Sternstunden feiern ?

Wie oft lehnt man Lob bescheiden ab und relativiert all die harte Arbeit mit Sätzen wie „Ach, das muss ich nochmal überarbeiten“, „Damit bin ich noch nicht zufrieden“ oder „Ich kann’s nicht besser“. Warum fällt es uns so schwer, Lob einfach nur dankbar anzunehmen? Warum können wir uns oft nicht darüber freuen und denken, es sei nicht ernst gemeint oder sogar eigennützig und mit Hintergedanken verknüpft.

Unser Fokus driftet schnell in die falsche Richtung und lässt uns blind werden, für die guten Dinge. Wie in „Die Schneekönigin“ von Andersen ist uns ein Splitter ins Auge geraten. Es gibt noch unzählige dieser furchtbaren Sätze wie oben, aber letztendlich bedeuten sie für mich immer das Selbe: Undankbarkeit. Du fragst dich jetzt, wieso ein solch hartes Urteil?

Ganz einfach: Wir sollten dankbar sein für all das Gute, das uns umgibt.

Eine Schülerin, die dank deiner Begleitung keine Angst mehr vor dem Stufenbarren hat. Ein Schüler, der seine kreative Ader mutig zeigt, weil du im Klassenrat eine gesunde Feedbackkultur entwickelt hast.

Die kleinen Sternstunden die um uns herum aufleuchten und die wir oft verpassen, wie Sternschnuppen: weil wir einfach nicht hinsehen. 

Und wenn es uns schwer fällt etwas Positives über uns selbst zu sagen, weil wir Angst haben überheblich oder gar arrogant zu wirken, dann sollten wir wenigstens das Lob von anderen annehmen. 

Positive Rückmeldungen kommen meist von Herzen und sind ein Zeichen von Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Beides ist goldwert. Vor allem, wenn dies von einer Person kommt, die genau weiß, wovon sie spricht: einem Lehrer oder einer Lehrerin.

Wann hast du das letzte mal eine Kollegin, einen Kollegen gelobt, ermutigt oder gestärkt?

Das Problem liegt ja nicht darin, dass uns nichts ein- oder auffallen würde. Wir nehmen ständig um uns herum Dinge war - meist so viel, dass es schon an Überflutung grenzt.

Aber worauf konzentrieren wir uns? Worum drehen sich unsere Gedanken? Ja, leider sind es genau die Dinge, die nicht funktionieren, die uns Sorgen machen oder uns ratlos zurücklassen.

Sehen wir dann, wie das gleiche Problem (oder etwas ähnliches) bei jemand anderem funktioniert, passiert ein fataler Fehler in unseren Kopf: Anstatt etwas Gutes daraus zu machen - nämlich die Person zu loben, zu ermutigen, um Rat zu fragen und von ihr zu lernen - sehen wir uns in unserer Existenz bedroht, fühlen uns minderwertig, werden eifersüchtig oder spielen die Leistung des anderen gekonnt runter: „Tja, hätte sie mal einen Tag MEINE Klasse, sähe es wohl ganz anders aus.“ oder „Ja klar, mit den Fächern ist das ja auch keine Kunst.“

Missgunst hat im Lehrerzimmer meines Erachtens wirklich rein gar nichts verloren.

Wir haben in unserem Beruf das große Glück nicht konkurrieren zu müssen! Es gibt keine klassische Karriereleiter. Wir können und sollten voneinander profitieren und uns gegenseitig beschenken: mit Lob und Anerkennung, mit Rat und Tat, mit unserer Erfahrung, mit einem offenen Ohr und ganz simpel - mit unserem Material. ?

In den vielen Praktika zu Studienzeiten habe ich ein Einzelkämpfertum nach dem anderen erlebt. Kaum ein Kollegium, kaum eine Fachschaft stand in offenem Austausch mit und über ihren Unterricht. Von niemandem durfte ich das persönliche Material kopieren oder einmal bei ihnen hospitieren. Sogar meine Mentoren ließen das nur ungern zu. Wovor hatten sie solche Angst?

Heute habe ich das Glück mit einem offenen und wertschätzenden Kollegium zu arbeiten. Es ist Teamwork in einer gesunden Form. Ich leite meine fünfte Klasse mit einem Kollegen zusammen: Co-Teaching. Es ist das Beste, was mir hätte passieren können. Wir führen gemeinsam Eltern- und Schülergespräche, planen zusammen, tauschen uns aus und klagen uns auch mal unser Leid. Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sonder als Verbündete. Wir hospitieren gegenseitig in unserem Unterricht - auch und gerade dann, wenn etwas nicht so klappt, wie wir es uns wünschen -und überlegen dann gemeinsam, was man ändern könnte.

Ein zweites paar Augen sieht nämlich erstaunlich viel mehr und sehr oft VIEL MEHR GUTES! 

Also lasst uns dankbar sein und unsere kleinen und großen Sternstunden gemeinsam feiern und genießen. 




Tags: Lobkultur, Kollegenlob, Feiern, Co-Teaching, Dankbarkeit

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