Wahrscheinlich hat jeder Grundschullehrer das eine oder andere ABC-Buch zur Hand, wenn er eine 1. Klasse bekommt. So ging es mir auch jahrelang. Bei dem Buch, das ich nutze, war ich leider nicht immer ganz so zufrieden mit den Geschichten. Manchmal fand ich, der im Mittelpunkt stehende Laut, kam doch etwas zu selten vor, manchmal war er, wie z.B. das C in eine Buchstabenverbindung eingebunden (z.B. sch, ch), was den Kindern natürlich keine Lautunterscheidung ermöglichte. Meine 1. Klasse vom letzten Jahr stand dem Lesen so aufgeschlossen gegenüber, dass ich nach den ersten Wochen mit der Fibel beschloss, diese zu ergänzen und den Kindern eigene kleine Geschichten zu ihrem Namen zu schreiben. Ich glaube, ich brauche nicht zu versichern, wie neugierig die Kinder danach auf jede Buchstabeneinführung wurden und wie sehr sie sich freuten, mit ihrem Anfangsbuchstaben im Mittelpunkt zu stehen. So habe ich mir Lesen-Lernen auch immer vorgestellt: Es muss persönlich bedeutsam sein. Dabei entsprach längst nicht alles der Wahrheit, was ich über die Kinder aufschrieb. Theo hat natürlich keine Tante Trixie, die mit ihm Tango tanzt. Aber dass ich das mit ernstem Gesicht vortrug und immer wieder mal einschob: Ist doch so, oder Theo?, war für die Kinder der reinste Gaudi. Gaudi mit Lerneffekt. Ich musste am Anfang nur ein oder zweimal die Kinder auffordern gut aufzupassen, welche Wörter mit dem jeweiligen Buchstaben in der Geschichte auftauchten, danach wussten sie bei jeder Geschichte ohne Aufforderung, was ihre Aufgabe war.
Aber was war mit den Kindern, deren Buchstabe ganz am Anfang des Schuljahres vorgekommen war? Keines ist auf mich zugetreten und hat gesagt: Ich hatte aber keine Geschichte zu meinem Namen. Doch für eine „ordentliche Grundschullehrerin“ gehört es sich, dass man das nachholt. Im Laufe des Schuljahres habe ich ihnen auch eine Geschichte geschrieben und sie zwischendurch vorgelesen.
In den letzten Jahren gab es bei mir zum Notenzeugnis immer noch ein Brieflein für jedes Kind, was mir an ihm besonders aufgefallen ist. Dieses Jahr sparte ich mir die Arbeit und druckte jedem Kind seine Geschichte aus und legte sie zum Zeugnis dazu. Das wurde von den Kindern und Eltern auch als sehr persönlich empfunden und war ein runder Abschluss zu unseren ABC-Geschichten.
Weil meine Kollegen die Idee auch toll fanden, habe ich mich im Sommer entschlossen, auch Geschichten zu Buchstaben zu ergänzen, die in meiner Klasse gar nicht vorkamen. Außer mit X und Y liegen die Geschichten jetzt gesammelt vor und vielleicht will der eine oder andere sie von euch auch nutzen, denn die Namen sind leicht austauschbar (deshalb auch die Word-Version anbei, die sich in eurem Browser natürlich noch verschieben kann.). Wer noch weitere Ideen hat, über dessen Anregungen oder Kritik freue ich mich natürlich.
Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.