Präpositionen, Fachbegriffen und einiges mehr.
Da ich das Buch ab der vierten Klasse in meiner Nachhilfe anwende, ich während der letzten Jahre gesehen habe, wem ich die einzelnen Lernthemen schulen durfte, kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten, es ist für jedes Alter anwendbar. Es kann ein ständiger Begleiter während der Schule und darüber hinaus ebenso noch dienlich sein.
In den sozialen Netzwerken bekomme ich immer wieder gesagt, dass es sogar für Autoren Nutzen findet und in meinem Förderunterricht sind es nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch Erwachsene, die in ihrer beruflichen Tätigkeit regelmäßig mit diversen Korrespondenzen konfrontiert werden und sehr gern fehlerfrei auftreten wollen.
Jetzt bin ich gespannt, wem mein Kommabuch gefällt und welche Erfahrungen ihr im Schuleinsatz sammelt.
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