"So oder so, sie können stolz auf sich sein, dass sie sich das getraut haben. Das nimmt ihnen keiner mehr". Das meinte meine Fachleiterin nach meinem letzten Unterrichtsbesuch auf Distanz zu mir. Und was soll ich sagen, sie hat absolut Recht. Und ich glaube, das sollten allen LehramtanwärterInnen sagen.
Ich selbst habe das letzte Jahr als Vertretungslehrerin gearbeitet und bin seit November im Referendariat. Das System Schule kenne ich so richtig also nur mit Abstand und Maske. Und so gehts vielen von uns. Wir wachsen mit Herausforderungen als Lehrkräfte heran, die zuvor nie dagesessen sind. Als ich meine ersten Stunde alleine in der Klasse stand, habe ich damals alles als neu und aufregend erlebt. Jetzt kommt noch dazu, dass selbst gefestigte Strukturen wie der Stundenplan oder die Sitzordnung plötzlich nicht mehr gegeben sind. Das heißt noch viel mehr neues. Aber das ist keineswegs schlecht, sondern eine Chance.
Meinen letzten Unterrichtsbesuch habe ich im Fach Deutsch auf Distanz gezeigt - eine Videokonferenz mit über 20 ErstklässlerInnen. Es hat wahnsinnig toll geklappt und auch die Fachleitung war begeistert. Man muss sich eben trauen. Ich konnte so viele Sachen einbauen, die wir sonst auch im Präsenzunterricht gehabt hätten: Reihentransparanz, Fahrplan, Bewegungspause, TimeTimer etc. Das gibt den Kindern Halt und hilft dir den Unterricht zu strukturieren. Dann noch ein paar Filmchen und zack fertige ist der Unterrichtsbesuch. Scheue dich nicht davor neue Dinge auszuprobieren. Und der Vorteil beim Distanzlernen ist auch, dass die Kids nicht einfach reinrufen können ;-)
Momentan plane ich meinen nächsten Unterrichtsbesuch im Fach Mathematik. Ich plane die Reihe genau so, wie ich sie unter normalen Umständen halten würde. Anschließend überlege ich mir, was geändert werden müsste, falls die Klasse aufgeteilt wird. Sollte noch weiterhin Distanzlernen sein, so stelle ich meine Stunde theoretisch vor. Ich bin zwar kein Fan davon, weil man als LAA wenig lernt, aber dann ist das wenigstens abgehakt.
Und man darf nicht vergessen, dass wir momentan bei unseren Unterrichtsbesuchen so viel mehr beachten müssen, als all die anderen LAAs vor uns. Wir sind flexibler, offener, mutiger und zuversichtlicher. Doch das sagt uns leider niemand. Ich habe mir deswegen einen Corona-Topf gebastelt: Ein kleiner Blumentopf, in den alle tollen Erlebnisse in der Schule während des Lockdowns wandern. An schlechten Tagen schaue ich mir den einmal an und ich kann sagen - es ist wunderbar.

Symbolbild: Unterrichtsbesuche auf Distanz. Als die Mentorin in Quarantäne war musste improvisiert werden
CHECKLISTE für das Referendariat während des Lockdowns
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