Alle Welt beschwert sich, dass die Schulen die Digitalisierung verpassen. Das sehe ich nicht so. Ich möchte hier aufzeigen, wie vielfältig digitales Material schon jetzt erprobt werden kann. Dazu sei angemerkt, dass digitales Lernen keine besondere Lehr- Lernmethode darstellt, sondern den Einsatz von digitalen Medien meint, um Lernprozesse zu optimieren. Dabei beschränke ich mich auf wenige Aspekte.
Lernplattform
Die schuleigenen Lernplattformen werden in Zukunft eine wichtige Drehscheibe für die Lernorganisation sein. Hier wird digitales Material geladen downgeloadet und verschoben. Der Lehrer kann vorbereitende Hausaufgaben hochladen. Schüler und Schülerinnen erhalten Lernvideos oder einführende Folien schon im Vorwegwege, die sie allein in ihrem Tempo bearbeiten. Damit wären wir beim flipped classroom oder beim Lernen durch Lehren (LdL).
Mein digitales Lernmaterial kann schon jetzt vielfältig eingesetzt werden. Es enthält sowohl Abbildungen als auch Texte und ist mit einer Audiofunktion versehen. Übungsmaterial mit Lösungen sind auch dabei, also ein Komplettpaket für digitalisierten Unterricht. Ich habe solches für Unter-, Mittel- und Oberstufe erstellt. Als Beispiel sei die Serie der Wirbeltiere: Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere zitiert. Dieses kann komplett von Schülerinnen und Schülern im Homeoffice, in Freiarbeitszeiten oder zum Wiederholen bearbeitet werden. Der Lehrer oder die Lehrerin moderieren dann vornehmlich das Lerngeschehen. Die Lernplattform terminiert die Abgabe der Aufgaben und ermöglicht ein anschließendes Feedback durch den Lehrer.
Smartboard
Natürlich bietet sich der Einsatz von digitalem Material auch im traditionellen „analogen“ Unterricht an. So eignen sich die Einführungen in ein neues Thema als Stundeneinstieg. Meine digitalen Materialien beginnen mit einem passenden Einstiegsbild zu dem neuen Biologie-Thema. Dazu können die PowerPoint-Folien (als PDF) am Smartboard genutzt werden. Die Bilder und Fotos sind exakt auf den Inhalt abgestimmt. Wenn sie für die Einstiegsphase am Smartboard groß zu sehen sind, wird die Klasse dazu motiviert, sich auf das neue Thema einzulassen und Fragen zu stellen. Vielleicht wird ein kognitiver Konflikt angeregt. Lehrer oder Lehrerin brauchen nicht lange im Internet oder anderswo nach geeigneten Einstiegsbildern zu suchen und sparen damit viel Zeit.
Auch die dazugehörigen digitalen Arbeitsblätter können wie vordem am Overheadprojektor am Smartboard präsentiert, korrigiert und gesichert werden. Digitalisierung soll Arbeit erleichtern. Daher ist es auch sinnvoll, einmal die Materialien für das jeweilige Fach für alle Fachkollegen hochzuladen.
Tablet-Klassen
In Tablet-Klassen muss der Unterricht definitiv von analogem Lernen auf digitales Lernen umgestellt werden. Tablet-Klassen sollen ja ohne papiergebundene Schulbücher auskommen. Dabei darf der bisherige Unterricht nicht eins zu eins umgestellt werden. Die digitalen Medien sollten so gestaltet sein, dass Schüler und Schülerinnen zum Selbstlernen motiviert werden. Mit Unterrichtseinheiten wie die Serie der Wirbeltiere oder der Pflanzen in meinem Programm können Schülerinnen und Schüler vollkommen digital arbeiten. Sie erhalten eine digitale Einführung mit Bildern, Texten und auch über Audio. Jeder Einzelne kann dabei mit Kopfhörern die Einführung anhören und sooft wiederholen, wie er oder sie es braucht. Auf diese Weise können Schüler und Schülerinnen aktive Lernprozesse durchlaufen. Nach einem individuellen Einstieg, einer Erarbeitungsphase oder der Vorbereitung auf kooperative Aufgaben im digitalen Format ist es opportun im Klassenverband das neue Wissen auszutauschen und gemeinsam im Klassengespräch zu vertiefen. In einer solchen Kombination wird Wissen pointiert, zusammengefasst und bewertet. Anschließend bearbeiten die Schüler und Schülerinnen zu Hause digitale Arbeitsblätter und kreative Aufgaben weiter am Tablet.
Freiarbeit
Immer häufiger richten Schulen Zeitfenster für Freiarbeit ein. In diesen Lernphasen erhalten Schüler und Schülerinnen Aufgaben zum Selbstlernen. Mal sind es kreative, mal Recherche-Aufgaben, mal Projektarbeit, mal Abarbeiten von Arbeitsblättern und auch individualisiertes Üben. In solchen Freiarbeitsphasen lohnt sich die Umstellung auf digitale Medien ganz besonders. Die Lehrkräfte konzentrieren sich dann auf die Unterstützung Einzelner. Wichtig für solche Freiarbeitszeiten erscheint mir, dass das digitale Material didaktisch und methodisch auf Lerngruppe, Alter und Klassenstufe abgestimmt ist. Damit kann verhindert werden, dass die Lernenden nur im Internet surfen und in zu schwierigen oder zu leichten Inhalten oder gar fachfremden hängen bleiben. Um nicht in Monotonie zu verfallen, sollten die digitalen Lernpakete vielfältig aussehen: Nachschlagewerke, digitale Landkarten, digitale Wörterbücher, Erklär-Videos, interaktive Übungsseiten, Online-Experimente oder für produktives Lernen Podcasts, Filmisches, digitales Storytelling, Blogging und mehr.
Lehrer oder Lehrerinnen sollten digitale Medien Stück für Stück ausprobieren und, wenn diese sich als geeignet erweisen, sollten sie eingesetzt werden, um Lernprozesse effektiv zu unterstützen. Es darf gern eine enge Verzahnung von digital und analog geben. Ich kann mir jedenfalls Unterrichten ohne Ausprobieren und ohne Brennen für Neues nicht mehr vorstellen! Dass wir noch lange nicht am Ende der Digitalisierung sind, spielt dabei keine Rolle, Hauptsache, wir verlieren den Blick für gelingende Lernprozesse nicht aus den Augen.
Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.