Der Klassenrat in unserer WIR-Stunde


Nach einigen Jahren Erfahrung mit dem Klassenrat habe ich gelernt, dass die Moderation die größte Freude und gleichzeitig den größten Stolperstein für die SchülerInnen darstellt.

Es fällt den Kindern manchmal etwas schwer frei zu formulieren. Sie geraten dadurch ins Stocken und fühlen sich unsicher.

Aus diesem Grund habe ich verschiedene Methoden und Materialien ausprobiert und aus meinen Erlebnissen und dem Erzählen der Kinder dann eigene Moderationskarten entworfen, die Formulierungshilfen liefern und es den SchülerInnen ermöglichen reibungslos durch den Ablauf zu führen. 

Der Ablauf, den ich verwende ist wie folgt:

  1. Begrüßung/ Eröffnung
  2. Warme Dusche/ Lobrunde
  3. Rückblick
  4. Anliegen
  5. Abstimmung (optional)
  6. Abschluss (eventuelle Denkzettel verteilen)

Ich konnte beobachten, dass die SchülerInnen riesigen Spass daran haben, diesen Job zu übernehmen, sodass ich mittlerweile auf ihren Wunsch hin sogar eine Liste führen muss, damit jeder gleich oft dran kommt ;)

Die Karten in der Hand zu haben scheint ihn Sicherheit uns Selbstvertrauen zu schenken. Ich habe die Karten an einer Ecke gelocht und mit einem Ring (Schlüsselring) verbunden. Dadurch können sie nicht durcheinander geraten und es geht nichts verloren. 

Man spürt förmlich die Selbstwirksamkeit, die sie durch den Klassenrat erleben! Es wird nach kurzer Zeit für alle klar:

Wir schaffen es...    

... unsere Probleme und Streitigkeiten selbst zu klaren.

... Lösungswege zu finden und unser Miteinander zu verbessern.

... respektvoll miteinander zu sprechen und verantwortungsbewusst miteinander umzugehen.

Es ist für uns als Klassenlehrer wahnsinnig schön zu sehen, wie die Kinder aufblühen und jedes Mal ein paar Zentimeter zu wachsen scheinen. Gleichzeitig ist es auch eine riesige Entlastung für uns.

Vorher forderten die SchülerInnen oft von uns den Richter zu spielen: Wir sollten darüber entscheiden, wer schuld sei, wer lüge und wer die Wahrheit sage.

Jetzt sitzen wir einfach mit im Sitzkreis und beobachten. Wir schalten uns nur dann ein, wenn wir merken, dass das Gespräch sich im Kreis dreht oder die Moderatoren durch eine Situation überfordert sind. Aber selbst dann melden wir uns und machen lediglich Vorschläge.

Neben der Moderation gibt es noch weitere Jobs: 

Der Regelwächter verwarnt SchülerInnen, die sich nicht an die Gesprächsregeln halten. Gibt es einen weiteren Verstoß, kann der Regelwächter dem Kind die weitere Teilnahme untersagen (es darf sich nicht mehr zu Wort melden).

Der Protokollführer verließt das Protokoll des letzten Klassenrats und schreibt die Ergebnisse des aktuellen Rats auf.

Dafür habe ich ein klar strukturiertes Protokoll passend zu den Karten erstellt.

Es hat Platz für die wichtigen Daten, jeweils drei Anliegen/Lösungen, Denkzettelvermerk und eventuelle Klassenentscheide.

Der Denkzettel ist ein Reflexionsbogen für SchülerInnen, die sich nicht an vereinbarte Regeln gehalten haben.

Der Klassenrat meiner Klasse gibt einem Kind, das sich etwas zu Schulden kommen lassen hat einen "Denkzettel" nachdem das Anliegen besprochen wurde.

Der Schüler/ die Schülerin hat nun die Aufgabe diesen Denkzettel bis zum nächsten Klassenrat (findet wöchentlich in der sogenannten WIR-Stunde statt) zu bearbeiten und dann dort beim Lehrer abzugeben.

Die Reflexionsfragen befinden sich auf den Innenseiten: das gewährt die nötige Privatsphäre, da man es von außen nicht einsehen kann.

Die Fragen sind in zwei Bereiche gegliedert:

Persönlicher Bericht:

Was war los? So war es! 

Das ist passiert/ das war der Grund/ so habe ich mich gefühlt

Ausblick/ Umgang mit dem eigenen Fehlverhalten:

Was jetzt? so wird es!

Das werde ich tun (mich entschuldigen, es wieder gut machen mit..., eigene Idee).

Mit der Unterschrift des Schülers gewinnt das ganze an Bedeutung und ist verbindlich.

Falls das Problem wiederholt aufgetreten ist oder eine gewisse Grenze überschreitet, ist es möglich auf der Rückseite anzukreuzen, dass die Eltern unterschrieben müssen.

Auch die Lehrperson unterzeichnet es bei der Entgegennahme und bespricht den Inhalt gegebenenfalls noch einmal mit dem Kind unter vier Augen.

Der Denkzettel gewährleistet, dass besprochene Anliegen sich nicht im Sande verlaufen, sondern ernst genommen werden und sich hoffentlich auch verbessern.

Viel Spass beim Einsetzen! 


Tags: klassenrat, Reflexion, konfliktmanagement

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