"Du bist ja krank, bitte bleib doch daheim und werd' gesund."
"Schau auf dich, und komm' erst wieder in die Schule, wenn du wirklich fit bist."
"Bleib Zuhause, dir geht's doch noch nicht gut."
- Ich (Klassenlehrerin) zu meinen KollegInnen, wenn sie sich nicht besonders fühlen.
"Nein, es geht schon. Ist doch nur Halsweh."
"Ach, mit Kopfweh und Schnupfen kann ich doch in die Schule gehen."
"Kinder, heute bitte etwas leiser und ruhiger, denn mir geht's nicht so besonders."
"Der Arzt meinte, ich soll ein paar Tage Zuhause bleiben. Doch ein Tag reicht, dann kann ich doch locker wieder unterrichten."
"Wenn ich nicht den ganzen Tag schlafe und kaum aufstehen kann, habe ich ein schlechtes Gewissen nicht in der Klasse zu stehen."
- Auch ich, wenn ich mich nicht besonders fühle.
Wer hat sich beim Lesen selbst erkannt? ;)
Aus Erfahrung mit anderen KollegInnen und Lehrer-FreundInnen weiß ich, dass die meisten von uns in die Schule gehen, obwohl die bessere Option eindeutig Zuhausebleiben wäre. Warum das so ist?
Für mich ist es ganz einfach. Ich fühle mich für meine Klasse und die einzelnen Kinder verantwortlich und fühle mich deshalb verpflichtet, ihnen täglich einen perfekten Unterricht zu bieten, für sie da zu sein, ihre Entwicklung mitzuverfolgen und mich um sie zu kümmern. Manchmal ist es sogar so, dass ich meine mit Mühe geplanten Vorbereitung einfach selbst mit den Kindern durchführen möchte und sehen möchte, wie die Kinder lernen, sich begeistern, aber auch um zu sehen, dass manche Stunden einfach nicht wie geplant ablaufen und die Vorbereitung einfach nicht gepasst hat. Es steckt einfach viel Arbeit und auch Gefühl hinter den ganzen Unterrichtsstunden.
Das Schreiben von Supplier-Plänen und das Zuhause-Sitzen und Stunde für Stunde zu überlegen, was die Kinder wohl gerade machen, liegt mir nicht. Das macht mich nervöser und unruhiger, als ich mich erholen und gesund werden kann. Es liegt wahrscheinlich den Wenigsten.
Jedoch muss ich mich da auch selbst an der Nase nehmen und einfach Zuhause bleiben. Wir dürfen nicht vergessen, dass unser Beruf ein Beruf wie jeder andere es, wenn es darum geht, sich ein paar Tage krank melden zu können und trotzdem das Gehalt weiter zu beziehen. Gesundheit geht vor, in allen Lebenslagen. Ohne Stimme, mit Halsschmerzen und Kopfweh ist es soundso sinnlos, sich einer Horde Kinder zu stellen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein guter Unterricht sehr abhängig ist von der Stimmungslage der Lehrpersonen. An "guten" Tagen merke ich oft, dass ich selbst so gut gelaunt und energiegeladen bin, dass die Schulstunden zu wahren Vorzeigestunden werden. An Tagen, an welchen ich schlecht gelaunt oder mit Schmerzen in der Klasse stehe, will es einfach so gar nicht gut laufen.
Also, bitte liebe KollegInnen, schaut auf eure Gesundheit und geht nur arbeiten, wenn es euch auch wirklich gut geht. Ihr wisst selbst am besten, wie es euch geht, und kennt euren Körper& Geist so gut, dass ihr auch darauf achten solltet, euch gut zu behandeln.
Alles Liebe und bleibt gesund,
<3
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