Der Wortschatz im Englischunterricht wird in den Klassenstufen 5 - 9 bevorzugt behandelt, in Klasse 10 und spätestens in der gymnasialen Oberstufe tritt Wortschatzarbeit eher als Stiefkind auf, schließlich stehen nun hauptsächlich Texte und andere Medien und deren meist schriftliche Rezeption auf der Tagesordnung. Geht man nach den meisten Schulbüchern, werden aus thematischer Sicht nur wenige items ernsthaft eingeführt - die meisten Annotationen bleiben am Rande des Textes stehen und geraten so schnell wieder in Vergessenheit. Lediglich „how to write a …“ - Anleitungen finden den Weg in die Köpfe der SchülerInnen über sich einzuhämmernde chunks.
Dabei verlangen doch insbesondere fremdsprachlich fortgeschrittene SchülerInnen nach einer kontinuierlichen Erweiterung ihres Wortschatzes. Deshalb sollte die Lehrkraft mehrmals im Schuljahr funktional in einzelnen Stunden auf die Besonderheiten der Lexik eingehen, beispielsweise die Bedeutung von chunks oder collocations explizit thematisieren.
Ein Vocab Journal bietet sich als Nachfolger des Vokabelheftes insbesondere in der Oberstufe an, da die SchülerInnen nun mit einigen Lernstrategien bereits vertraut sind und sich daher auch außerhalb des Unterrichts selbstständig mit ihrem Wortschatz beschäftigen können.
Die Funktionen und gleichzeitig Vorteile des Vocab Journal lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Es dient sowohl der Dokumentation des individuellen Spracherwerbs, als dadurch auch gleichzeitig der Dokumentation des individuellen Lernstandes. Durch die Anwendung eigener oder von der Lehrkraft in die Wege geleiteter Lern- und Umwälzstrategien wird individualisiertes und oftmals eigenständiges Lernen unterstützt, gleichzeitig auch die Methodenkompetenz und die language awareness trainiert. Mit einem gut geführten Inhaltsverzeichnis gelingt auch das Nachschlagen in einem Journal einfacher als im Vokabelheft, dessen Einträge vermutlich nach Units geführt werden und nicht nach Zusammenhängen.
Zur Anlage des Vocab Journal lassen sich die folgenden Impulse geben:
Das Journal sollte von der Lehrkraft eingeführt und seine Funktion den SchülerInnen bewusst gemacht werden, die Lehrkraft gibt dabei Impulse, die letztliche Ausgestaltung des Journals soll aber den SchülerInnen und sowohl ihrer Kreativität als auch ihren (technischen) Möglichkeiten überlassen werden. Es bietet sich an, das Instrument mehrmals im Jahr selbst im Unterricht zu thematisieren, einzelne (Zwischen-) Ergebnisse zu präsentieren und den Einsatz zu reflektieren. Daher sollte das Vocab Journal verbindlich für alle SchülerInnen sein, was wiederum durch eine permanente Aktivierung im Unterricht gewährleistet sein sollte. Schließlich bietet es sich auch an, die individuelle Art der Wortschatzarbeit in Tests anzuwenden.
Mögliche Ansätze der Integration des Vocab Journals in den Unterricht und die häusliche Arbeit dienen der automatisierten, selbstverständlichen Nutzung. Es können konkrete aktivierende Aufgaben zur Wortschatzarbeit gestellt, Rituale im Unterricht zum Einsatz dieses Instruments genutzt, geeignete Sozialformen und Methoden gewählt werden, so dass sich die SchülerInnen gegenseitig bei der Wortschatzarbeit unterstützen, oder immer wieder auch auf ältere Einträge zurückgegriffen werden. Auch das gemeinsam erarbeitete Tafelbild zu einem thematischen Feld gehört in das Vocab Journal.
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