Grundrecht auf individualisiertes
Lernen
In der Gesellschaft hat seit ein Individualisierungsprozess eingesetzt. Jeder Einzelne will für sich entscheiden, wie er lebt und was er tut. Jeder durchdenkt seine Lage und findet heraus, welche ethischen, moralischen und politischen Überzeugungen er vertreten will und welche Vorhaben er umsetzen möchte. Dazu findet er oft Gleichgesinnte über soziale Medien beispielsweise. In der Schule setzte dieser Gedanke viel später ein. Meiner Einschätzung nach bewegt sich Schulentwicklung inzwischen auf die Individualisierung des Lernens hin. Mittlerweile ist Individualisierung im Schulgesetz als Grundprinzip verankert:
„Der Auftrag der Schule wird bestimmt durch das Recht des jungen Menschen auf eine seiner Begabung, seinen Fähigkeiten und seiner Neigung entsprechende Förderung und Ausbildung, durch das Recht der Eltern auf eine Schulbildung ihres Kindes sowie durch die staatliche Aufgabe, die einzelne Schülerin und den einzelnen Schüler auf ihre Stellung als Bürgerin und Bürger mit den entsprechenden Rechten und Pflichten vorzubereiten.“ (SchulG § 4 Abs. 1)
Dieses Grundprinzip wird aber erst in Ansätzen umgesetzt. Woran erkennt man das?
Heterogenität im Klassenraum
In der Schule existieren nach wie vor weitgehend gleichaltrige Schülerkohorten, die gleichgerichtet lernen sollen. Man weiß längst, dass die Entwicklungsgeschwindigkeit der Kinder und Jugendlichen auseinanderklafft. Die einen lernen schneller und tiefergehend. Die anderen benötigen viel Unterstützung, um in Ruhe und mit Zeit Lernstoff zu durcharbeiten. Die Heterogenität der Lerner ist groß. Im Grunde gibt es so viele Lerntypen, wie es Schüler gibt. Ihre Verschiedenheit lässt sich nach verschiedenen Dimensionen einteilen, so etwa nach der Lerngeschwindigkeit, dem Alter, dem Entwicklungsstand, der sozialen Herkunft, dem Geschlecht, dem finanziellen Rahmen der Eltern oder der kulturellen Herkunft, um nur einige zu nennen.
Passgenaues Lernmaterial
Da fällt es schwer, alle Schüler und Schülerinnen einer Klasse mit dem für sie passenden Lernmaterial zu versorgen. Meist ist es für die einen zu anspruchsvoll, für die anderen zu leicht. Nur eine Minderheit – die sogenannten Mittelköpfe, wie diese seit über 100 Jahren bezeichnet werden - kann dem Unterricht exakt folgen. Was ist zu tun, um alle Schülerinnen und Schüler zum aktiven Lernen anzuregen? Natürlich muss differenziert werden. Manchmal kann man für eine kleinere Gruppe gezielt Material erstellen oder mit einer Kleingruppe extra arbeiten. In dem Fall müssen die anderen Lernenden Selbstlernmaterial erhalten. Mein Material, beispielsweise Wirbeltiere (7 verschiedene Einheiten), Pflanzen (6 Materialen) und Regenwürmer, eignet sich dazu, in solchen Lernsituationen die anderen Schüler und Schülerinnen eigenständig lernen zu lassen. Ebenso bietet sich das digitale Material zum Selbstlernen für Wiederholungen bei einzelnen Schülern an, etwa wenn diese im Unterricht nicht mitgekommen sind. Für eine Differenzierung nach oben können zusätzliche Materialien ausgegeben werden wie beispielsweise die beiden von mir erstellten Einheiten zur Gentechnik. Wenn sich die Begabten diese Themen selbst erarbeitet haben, können sie darüber den anderen Klassenkameraden einen Vortrag halten. Das digitale Selbstlern-Material dient dazu, selbstgesteuert in ein neues Thema einzusteigen. Zahlreiche Anregungen sind darin enthalten, von denen aus Schüler und Schülerinnen selbst tiefer in die Materie eindringen. Das fällt den Schülern mit hohem Leistungsniveau leicht.
Veränderte Lehrerrolle
Lernen alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse individuell an den von mir erstellten Selbstlernmaterialien, hat der Lehrer die Muße und die Möglichkeit einzelne Schüler und Schülerinnen ganz individuell zu beobachten und zu unterstützen. So können Einzelne gezielt gefördert werden. Währenddessen lernt das Groß der Klasse binnendifferenziert, indem jeder den Lernstoff in seinem eigenen Tempo durcharbeitet. Auch das stellt eine Individualisierung dar.
Also das von mir erstellte digitale Biologie-Material ist dafür gefertigt, das individualisierte Unterrichten schon jetzt sofort zu unterstützen.
Zukünftige Wege der Individualisierung
Was ist in Zukunft zu tun, um eine zeitgemäße Form des individualisierten Lernens umzusetzen? Klassenkohorten und Räume müssen aufgelöst werden. Bisher fehlen Räumlichkeiten, auch kleinere Lernplätze für individualisiertes Lernen. Bunte Lernlandschaften mit vielen unterschiedlichen Arbeitsplätzen sollten in den Schulen geschaffen werden. Dann können die Schüler und Schülerinnen sich interessegeleitet an einen digital eingerichteten Arbeitsplatz begeben, um an dem weiterzuarbeiten, an dem sie tags zuvor aufgehört haben. Auch Projekte in kleinen Gruppen gehören zum individualisierten Lernen. So wechseln sich Arbeitsformen, in denen Schüler und Schülerinnen auf vielfältige Weise selbstgesteuert lernen, ab. Gemeinsame Plenumssitzungen dienen dabei dem Austausch, der Kommunikation und dem Diskurs.
Ich denke, dass für eine weitgehende Individualisierung des Lernens Lehr-, Lernmaterial neu gedacht, umgeschrieben und anders angeordnet werden muss. So könnte die Individualisierung in Schule nachgeholt und der gesellschaftlichen Entwicklung angeglichen werden.
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