Rückblick auf das Referendariat – ein halbes Jahr Lehrerin

Hallo ihr Lieben,

auf Instagram hattet ihr euch gewünscht, dass ich nach einem halben Jahr Lehrertätigkeit einen Rückblick auf mein Referendariat sowie die ersten Monate als Volllehrer werfe.

So viel sei schon einmal vorab gesagt: Die Zeit des Referendariats war eine Enttäuschung, die sich gut verkleidet hatte!


Im Sommer 2018 habe ich mein Referendariat an einem Gymnasium begonnen (Bundesland lasse ich hier einmal aus). 45 Minuten Autofahrt und viele LKW-Überholmanöver trennten mein damaliges Zuhause von der Schule. Frühes Aufstehen stand somit an der Tagesordnung – für einen Frühaufsteher wie mich ist das eigentlich kein Problem.

Jedenfalls wurde ich in der Schule herzlich aufgenommen. Bereits vorab teilte man mir die Namen meiner Mentoren und deren Kontakt mit. Motiviert schrieb ich in den Sommerferien meine ersten Mails an die Betreuer. Eine Antwort erhielt ich nicht. Dafür hatte ich jedoch Verständnis: Schließlich waren Ferien.

Der erste Tag begann sogleich mit einer Lehrerkonferenz von sechs Stunden. Danach ging es in die Fachkonferenzen – das ging dann auch am nächsten Tag weiter.

Endlich konnte ich meine Betreuer kennenlernen. Ich war aufgeregt, das kann ich euch sagen. Die Begrüßung mit meiner Englischmentorin war recht kühl und distanziert. In Geschichte bekam ich eine junge Mentorin mit viel Energie und Selbstbewusstsein. Wir alle zusammen entschlossen uns, nach der Lehrerkonferenz noch ein kurzes Gespräch zu führen, um uns näher kennenzulernen und um herauszufinden, wie es jetzt weitergehen soll. Dabei blieb es an dem Tag auch und ich ging zufrieden, aber müde nach Hause.

In der ersten Woche waren wir zunächst vier Tage im Seminar, um dort unsere Mitreferendare zu treffen und erste Gedanken auszutauschen. Neben einem Hauptseminar hatte ich noch ein Fachseminar in Englisch und eines in Geschichte. Alle Seminare waren mit einer anderen Betreuung. In der ersten Woche fand aber lediglich das Hauptseminar statt, wo es erste Informationen gab. Hauptsächlich wurden aber sinnlose Kennenlernspiele gespielt – entschuldigt meine Wortwahl, aber genauso war es nun mal.

Auf die Frage, wann wir lernen würden, wir man einen Unterrichtsentwurf schreibt und den Stundenverlaufsplan erstellt, wurden wir freundlich abgewiesen, da dafür noch genügend Zeit wäre. Damit gaben wir uns auch erstmal zufrieden.

Mein erster Schultag mit Schülern war gut. Die Klassen waren neugierig und freundlich. Oft hörte ich Sätze wie: "Endlich eine junge Lehrerin", etc. Eine Woche lang saß ich hinten im Unterricht und sollte hospitieren. Danach begannen dann schon meine ersten Unterrichtsstunden im Fach Englisch in einer 7. Klasse (diese wurde bis zum Ende des Refs auch meine liebste Klasse). Meine Englischmentorin saß hinten drin und schrieb fleißig mit – ihr Anmerkungszettel war stets sehr ausführlich. In den Auswertungen nach der Stunde prasselte es dann auf mich ein: "Alles falsch", dachte ich! Zu diesem Zeitpunkt hielt ich das aber für normal. Immerhin bin ich frisch von der Uni gekommen und nun ein Lehrling mit wenig Praxiserfahrung. Somit war das für mich vollkommen ok. Ich persönlich war allerdings mit meinen Stunden (selbst für den Anfang) recht zufrieden.

In den folgenden Wochen und Gesprächen mit meiner Englischmentorin durfte ich dann relativ schnell feststellen, dass sie eine Perfektionistin ist. Ihren Ansprüchen zu genügen, war demnach nur schwer möglich. Zudem konnte ich mir regelmäßig Sprüche anhören wie: "Ich weiß ja nicht, wie sie machen/planen", "Sie müssen..." und "Sie sind ja Referendar, Sie haben ja Zeit, machen Sie doch mal das und das. Ihre Freizeit ist ja groß" etc. Dass ich aber jeden Tag mindestens 1,5 Stunden im Auto saß, schien sie zu vergessen. Die Unterrichtsentwürfe schrieben sich auch nicht von allein und ich denke, jeder von euch kennt das: Am Anfang des Referendariats arbeitet man langsamer. Das Gefühl, die Stunden gut zu planen, ist noch nicht sicher ausgebildet, sodass man teilweise das doppelte an Zeit braucht. Zudem kommt man mit den Idealen von der Uni, will so viel wie möglich ausprobieren, doch dafür fehlt häufig die Zeit oder ist ist in der Realität einfach nicht umsetzbar.

Mit der Zeit hatte ich mich an den Perfektionismus meiner Mentorin gewöhnt und dachte mir, dass ich mit genügend Vorausplanung ihren Ansprüchen genügend würde. Ich habe ihr also mein Konzept für die kommenden Wochen vorgestellt, doch sie war wieder einen Schritt weiter und kam gleich mit den nächsten Forderungen und Anmerkungen, worauf zu achten sei. So zog sich das über das ganze Referendariat. Es schien als sei meine Arbeit nie gut genug.

Allerdings ließ sei mich schon ab dem vierten Monat meiner Tätigkeit an der Schule allein mit der Klasse. Zunehmend nahm sie sich auch zurück und ließ mich machen. Es war also mehr ein Learning by Doing, aber das war ok für mich. So konnte ich die meisten Erfahrungen sammeln. Ihre Beurteilung am Ende sowie die Note fielen dann wider Erwarten sehr gut aus. Sie konnte, obwohl wir beide abweichende Ideen vom Unterrichten hatten und auch privat auf keinen grünen Zweig kamen, eine neutrale Bewertungsposition einnehmen. Das hat mich dann doch überrascht. Nach meiner Prüfung hatte sie mir dann auch das Du angeboten. Allerdings war das für mich äußerst befremdlich – und für sie ebenso. An meinem letzten Schultag siezte sie mich dann auch wieder. Damit war alles zu unserer Beziehung gesagt: Distanziert – ohne Chance auf Besserung. Aber hey, kein Problem.

In Geschichte war meine Mentorin von Anfang an persönlicher. Ich war ihre erste Referendarin und sie wollte mir viel mitgeben. Ihr Unterricht, in welchem ich die ersten viereinhalb Monate hospitierte, war auch gut. Methodisch durchdacht und inspirierend – sie kam während der Stunde oft zu mir und erklärte mir, warum sie jetzt wie vorging. 

Mit meinen ersten Stunden war sie nicht unzufrieden, hatte aber natürlich einiges Anzumerken. Mir war klar: Wer sein eigenes Handwerk so gut versteht, der möchte natürlich so viele Tipps wie möglich geben. Zudem unterrichtet ich ihren ersten Erweiterungskurs in Geschichte, den sie mit mir zusammen zum Abitur führen sollte. Da ist es vollkommen verständlich, dass die da ein besonderes Augenmerk drauf hat. Ich nahm ihre Tipps mit und versuchte, sie so gut wie möglich umzusetzen. Ich wurde zunehmend besser, doch auch ihren Ansprüchen konnte ich nie ganz genügen. Aber ich denke, das ist normal, weil ja jeder immer den eigenen Unterricht im Kopf hat und sich auf das Andere einlassen muss.

Persönlich war das Verhältnis zu meiner Geschichtsmentorin gut. Sie war aufgeschlossen und interessiert und auch für Späße offen. 

Nach einer Weile bat sie mich öfter um kleine Gefallen: Ich sollte mal schnell ein paar Kopien für sie ziehen oder ihr ein paar Minuten von meinen Sunden schenken, damit sie Organisatorisches klären konnte oder mit ihr Stunden tauschen sowie ihre Stunden beaufsichtigen. Das war alles kein Problem für mich: Unter Kollegen macht man das doch. Als ich dann aber darum bat, mal an einem Tag eine Stunde mit einem anderen Tag mit ihr zu tauschen, bekam ich nur die zickige Antwort: "Ja, wenn es denn sein muss!" Da war ich schon ein wenig perplex.

Als dann das letzte halbe Jahr des Referendariat anbrach, wurde es zur Hölle. Ich startete meinen Geschichtsunterricht in Klasse 12 und musste, weil das Schuljahr recht kurz angesetzt war, ein Thema verkürzt darlegen. Dabei kam es zu einem Missverständnis von mir und meiner Mentorin. Anstatt sie aber sagt: "Moment, da ist etwas schief gelaufen", kam: "Ich bin stinkig. Sag' mir mal, was für dich der schlechteste Geschichtsunterricht aller Zeiten ist. Ich will ja nicht sagen, dass die Stunde schlecht war, aber sag' mal." Das war mir klar, dass sie es scheiße fand, aber auch nicht den Mut hatte, es mir zu sagen. Dass das ganze auf einem Missverständnis beruhte, schien sie außer Acht zu lassen.

Die kommenden Wochen wurden nicht leichter, aber das Verhältnis glättete sich wieder. Ich blieb stets freundlich, aber hielt etwas mehr Distanz. Weiterhin erledigte ich Aufgaben für sie – vor allem, was das Klassenmanagement betraf. So fertigte ich Statistiken für ihre Klasse und deren Leistung an, betreute Facharbeiten und arbeitete eine ganze Projektwoche aus. Mit letzterer waren die Fachkollegen zunächst nicht zufrieden. Ich hatte tolle innovative Ideen, welche auch den Schülern Spaß gemacht hätten. Aber das alles wurde abgeblockt mit den Worten: "Vielleicht sollten wir uns einmal davon verabschieden, dass die Projektwoche Spaß machen soll." Da fragte ich mich: "Warum dann überhaupt eine Projektwoche?" Naja, ich fügte mich dem Schicksal und erstellte das Material wunschgemäß. Ich sandte es an die Kollegen per Mail – eine Rückantwort kam nicht nochmal. Am Projekttag kam dann der Hammer: Ich konnte nicht einmal meine eigene Klasse betreuen und, gerade als ich meine Kopien für die Schüler gezogen hatte, kam meine Mentorin und meinte: "Wir haben das Material nochmal abgeändert und nehmen jetzt das!" Ich war entsetzt, da man mir das auch früher hätte sagen können. Ich behielt mein Material dennoch und, Überraschung, die Schüler kamen erstaunlich gut damit klar.

Der Hammer war dann die Beurteilung: In Geschichte sollte ich von meiner Mentorin erst eine 3,0 bekommen – ein vorheriges Gespräch mit ihr konnte sie aber noch auf eine 2,3 lenken. Der Hauptkritikpunkt war, dass ich mich zu wenig im Schulgeschehen einbringen würde. Daraufhin habe ich ihr eine lange Liste angefertigt, wo ich einzeln aufgeführt habe, was ich die letzten anderthalb Jahre gemacht habe. Vieles davon für sie. Von da an war für mich die Sache gegessen: Ich beschränkte mich nur noch auf die nötigsten Gespräche, bereitete meine Prüfung vor und nach der Prüfung durfte ich dann alleine schalten und walten. 

Während des ganzen Referendariats plagte ich mich mit Unsicherheiten bezüglich meines Lehrerdaseins. Ich war hoch unzufrieden, habe zehn Kilo zugenommen und war traurig, erschöpft und ausgebrannt. Was mich so verwunderte: Die Schüler hatten Freude an meinem Unterricht. Das gab mir auch den Mut, weiterzumachen. Sie wollte ich begeistern, sie wollte ich fit für das Leben machen. Die Schüler waren dafür sehr dankbar. Der Abschied von ihnen fiel mir dann auch besonders schwer. Noch heute stehen ihre kleinen Geschenke auf meinem Schreibtisch. Jeden Tag sehe ich sie und erfreue mich daran.

An das Kollegium denke ich ungern zurück. Generell herrschte eine äußerst zickige Stimmung – das habe ich richtig aber erst im Nachhinein erkannt. Es war gut, dass meine Zeit dort zu Ende war. 

Nun bin ich an einer Grundschule und wurde äußerst herzlich aufgenommen. Und obwohl ich aktuell noch in einer Umschulung bin, werde ich als gleichwertiges Mitglied der Mannschaft gesehen. Das Unterrichten macht mir Freude und es geht mir wieder gut. Ich blühe in meinem Beruf auf und die Kinder sind größtenteils dankbar. Ihr habt sicherlich gesehen, dass ich seit Februar hier vermehrt Materialien einstelle – da ich Freude daran habe. Endlich!

Abschließend sei noch gesagt, dass die Betreuung im Seminar schlecht war. Bis wir unseren ersten Musterentwurf bekamen, war über die Hälfte des Refs um, der Wissenszuwachs war minimal, sodass ich die Seminare als Zeitverschwendung wahrnahm. Da war ich übrigens nicht die einzige. Umso länger es dauerte, desto schlechter wurde auch die Stimmung dort. Neben dem bereits genannten gab es zudem auch noch grobe Verstöße bezüglich der Regelungen usw. Dahingehend hatten wir uns dann aber beschwert.

Durch Corona konnte ich zu meiner Umschulung bisher nur ein Seminar besuchen: Aber in diesen acht Stunden im März habe ich mehr gelernt als in 1,5 Jahren Seminar während des Referendariats.

Ich möchte euch mit dem Artikel nicht den Wunsch nehmen, Lehrer zu werden. Im Gegenteil: Am Ende lohnt es sich, aber der Weg zum Ziel ist nicht immer leicht. Manchmal hat man Glück, doch oft ist man den Ungerechtigkeiten des Lebens ausgesetzt. Lasst euch nicht entmutigen: Am Ende des Regenbogens wartet ein Topf voll Gold! Jetzt bin ich zufrieden und ausgeglichen – meinem Mann ist das auch aufgefallen. Ich bin dankbar, jetzt die "Kleinen" unterrichten zu dürfen. Ich freue mich auf viele kommende Jahre als Grundschullehrerin.



Tags: #referendariat, Referendariat, Erfahrung

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