Zwiespalt Unterricht

Da ist er wieder. Dieser Gedanke, den ich häufig mit mir rumtrage. Gestern kam er wieder im Gespräch mit einem befreundetem Kollegen auf. Was ist das Ziel der aktuellen Unterrichtsvorbereitung bzw. des aktuellen Unterrichts?
Möchte ich, dass ich meine Kids beschäftigt sind; dass sie die Möglichkeit haben vom Silberteller des Wissens zu greifen; dass die Eltern und KollegInnen sehen, es passiert was?

Oder will ich, dass die Inhalte verstanden werden? Das wirklich an den Fähigkeiten und dem Verständnis einzelner Konzepte gearbeitet wird? 

Der erste Fall ist natürlich der wirtschaftlichere und ressourcenorientiertere. Er verschweigt jedoch, dass keine tatsächliche Verankerung stattfindet. Nachdem nun nach dem längeren Lockdown die Kids wieder vor Ort sind, merkt man starke Lücken. Doch wie kann das sein? Wir haben doch alles gehabt, per Videokonferenz besprochen und durch die eingesendeten Heftermitschriften auch Einsicht in den Lernstand. 

Genau da liegt ein Fehler in der Annahme: Einsicht in den Lernstand. Durch den Rücklauf der Ausarbeitungen der Lernen sieht man nicht wirklich einen Lernstand. Zu groß sind die Parameter die in die Bearbeitung einfließen.  Irgendwo dort, wo man Wissen präsentiert und der Transfer beim Lernenden startet und durchgeführt wird, muss eine Barriere sein. 

Dies trifft natürlich nicht auf alle zu. Im Schnitt finde ich es aber beachtlich, dass vieles wie ausgelöscht oder nie vorhanden wirkt. 

Der erste Fall schafft die Verankerung also nicht. Dazu müsste mehr Zeit in weitere Übungsaufgaben gesteckt werden und eine individuellere Betreuung angeboten werden. Und damit beginnt der Übergang in zu Fall 2.

Um in dieser aktuellen Schulsituation wirklich ein Fundament für weitere Klassenstufen legen zu können, benötigt es ein Konzeptwechsel. Dass die Lehrpläne nicht mehr realisierbar sind, merkt man an den abgesagten Prüfungen (bspw. 10. Klasse Prüfungen in Berlin). Natürlich kann man zu Fall 1 übergehen und sagen: Schaut her, wir haben es doch gemacht: 2 Wochen, dann kam die Arbeit und das nächste Thema. 

Wie wäre es, wenn die Inhalte modularisiert von Lehrkräften betreut werden? Die Inhalte sind bereits ausgearbeitet und liegen digital vor. Der Fokus kann nun auf die Betreuung gelegt werden. Das wiederholende Konzept von Babbel oder Duolingo & Co - lässt sich das nicht transferieren? 

Wie es auch läuft, das Schuljahr neigt sich dem Ende. Konzeptwechsel wird es nicht geben. In meinen Klassen werde ich aber einen Teil der verbleibenden Zeit nutzen, um die Inhalte der letzten Monate zu vernetzen und üben. 


=)

Tags: Unterrichtsprinzip , #lockdown #wirbleibenzuhause #langeweile, neue konzepte, #Homeschooling

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