
🍂 Kennst du diese Morgen?
Du bist auf dem Weg in deine Klasse. Eigentlich noch ein bisschen müde. Gestern Abend ist es wieder später geworden, weil aus „Ich bereite nur noch schnell die Stunde für morgen vor“ natürlich nicht ganznur noch schnellgeworden ist.
Draußen ist es schon kühler.
Ein leichter Wind weht dir um die Nase und irgendwo unter deinen Schuhen raschelt es.
Du schaust nach unten.
Da liegt ein Blatt.
Braun, mit einem warmen Goldton am Rand. Ein bisschen wie Karamell, das gerade in einer Tasse Kaffee verschwindet.
Und für einen Moment ist der Kopf nicht bei Kopien, Stundenplan oder dem, was gleich als Erstes auf deinem Tisch liegen wird.
Du schaust hoch.
Der Himmel wird gerade hell. Erst ganz vorsichtig. Orange, ein bisschen Rot, irgendwo noch Grau. Die Luft ist kalt und klar.
Ach, Herbst.
Und plötzlich kommt dieser Gedanke.
Eigentlich könnten wir heute Kastanien sammeln gehen.
Einfach raus.
Vielleicht finden wir auch ein paar schöne Blätter. Für die Fensterbank. Oder wir nehmen sie mit rein und machen später etwas daraus.
Ein paar Eicheln werden sowieso in irgendwelchen Jackentaschen landen.
Und Zapfen.
Garantiert Zapfen.
Vielleicht steht morgen ein Kürbis im Klassenzimmer.
Und während du noch weitergehst, entsteht vor deinem inneren Auge schon dieses kleine Herbstchaos.
Ein Korb auf dem Tisch, in dem sich Kastanien stapeln. Blätter dazwischen. Eicheln, deren Hütchen längst irgendwo anders liegen. Ein Zapfen rollt unter einen Stuhl.
„Schau mal!“
Natürlich.
Eine Kastanie.
Als hätte noch nie jemand zuvor eine gesehen.
Und trotzdem schaust du hin.
Weil diese hier besonders groß ist.
🤎
Vielleicht ist genau das so schön am Herbst.
Wir kennen das alles.
Kastanien sammeln. Blätter mitnehmen. Kürbisse vor die Tür stellen. Eicheln in der Tasche finden, von denen später niemand mehr weiß, wie sie dort hineingekommen sind.
Das gab es schon bei Oma.
Und bei Oma war es schön.
Heute ist es das immer noch.
Denn eine Kastanie ist immer noch wunderbar glatt. Ein trockenes Blatt raschelt immer noch zwischen den Fingern. Ein Zapfen fühlt sich rau an. Ein Kürbis ist schwerer, als er aussieht.
Man kann den Herbst anfassen.
Und vielleicht gehört er gerade deshalb so wunderbar in eine Klasse.
Nicht nur als Überschrift auf einem Arbeitsblatt.
Sondernwirklich.
Rein damit.
Die Kastanien auf den Tisch. Die Blätter ans Fenster. Die Zapfen in einen Korb. Den Kürbis mittendrin.
Und dann schauen, was passiert.
Vielleicht wird gemalt.
Vielleicht gebastelt.
Vielleicht gezählt, geschrieben, gelegt, gebaut oder ausprobiert.
Vielleicht wird aus einem Blatt plötzlich Kunst und aus einer Handvoll Kastanien ganz nebenbei Mathe.
Und vielleicht ist am Ende gar nicht so wichtig, in welches Fach es genau gehört.
Denn da war dieser eine Herbstmorgen.
Es war ein bisschen kalt.
Die Klasse war draußen.
Irgendjemand hatte viel zu viele Kastanien gesammelt.
Auf der Fensterbank lagen Blätter.
Und das Klassenzimmer fühlte sich plötzlich genauso an wie die Jahreszeit draußen.
Warm. Bunt. Ein bisschen gemütlich. Einfach nach Herbst.
Also vielleicht morgen früh, wenn irgendwo wieder so ein karamellbraunes Blatt vor deinen Füßen liegt:
Nicht einfach weitergehen.
Kurz anschauen.
Und dann vielleicht denken:
Komm. Wir nehmen den Herbst heute einfach mit in die Klasse. 🍂🤎
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