Wenn die perfekte Unterrichtsstunde schon vor 8 Uhr scheitert

5a590318-3023-4c56-8588-6ec6036182fb.jpg

Da ist er: der Plan.

Ausgedruckt. Farbcodiert. Differenziert.
Die Materialien liegen bereit. Die Zusatzaufgabe auch. Und natürlich gibt es noch eine Zusatzaufgabe für die Kinder, die mit der Zusatzaufgabe schon fertig sind.

Die Übergänge sind geplant.
Die Sozialformen durchdacht.
Das Lernziel steht fest.

Eigentlich fehlt nur noch eine Kleinigkeit:

die Kinder.

Und dann kommen sie.

Einer hat seine Sachen vergessen. Zwei haben Streit. Ein Kind stellt eine Frage, die überhaupt nicht vorgesehen war. Die Gruppenarbeit, die auf dem Papier fantastisch aussah, funktioniert ungefähr drei Minuten. Dafür entsteht aus einer völlig ungeplanten Bemerkung plötzlich ein Gespräch, bei dem alle zuhören.

Der perfekte Plan beginnt zu bröckeln.

Und vielleicht ist das gar nicht schlimm.

Gute Vorbereitung ist wichtig. Sie gibt Sicherheit, schafft Orientierung und sorgt dafür, dass Unterricht nicht jeden Morgen neu erfunden werden muss.

Aber Vorbereitung kann auch zu einer ziemlich gemeinen Falle werden:Wenn aus „gut vorbereitet“ irgendwann „auf alles vorbereitet“ wird.

Denn auf alles kann man nicht vorbereitet sein.

Unterricht findet schließlich nicht mit dem Plan statt. Er findet mit Menschen statt.

Vielleicht braucht eine gute Stunde deshalb nicht für jede Minute die perfekte Aufgabe. Vielleicht braucht sie vielmehr genug Struktur, damit man sie im richtigen Moment verlassen kann.

Ein Kind braucht länger? Dann braucht es länger.
Die Erklärung funktioniert nicht? Dann probiert man eine andere.
Eine Aufgabe geht komplett daneben? Auch das passiert.
Die Klasse entdeckt etwas Spannenderes als vorgesehen? Vielleicht lohnt es sich, dort kurz zu bleiben.

Das ist kein gescheiterter Unterricht.

Das ist Unterricht.

Ein perfekter Plan kann nicht vorhersehen, was an diesem Dienstag um 10:17 Uhr in genau dieser Klasse passiert. Und er kann einem auch nicht die wichtigste Entscheidung abnehmen:

Was brauchen die Kinder gerade?

Vielleicht darf Vorbereitung deshalb irgendwann einfach fertig sein.

Nicht perfekt.
Nicht gegen jede Eventualität abgesichert.
Nicht mit Arbeitsblatt Nummer 17 für den theoretisch denkbaren Sonderfall.

Sondern gut genug, um loszugehen.

Und stabil genug, um unterwegs auch einmal vom Weg abzukommen.

Denn am Ende erinnern sich Kinder vermutlich nicht daran, ob der Verlaufsplan eingehalten wurde.

Aber sehr wohl daran, ob jemand gemerkt hat,dass sie gerade etwas anderes gebraucht haben.


Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.


Autor Kreativ mit Frau Lene bietet 34 Materialien für Fachübergreifendes, Kunst und 6 weitere Fächer an - zum Beispiel:

Kommentare und Fragen von anderen Nutzern
Bitte melde dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.
Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen.