Tierethische Bildung in Schule und Kita: Was bedeutet das eigentlich?

Tiere begegnen Kindern an vielen Stellen ihres Alltags und natürlich auch in Kita und Schule. Sie kommen in Bilderbüchern und Geschichten vor, sind Thema im Sach-, Ethik- oder Biologieunterricht, begegnen Kindern auf Ausflügen oder werden in Unterrichtsmaterialien dargestellt.

Dabei lernen Kinder ganz unterschiedliche Sichtweisen auf Tiere kennen. Ein Hund wird vielleicht als Familienmitglied beschrieben, eine Kuh vor allem im Zusammenhang mit Milch und ein Insekt als „Schädling“. Solche Einordnungen sind gesellschaftlich geprägt und oft so vertraut, dass sie im Alltag kaum auffallen.

Tierethische Bildung lädt dazu ein, diese Sichtweisen um eine weitere Perspektive zu ergänzen: Wer sind die Tiere, über die wir sprechen? Welche Fähigkeiten, Gefühle, Bedürfnisse und sozialen Beziehungen haben sie? Und was bedeutet unser menschliches Handeln für die betroffenen Tiere?

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Was bedeutet tierethische Bildung?

Tierethische Bildung nimmt Tiere als fühlende Individuen mit eigenen Bedürfnissen und einem eigenen Erleben in den Blick. Dabei geht es zunächst darum, Tiere kennenzulernen und mehr über ihre Fähigkeiten, Gefühle, Bedürfnisse, Interessen und ihr Sozialverhalten zu erfahren.

Darauf aufbauend kann auch unser gesellschaftlicher Umgang mit Tieren betrachtet werden. Neben der menschlichen Perspektive rückt dabei eine weitere Frage in den Mittelpunkt:

Was bedeutet diese Situation für das betroffene Tier?

Tierethische Bildung schafft so Raum für Perspektivwechsel und gemeinsame Reflexion. Kinder und Jugendliche können unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen, Informationen einordnen, Fragen stellen und eigene begründete Positionen entwickeln.

Dabei geht es weder darum, Tiere mit Menschen gleichzusetzen, noch darum, Kindern und Jugendlichen fertige Antworten vorzugeben. Im Mittelpunkt steht vielmehr eine altersgerechte und sachliche Auseinandersetzung, die eigenständiges Denken ermöglicht.

Warum betrachten wir Tiere so unterschiedlich?

Welche Vorstellungen Kinder von Tieren entwickeln, wird von vielen Einflüssen mitgeprägt: von Familie und Freundeskreis, Büchern und Medien, gesellschaftlichen Gewohnheiten und auch von Sprache und Bildungsmaterialien.

Dabei begegnen ihnen Tiere in ganz unterschiedlichen Rollen. Manche Tiere leben eng mit Menschen zusammen, andere werden vor allem im Zusammenhang mit Lebensmitteln, Bekleidung, Forschung oder Unterhaltung wahrgenommen. Wieder andere gelten als unerwünscht.

Tierethische Bildung kann einen Raum schaffen, solche vertrauten Einordnungen gemeinsam zu betrachten. Dabei können beispielsweise Fragen entstehen wie: Was wissen wir eigentlich über diese Tierart? Welche Fähigkeiten und sozialen Beziehungen haben diese Tiere? Welche Bedürfnisse und Interessen bringen die einzelnen Tiere mit? Und verändert dieses Wissen möglicherweise unseren Blick auf die jeweilige Situation?

Es geht dabei nicht darum, auf jede Frage sofort eine eindeutige Antwort zu finden. Vielmehr können solche Fragen Ausgangspunkt für Gespräche, neue Informationen und unterschiedliche Überlegungen sein.

Noch ein zusätzliches Thema für den Lehrplan?

Tierethische Bildung muss kein weiteres Thema sein, das zusätzlich im ohnehin vollen Bildungsalltag untergebracht werden soll. Sie knüpft an zahlreiche Kompetenzen und Bildungsziele an, die in Kita und Schule bereits eine Rolle spielen.

Wenn Kinder sich mit dem Erleben und den Bedürfnissen anderer Lebewesen beschäftigen, werden beispielsweise Empathie und Perspektivwechsel angesprochen. Wenn sie unterschiedliche Darstellungen und Informationen über Tiere vergleichen und einordnen, sind kritisches Denken und Medienkompetenz gefragt. Und wenn sie eigene Ideen und Handlungsmöglichkeiten entwickeln, können sie Selbstwirksamkeit erfahren.

Auch soziale Kompetenzen, Urteilsvermögen, Zivilcourage und Persönlichkeitsbildung bieten Anknüpfungspunkte. Tierethische Bildung lässt sich damit als eine Perspektive verstehen, die in unterschiedliche Fächer, Themen und Bildungsbereiche einfließen kann.

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Vier Fragen für den Bildungsalltag

Nicht immer braucht es dafür eine eigene Unterrichtseinheit. Manchmal können schon einzelne Fragen dabei helfen, die Perspektive der Tiere in ein bestehendes Thema einzubeziehen:

  1. Was braucht das Tier?

  2. Wie geht es dem Tier in dieser Situation?

  3. Was wäre für das Tier fair oder gerecht?

  4. Welche Alternative wäre tierfreundlicher?

Die Fragen stammen aus unserem Leitfaden zur tierethischen Bildung und können beispielsweise bei Geschichten, Bildern, Unterrichtsmaterialien oder Ausflügen aufgegriffen werden. Sie geben keine bestimmte Antwort vor, sondern können Kinder und Jugendliche dazu einladen, genauer hinzusehen, Informationen einzubeziehen, verschiedene Perspektiven abzuwägen und eigene Gedanken zu formulieren.

Auch Sprache und Materialien prägen unser Bild von Tieren

Nicht nur das Thema selbst spielt eine Rolle. Auch Bilder, Beispiele und Begriffe können beeinflussen, welche Vorstellungen von Tieren entstehen.

So kann es spannend sein, gemeinsam genauer hinzusehen: Wird ein Tier vor allem über eine Funktion für Menschen beschrieben oder erfahren Kinder auch etwas über die Fähigkeiten, Gefühle, Bedürfnisse und das Sozialverhalten dieser Tiere? Welche Informationen fehlen vielleicht? Und wie könnte eine Darstellung aussehen, die auch die Tiere als Individuen sichtbar macht?

Dabei geht es nicht darum, jedes Buch oder Arbeitsblatt grundsätzlich infrage zu stellen. Vielmehr können gerade alltägliche Beispiele interessante Gesprächsanlässe bieten und dazu einladen, Sprache und Darstellungen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Ihr möchtet tiefer einsteigen?

In unserem kostenfreien Leitfaden „Tierethische Bildung in Schule und Kita“ haben wir die wichtigsten Grundlagen kompakt auf drei Seiten zusammengefasst.

Darin findet ihr eine Einführung in tierethische Bildung, praktische Reflexionsfragen und eine Übersicht darüber, an welche bereits bestehenden Bildungskompetenzen das Thema anknüpfen kann. Der Leitfaden eignet sich als Einstieg und kann auch als Argumentationshilfe im Austausch mit Eltern oder Kolleg:innen genutzt werden.

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Weitere kostenfreie Materialien, Hintergrundinformationen sowie Veranstaltungen und Weiterbildungsangebote findet ihr außerdem auf unserem Bildungsportal.

Lasst uns im Austausch bleiben

Hier auf Eduki möchten wir weitere Materialien und Impulse rund um tierethische Bildung mit euch teilen. Folgt uns gerne, wenn ihr keine neuen Beiträge und Materialien von PETAKids verpassen möchtet.

Und jetzt interessiert uns eure Erfahrung: Wo begegnen euch Tiere in eurem Unterricht oder pädagogischen Alltag und welche Themen beschäftigen euch dabei besonders?

Schreibt es uns gerne in die Kommentare. Wir freuen uns auf eure Gedanken und den Austausch!

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