Lesespiel - Von der Idee zur Umsetzung

Das verrückte Jahr geht zu Ende, die Weihnachtsferien geben mir etwas Zeit sich auszuruhen. Vor allem von den ganzen weniger durchdachten und ständig wechselnden Regeln und Vorschriften. Auch finde ich langsam mehr Zeit für eine meiner Lieblingsbeschäftigungen – Materialerstellung. Für den einen kann es verrückt klingen, aber es macht wirklich Spaß die ganzen Phasen von der Idee um Mitternacht durch die Konzepte auf dem Papier beim Essen und schließlich das vielfache Drucken und Verändern der Vorlagen, bis mich das Resultat zufriedenstellt.

Es sind nicht mehr so viele Tage und ich werde wieder vor meinen Kindern stehen und in die erwartenden Gesichter schauen. Um den Einstieg in das Lernen nach längerer Ferienzeit einfacher und interessanter zu machen, beginne ich mit einem der Lieblingsspiele der Kinder „Ich habe… Wer hat…?“.

Ich habe mehrere Varianten der Karten von Lehrermarkplatz bereits im Einsatz aber für eine Überraschung muss was Neues her ?.

Idee

Als Thema habe ich mich - ohne lange zu überlegen - für „Winter“ entschieden. Die Wörter treffen die Kinder aktuell im Alltag und können diese den Begriffen zuordnen, ohne länger zu überlegen, was den Fluss des Spiels bei einer Runde „kurvig“ macht. Meine Klasse hat 26 Kinder, aber durch die Team-Bildungs-Vorschriften und Zusammenlegung bei vielen fehlenden Kindern, sind es auch mal 15 Kinder für eine Längere Zeit. Auch Teams aus 30 Kindern sind „beliebte“ Größen. Aus diesem Grund schwankte ich hin und her, was die Anzahl der Karten angeht. Sind es zu wenige, müssen mehrere Runden gespielt werden, um alle Kinder abzuholen. Zu viele sind weniger problematisch, mehrere Kinder bekommen zwei Karten oder die paar Übrigen behält die Lehrkraft, meine Wenigkeit ?. Letztendlich habe ich mich für 30 Karten entschieden. Es ist mehr als üblich und deckt die Ausnahmefälle ab.

Jetzt geht’s ans Grübeln. Welche Wörter sind interessant, welche mittlerweile langweilig und welche könnten für Kinder neu sein, um einen kurzen „Aha“-Effekt zu haben. Stehen die Wörter, geht die Suche nach passenden Abbildungen los. Zum Glück gibt es so großartige Illustratoren wie Kate Hadfield, die sich auf Grundschulbilder spezialisiert haben.

Umsetzung (digital)

Da es sich bei meinem Karten-Projekt um das Thema „Winter“ dreht, gestalte ich das Layout „kalt“. Auch fließen hier die Anregungen und nebenbei unbewusst abgegebene Kritikpunkte der Kinder mit ein.

Eine Rückseite sollten die Karten auch bekommen. Ich lasse es mir aber frei ob ich die Karten mit oder ohne Rückseite drucken kann.

Das Grübeln ist fertig, jetzt geht es an die monotone Arbeit. Copy & Paste wäre hier zu schön gewesen. Doch jede Karte wird einzeln angefasst und nachjustiert. Mal ist es die Bildgröße, mal die Wortlänge. Doch am Ende ist das Ergebnis stimmig.

Umsetzung (physisch)

Da ich vorhabe die Karten mit einer Rückseite zu versehen, erstelle ich eine Hilfsschablone. Diese drucke und justiere ich solange neu, bis das Ergebnis bei doppelseitigem Druck deckend ist. Mit unterschiedlichen Druckeinstellungen kam ich ins Verzweifeln und habe letztendlich alles auf „Auto“ eingestellt.

Durchsicht ob die Vor- und Rückseite deckend sind.

TIPP

Möchtest du die gleiche Seite mehrere Male drucken (z.B.: doppelseitig), so kann man die Zahl der Seite mit einem Komma zwei oder mehrere Male eingeben.

Die Position stimmt jetzt und ich mache ein paar Testdrucke der Kartenseiten mit den Rückseiten auf unterschiedlichem Papier. Papier unter 100 g/m² empfehle ich gewiss nicht. Ab 160 g/m² wird das Ergebnis gut. Ab 200 g/m² beginnt die „nice to have“ Grenze ?. Aber auch nicht jeder Drucker mach da noch mit.

Vergleich zwischen durchschnittlichem und rein weißem Papier. (Das rein weiße ist rechts)

Testweise eine Seite Karten auf 240 g/m² Papier gedruckt. Ein Foto, um den Dickenunterschied zu zeigen. Haptisch sind diese massiver.

Ich habe die Karten auf einem 160g/m² Papier gedruckt.

TIPP

Möchtest du die Karten mit einer Rückseite haben, so gebe im Druckdialog die Seiten händisch folgend an [Kartenseite1],[Rückseite],[Kartenseite2],[Rückseite],[Kartenseite3]… und so weiter. Bei mir sieht es im Druckdialog vor dem „Abfeuern“ so aus.

Nach eigener Erfahrung kann ich sagen, dass 160 g/m² Papier als dickes Papier nicht immer automatisch erkannt wird und manuelle Einstellung immer sicherer ist.

Die Seiten sind mit einer Anweisung gedruckt und sehen sehr gut aus.

Einlaminiert wurden die gedruckten Seiten in glänzende Folien. Mehrere meiner Kollegen schwören auf matte Folien für alle Materialien, da gehe ich nicht mit. Tafelmaterial gehört in die matten Folien laminiert, da gehe ich mit ?. Alles andere, was die Kinder vor die Nase halten können, kann auch glänzend bleiben.

Jetzt geht‘s ans Schneiden. Ich werde die Karten gewiss nicht mit der Schere ausschneiden. Ist ein Schneidegerät gerade nicht zur Hand, tun es auch ein Schneidelineal und ein neu abgebrochenes Cuttermesser.

Vor dem Schneiden klebe ich die Seite an der Schneidematte fest und schneide von der geklebten Seite weg. So kann mir nichts verrutschen und ich bekomme Karten in exakt gleicher Größe raus. Die Schneidemarken zeigen mir, wo ich die Klinge anlegen soll.

Jetzt kann man das Ergebnis seiner Arbeit pflücken ?.

Den letzten Schliff geben

Der Stapel ist gut geworden, es fehlt noch der letzte Schliff, was ich allen meinen Materialien verpasse und nicht mehr anders haben möchte. Scharfe und picklige Ecken müssen weg!

Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, obwohl mir noch ein paar Punkte aufgefallen sind, die ich verbessern kann. Das werde ich dann für weitere Karten berücksichtigen, wenn ich welche für andere Jahreszeiten oder spezielle Themen mache.

Zur Aufbewahrung nutze ich die Vielzweckklammen, praktisch, schnell, seriös.

< 15.01.2021 Update >

Die Idee mit der Ausrichtungsschablone für den Druck mit Rückseite hat zwar etwas Aufwand gekostet aber funktioniert. Um auch diesen Aufwand zu terminieren wurde die Kartenrückseite etwas abgeändert.

Im gleichen Zuge habe ich überlegt, wie die kleinen Ausschneidefehler „bekämpft“ werden können.  Es ist immer ärgerlich, wenn ein weißer Streifen am Rand bleibt. Und tatsächlich braucht man das Rad nicht neu zu erfinden. Für Druckmedien wird schon lange(immer?) ein sogenannter „Ausschnitt“ definiert. Also habe ich das jetzt für die Winterkarten nachgeholt. Ja, richtig gesehen :D Auf Wunsch einer Freundin, wird das Spiel auf Russisch übersetzt. Ob ich diese Vorlage auch veröffentliche, steht noch offen.

Inzwischen habe ich das Lesespiel auch für den Frühling fertig gestaltet und das ist super geworden.

Aktuell arbeite ich an einer Version, wo die Abbildungen ohne Wörter stehen. Auch entwerfe ich eine Karte, welche den gesamten Spielablauf abgebildet.

< 15.01.2021 Update Ende >

Falls du die Karten auch einsetzen möchtest, habe ich die Vorlagen hier und hier veröffentlicht.



Tags: Lesespiel, Ich habe... Wer hat...?

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Kommentare und Fragen von anderen Nutzern
schwantasie
14. April 2021
Dein Material ist wirklich super! Vielen Dank! Welches Programm benutzt du? Viele Grüße
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