Über den Sinn oder Unsinn von Hausaufgaben mag es die unterschiedlichsten Auffassungen und Meinungen geben.
Fakt ist, dass es gerade in der Hauptschule bzw. lernschwächeren Schülern häufig schwerfällt, sich zuhause am Nachmittag alleine noch einmal zu motivieren, etwas für die Schule zu tun. Sei es nun das leidige Vokabellernen oder das Fertigstellen der nicht geschafften Arbeitsblätter oder noch viel schlimmer der komplette Deutschaufsatz! Nervig für die Schüler am Nachmittag, frustrierend für beide Seiten, wenn die Lehrkraft in der nächsten Stunde auf die Hausaufgaben zu sprechen kommt oder noch viel schlimmer: mit den Ergebnissen weiterarbeiten möchte.
Ebenso auf Schülerseite: Die Angst, es nicht geschafft zu haben bzw. es vielleicht noch nicht einmal probiert zu haben... Vielleicht wandelt sich die Sorge wegen eines möglichen Rüffels oder einer schlechten Bewertung oder eines "Strichs" oder oder oder auch in Wut, die sich dann als direkte Unterrichtsstörung niederschlägt. Vieles ist möglich, alles schon einmal erlebt? Können Hausaufgaben also überhaupt etwas anderes außer Frust verursachen?
Was wäre, wenn...
... die Schüler am Ende der Woche sogar alle Hausaufgaben mit Erfolg erledigt haben und mit einem guten Gefühl voll Stolz und Zufriedenheit im Bauch ins wohlverdiente Wochenende starten? Geht es vielleicht sogar als erfolgreiche Einzelleistung durch, für die ein*e Schüler*in Lob absahnen kann?
Ich arbeite seit vielen Jahren im Hauptschulzweig unserer Schule und muss zugeben, dass ich es mehr als gerne tue!
Zu Beginn meiner Arbeit direkt nach dem Referendariat habe ich nach einigen wenig geglückten Versuchen zunächst auf Hausaufgaben verzichtet mit dem Gedanken, dass sie ohnehin nicht erledigt werden und war einfach froh, dass zumindest die Vormittage recht erfolgreich für die Schüler*innen und mich verliefen. Nach einiger Zeit fragten mich allerdings die Schüler*innen, warum sie eigentlich nie Hausaufgaben aufbekämen und ob ich sie zu dumm dafür halten würde. Das machte mich im ersten Moment sprachlos, da ich mir absolut sicher war, sie würden diese Situation genießen... Dem war aber ganz und gar nicht so! Sie fanden und finden noch heute, dass Hausaufgaben zum Schultag dazugehören. Sie dann wirklich zu erledigen, stand für sie auf einem anderen Blatt...
So kam es, dass wir gemeinsam überlegten, was eine Hausaufgabe ausmacht, wie sie gelingen kann und was es manchmal so schwierig macht, sie zu bewältigen. Dieser Austausch war sehr interessant und überraschend. Ich habe diesen Diskurs seither mit jeder weiteren Klasse geführt und festgestellt, dass sich die Wünsche und Sorgen der Schüler*innen doch sehr ähneln.
Sie möchten nicht über- und auch nicht unterfordert werden. Sie möchten das Gefühl haben, fleißig gewesen zu sein. Sie möchten, dass ihr Ergebnis beachtet und geschätzt wird. Sie möchten das Gefühl haben, dass es sie Anstrengung gekostet hat, aber sie alles alleine bewältigen konnten.
Dieser Grad ist sehr schmal. In meinem Fach Deutsch sind wir gestartet und so habe ich im Laufe der Zeit Wochenpläne entwickelt. Diese Pläne können thematisch mit dem aktuellen Unterrichtsgeschehen verknüpft werden, manchmal tut es aber auch gut, etwas völlig anderes zu integrieren. Die Schüler*innen erhalten den Plan zu Beginn der Woche und wir besprechen ihn in aller Kürze. Meist reichen dafür 5 Minuten, da die Schüler*innen natürlich mittlerweile das Prozedere kennen und die Pläne montags bereits einfordern.
Der Plan enthält Aufgaben für die ganze Woche in Tabellenform, in dieser tragen die Schüler*innen dann den entsprechenden Wochentag ein, an welchem die jeweilige Aufgabe zu erledigen ist. Ebenfalls enthalten ist der Tag der Abgabe. Die Schüler*innen nutzen für den Wochenplan ein eigenes Heft, sodass die Lehrkraft am Ende der Woche die Hefte einsammeln kann, ohne dass der reguläre Unterrichtsstoff davon betroffen wäre.
Bewährt hat sich ein kurzer Text mit etwa 100 Wörtern. Die wichtigste Aufgabe ist es, den Text sauber und ordentlich abzuschreiben. Dies klingt völlig banal, ist aber für fast alle meine Schüler*innen auch schon eine immense Herausforderung. Ich unterrichte viele Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, die so auch konsequent ihren Wortschatz erweitern. Diese Aufgabe ist für alle Schüler*innen schaffbar und ich finde es erstaunlich zu sehen, dass sie sich Woche für Woche Mühe geben, ein ordentliches Ergebnis zu fabrizieren. Die regulären Hefte sprechen da manchmal eine andere Sprache... (Rand, was ist das? Überschrift und Datum, brauch ich nicht. Vollständige Sätze find ich doof...).
Die weiteren kleinen Aufgaben im Plan beziehen sich meist auf die Arbeit an dem zuvor abgeschriebenen Text. Alle Aufgaben sind so konzipiert, dass vieles reproktiv erscheint. Außerdem beinhaltet der Plan immer Aufgaben, die von allen Schüler*innen bearbeitet werden sollen und Profi- oder Sternaufgaben, die freiwillig sind. Und auch hier hat sich gezeigt, dass die Schüler*innen diese Mehrarbeit oft nicht scheuen, sondern sich über das Extralob freuen, wenn sie mehr gemacht haben als sie müssten. Für viele Schüler*innen ein völlig unbekanntes und neues Gefühl.
Wenn sich der Achtklässler dann also über die (kleine) Fleiß-Eins in Deutsch mit roten Bäckchen freut, nur um dann wieder cool zu seinem Platz zurückzuschlurfen, kann ich zufrieden in die neue Woche starten! Und er oder sie natürlich auch ;-)
Die Feedback-Situation hat ebenfalls einen festen Platz in unserem Stundenalltag. Alle Schüler*innen erhalten am selben Tag ihre Hefte zurück. Ich korrigiere nicht, aber hake in grün ab, was geschafft wurde. Die Korrektur erledigen die Schüler*innen selbst. Hierfür gibt es auch wieder unterschiedliche Methoden, die wir nutzen (wäre ein eigener Post...).
Die Schüler*innen genießen den Moment, wenn sie ihr Heft zurückbekommen, wenn ich ihnen noch ein, zwei auf sie zugeschnittene Sätze mit auf den Weg gebe und sie so in die neue Woche starten...
Probiert es einfach mal aus und freut euch über das ERGEBNIS!
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