Brainrod im Bildungswesen

Hey,

glaube zwar nicht, dass das hier irgendwer liest, aber hey – ich verspüre Unmut über das Bildungssystem und muss den ja irgendwo rauslassen.

Liebes Tagebuch,

also, ich scrolle hier gerade so durch die Eduki-Angebote, um zu schauen, was hier so angeboten wird, weil ich mir dachte: Ja, so Unterrichtsmaterial erstellen ist ’ne ganz nice Sache, macht mir Spaß, und dabei vielleicht noch ’ne kleine Mark verdienen wäre auch was Nettes.

Aber viel von dem Material, das ich bei meiner Recherche gesehen habe, erschreckt mich mega: zu 90 % irgendwelcher KI-Slop, der mir alles andere als Liebe und Überzeugung fürs Fach entgegenbrüllt. Vieles, was fachlich mittelmäßig und an manchen Stellen sogar falsch ist – und dafür verlangen die Leute auch noch Geld.

Ich möchte hier keinesfalls die Arbeit von Leuten kleinreden. Ich nutze auch KI, und zwar viel, aber ich gebe mein Bestes, das auf eine reflektierte Weise zu machen. Und wenn ich dann sehe, dass zu einem großen Anteil einfach und unreflektiert Bildgenerierung für die Erstellung von Arbeitsblättern genutzt wird, frage ich mich ernsthaft, worauf wir in den nächsten Jahren noch zusteuern.

Alle LuL predigen ihren SuS immer, sie sollen sich nicht einfach darauf verlassen, was KI ihnen ausspuckt. Und wir surfen hier gemütlich auf Eduki rum und besorgen uns dann Blätter, mit denen wir eigentlich genau das machen, was wir von unseren Schülis NICHT erwarten. Und ja, ich nehme mich da nicht raus.

#PracticeWhatYouPreach

Dabei bietet künstliche Intelligenz so viele Möglichkeiten, Bildung neu zu denken, wenn man da nur genug Zeit und Liebe reinsteckt. Ich bekomme mittlerweile einen mittelschweren Anfall von Würfelhusten, wenn ich eine Canva-KI-Clipart-Bildgenerations-Ausgeburt, wie sie auch jeder zweite Sportverein für die Anwerbung von neuen jugendlichen Mitgliedern im Vorortsupermarkt um die Ecke aushängt, sehen muss.

Klar ist das alles auf den ersten Blick immer voll krass, was da rauskommt, aber nicht alles, was glänzt, ist Gold. Ich vermisse ganz erheblich einfach eine eigene Handschrift, die Unterrichtsmaterial in meinen Augen haben sollte. Viele von uns lieben ihren Job und stecken unfassbar viel Zeit in ihr Unterrichtsmaterial. Und gerade deswegen finde ich den KI-Einheitsbrei, der gerade überall entsteht, echt bedenklich.

Eine Sache noch (Achtung, Meinung): Dieses ganze Canva-Design-Zeug sieht zwar echt gut aus, aber da geht es ebenfalls nicht um das Wichtigste: nämlich Lernen. Sondern darum, die reizüberfluteten Kinder, deren Gehirn von Social Media so unfassbar benebelt ist, dass sie von einem AB, auf dem sich nur Text befindet, völlig überfordert sind, irgendwie dazu zu bringen, auf das Arbeitsmaterial zu schauen.

Ich meine, die PISA-Ergebnisse sind gerade raus und die Lesekompetenz ist offensichtlich übern Berg, denn es geht bergab. Aber Hauptsache, das Arbeitsmaterial sieht gut aus und wir müssen keine Arbeit reinstecken.

Was das Fass dann zum Überlaufen gebracht hat, ist, dass die Überprüfung, die offensichtlich auch über künstliche Intelligenz läuft, einen schwerwiegenden fachlichen Fehler in meinem Material entdeckt haben will, der einfach nicht vorhanden ist. Vielleicht, weil sich das nicht an die Standardformel hält, mit der sich der KI-Slop selbst füttert. Vielleicht hab ich auch wirklich was falsch gemacht und checke es nicht, weil die KI klüger als ich ist. Who knows.

Lange Rede, kurzer Sinn: Bildung ist wichtig, ich liebe meinen Job und möchte es besser machen. Mal schauen, was wird. Falls irgendwer bis hierhin gelesen hat: Ich hoffe, es geht euch genauso.

Dann sag ich mal: Bis zum nächsten Luftmachen meinersetis!

Tags: digitale bildung, kunstliche intelligenz, bildungssystem, wut

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