Was für eine Zeit! Schülerinnen und Schüler sitzen zu Hause und müssen allein lernen. Wie soll das gehen? Warum sollten sie schwierige Hürden beim Verstehen neuer Inhalte nehmen, wenn das Computerspiel nebenan viel einfacher zu handeln ist und man gleich ins nächste Level kommt. Homeschooling ist nicht Klassenunterricht! Also, was sind die wichtigsten Bedingungen, damit Homeschooling gelingt?
Schöne Bilder, Lustiges, Interessantes
Dass Lernmaterial ansprechend gestaltet sein muss, versteht sich von selbst. Also sollte mal ein überraschender Effekt in das Lernmaterial eingebaut werden oder überwältigende Bilder oder etwas Lustiges. Man muss ja bedenken, dass eine Schülerin /ein Schüler jede Menge Ablenkung zu Hause hat. Er muss also deutlicher als im Klassenraum zum Lernen motiviert werden.
Stimme und Ansprache
Sehr wichtig ist die direkte Ansprache. Gerade jüngere Schülerinnen und Schüler brauchen das dringend. Sie simuliert sozial Präsenz. Deshalb habe ich meine Homeschooling-Materialien auch durchgehend mit Stimme gestaltet. Die Stimme führt sie/ihn durch die Lerneinheit, motiviert zum Weitermachen, fordert zur Bearbeitung von Arbeitsblättern und zum Weiterlernen auf.
Eine ganz wichtige Funktion der Stimme ist das Pointieren und das Hervorheben der neuen Zusammenhänge. Das erleichtert dem Schüler / der Schülerin Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
Die Stimme stellt gleichzeitig eine Binnendifferenzierung dar. Wer Schwierigkeiten mit Textverständnis bei so viel Neuem hat, kann sich alles anhören. Wer lieber ohne Stimme lernt, schaltet sie aus und arbeitet sich allein durch den Lernstoff. Selbst bei Oberstufenschülern habe ich das Bedürfnis nach Erklärungen vom Lehrer deutlich wahrgenommen. Als ich meine PowerPoint-Folien per Videokonferenz vorgetragen und ihnen die Folien zukommen lassen habe, baten sie mich eindringlich, dass sie auch noch meine gesprochenen Worte erhielten. Ob ich ihnen die nicht noch schicken könnte. Auch und gerade die sehr guten Schülerinnen und Schüler wollten diese erklärenden Worte.
Einfache Arbeitsaufträge und Experimente
Ich denke, dass die Arbeitsaufträge im Homeschooling etwas einfacher ausfallen sollten als im Klassenraum. Es fehlt ja schließlich der Austausch mit den Mitschülern sowie das Nachfragen. Einfachheit und vor allem Klarheit sorgen dafür, dass die Überwindung die Aufgaben überhaupt anzugehen nicht ins Unermessliche steigt, sondern die Lernenden eine reelle Chance haben sie zu bewältigen. Man muss auch nicht auf handlungsorientierte Aufgaben verzichten. So können die für die Naturwissenschaften so wichtigen Experimentieraufträge gern gestellt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass sie mit einfachen Haushaltsmaterialien durchgeführt werden können und von ihnen keine Gefahren ausgehen! Das Experimentieren fördert ja die curricular festgeschriebenen naturwissenschaftlichen Kompetenzen.
Offene Aufgabenstellungen
Offene Aufgabenstellungen, die eine längere Bearbeitungszeit beanspruchen, eignen sich besonders gut für Homeschooling. Das können Rechercheaufgaben sein oder Präsentationen, die vorbereitet werden müssen. In der Biologie bieten sich zum Beispiel Tier-Steckbriefe oder das Anlegen von Sammlungen in der Botanik oder Langzeitbeobachtungen an. Auch Projektarbeit kann im Homeschooling sehr gut vorbereitet werden, ebenso LdL (Lernen durch Lehren) Vorbereitungen. Beides sind willkommene Methoden Homeschooling sinnvoll zu füllen.
Vorsicht vor der Falle Internet
Achtung bei der Benutzung des Internets zum Recherchieren. Ich habe für die Biologie feststellen müssen, dass in fast allen biologischen Erklär-Videos fachliche Fehler enthalten sind. Also, ich empfehle gerade bei jüngeren Schülern ganz gezielt Internet-Adressen anzugeben, die man selbst kennt und schätzt. Ich denke da an die Klassenstufen 5 – 8. Klar, dass diese Altersgruppe nicht zwischen wichtig und unwichtig und zwischen richtig und falsch bei der Flut an Informationen unterscheiden kann. Daher halte ich eine gute Führung durch die Aufgabenstellungen und Kenntnis über die anzuwählenden Internetseiten für sehr wichtig.
Selbstkontrolle
Am Ende eines selbst erarbeiteten Kapitels sollten die selbst organisierten Lerner eine Lernkontrolle durchführen können, denn die Selbsteinschätzung des eigenen Wissens ist für SOL (Selbstorganisiertes Lernen) eine wichtige didaktische Komponente. Sie müssen wissen, wo sie fachlich stehen, bevor sie ihr Wissen in einer Klassenarbeit anwenden müssen. Aus diesem Grund enthalten meine Lerneinheiten am Ende immer eine Selbstkontrolle.
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